Ist ein einzelner Hund die optimale Begleitung, oder wird das Leben mit Vierbeiner besser, wenn gleich ein ganzes Rudel im Haus wohnt? "Ich stehe da eher auf Trubel im Rudel", schwört Autor Philip Alsen.

Autor Philip Alsen teilt sein Zuhause mit fünf Hunden und schwört auf "Trubel im Rudel".
Einzeln oder im Rudel: die Beziehung
"Uuuiiiii, sind die hübsch. Und so nett. Sagen Sie, sind sie Dogsitter?" Nein, bin ich nicht, aber ich weiß, was noch gefragt wird: "Fünf Hunde? Wie kommt man denn sonst zu fünf Hunden?" Tja, wie kommt man dazu? Wie wird man Vater? Wie Lotto-Millionär? Manchmal lässt sich das Leben nicht planen. Dinge geschehen, und dann ist es eben so. Hauptsache man ist glücklich. Und das bin ich. Ich bin ein glücklicher Mehrhundehalter.
Einzeln oder im Rudel: die Erziehung
Ich behaupte sogar: Mehrhundehalter sind bessere Hundeführer. Nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Sozialisation und Gehorsam sind wichtig. Ebenso Rücksichtnahme auf andere Spaziergänger, auf Hundebesitzer und die vielen, die Angst vor Hunden haben. Sehr selten wird man einen von uns mit Kopfhörern in den Ohren spazieren gehen sehen, während die Hunde machen, was sie wollen. Wir sind wie Kindergärtner: aufmerksam und stets bereit, Unsinn zu unterbinden.
"Wer ist denn der Chef in der Truppe?" Auch so eine beliebte Frage von Einzelhundbesitzern. Einer müsse doch das Sagen haben. Ehrliche Antwort? Keine Ahnung. Nach außen tritt der Große am dominantesten auf, aber wenn abends der Kleine die Treppe absperrt, dann geht da keiner hinauf. Aus der Wasserschüssel trinkt, wer zuerst kommt, die anderen stellen sich in einer Schlange hinten an. Braucht ein Rudel denn immer einen Dominator?
Einzeln oder im Rudel: die Freizeit
"Also, meins wär das nicht!", sagen manche unserer Bekannten. Dabei sind Hunde faszinierend. Sie haben Persönlichkeit, verschiedene Charaktere, individuelle Stärken und Schwächen. Sie lernen voneinander und stützen sich gegenseitig. Und wir, ihre Besitzer, sind immer ein bisschen Verhaltensforscher. "Fremde Hunde spielen nicht", verkündete neulich ein sehr bekannter Hundetrainer auf einem Vortrag. Meine dagegen schon. In der Gruppe ist immer jemand da, der die eigene Sprache spricht. Sie kugeln auf dem Teppich herum, raufen und toben, was das Zeug hält. Diese Kommunikation kann ein Mensch nicht ersetzen.
Einzeln oder im Rudel: der Alltag
Ja, Hunde machen manchmal Dreck. Wir haben deshalb keinen normalen Staubsauger, unserer ist ein schwindelerregend teures Hochleistungsmodell mit rotierenden Bürsten. Und ja, wenn es regnet, steht im Flur ein nicht besonders dekorativer Putzeimer, der Wischmopp lehnt daneben. Man darf nicht pingelig sein. Mein Auto ist groß, es klappert und säuft. Kleiner aber geht es nicht. Futter? Circa dreißig Kilo pro Monat. Kosten? Etwa so viel, wie unsere Kinder an Eiscreme, Aufschnitt und Tiefkühlpizza in sich hineinschieben. Die Einzige, die stöhnt, ist die DHL-Dame. Früher war sie Paketbotin, heute schleppt sie Futtersäcke. Manchmal schenken wir ihr deshalb Blumen. Und bevor wir es vergessen: Unsere Dogsitter-Logistik ist wahnwitzig. Abgeben kann man die Truppe nicht irgendwo. Wollen wir weg, zieht deshalb jemand bei uns ein. Mehrhundehaltung ohne Gästezimmer geht nicht.
Einzeln oder im Rudel: der Zeitfaktor
Ich kenne viele Einzelhunde. Die meisten von ihnen leben nur zum Gefallen ihrer Besitzer. Froh, wenn sie mal mit ins Büro können, hin- und hergeschoben zwischen Menschen, die alle keine Lust haben, bei schlechtem Wetter spazieren zu gehen. Meine haben einander, und sie haben mich. Mit ihnen zu arbeiten fasziniert mich, zu sehen, wie sie sich entwickeln, macht mich stolz. Gut, es stimmt: Mehr Hunde bedeuten mehr Arbeit, mehr Schmutz und höhere Kosten. Aber ich würde es nicht mehr anders wollen. Das Leben mit viel Hund ist nicht für jeden etwas, aber mir machen viele Hunde viel mehr Spaß.
Apropos, warum fragt nie jemand nach diesem Spaß, den man mit mehreren Hunden haben kann? Nach den Abenteuern, die ich durch sie erleben durfte, und den Menschen, die ich durch sie kennengelernt habe. Nicht zu vergessen, wie warm und kuschelig es ist, sich mit allen gemeinsam auf dem Sofa zu fläzen. Neulich war einer der fünf für ein paar Tage weg. Zugegeben, es war ruhiger, aber ich habe ihn vermisst. Denn irgendwie waren wir ... unvollständig.
Die Hundevita des Autors
Ich bin ein Tierschutzkind. Meine Mutter lebt auf Ibiza, als Kind ging ich da in die Vorschule. Wer länger auf so einer Insel lebt, kommt an der Hunderettung nicht vorbei. Meine Kindheits- und Jugenderinnerungen sind daher voll von Hunden aller Größen und ungeklärter Herkunft. Mein erster eigener Hund war Willi, ein Labrador-Schäferhund-Mischling. Jemand holte ihn mittags vom Bauernhof und stellte abends fest, dass er keine Zeit für ihn hat. Er brauchte ein Zuhause.
Nach seinem Tod gab es ein paar hundelose Jahre, die irgendwann durch einen ibizenkischen Mülltonnen-Terrier abgelöst wurden, den jemand aus dem Auto geworfen hatte. Eine Frau brachte später einen zweiten Ibizenker, verschwand eines Tages und ließ den Hund bei mir. Auch den ersten Vizsla habe ich einer Frau zu verdanken. Beide sind ein wirkliches Geschenk. Ihm folgte ein zweiter (weggeholt aus schlechter Haltung) und eine kleine Vizsla-Hündin aus einer jagdlichen Leistungszucht. Ob es noch mal ein paar Jahre ohne Hunde für mich gibt? Wenn ich es verhindern kann, nein!
Einer oder viele? DOGS-Autorin Astrid Nestler findet: "Es gibt immer nur den einen".
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