Ist ein einzelner Hund die optimale Begleitung, oder wird das Leben mit Vierbeiner besser, wenn gleich ein ganzes Rudel im Haus wohnt? "Es gibt immer nur den einen", schwört DOGS-Autorin Astrid Nestler.

DOGS-Autorin Astrid Nestler ist sich sicher: "Man kann nur eine beste Freundin haben, einen Ehemann und einen Hund."
Einzeln oder im Rudel: die Beziehung
Man kann nur eine beste Freundin haben, einen Ehemann und einen Hund. Sind diese Stellen besetzt, ist ein Wechsel mehr als schwierig. Natürlich, man hat weitere Freundinnen, besser gesagt Bekannte, vielleicht den einen oder anderen Liebhaber oder einen Zweithund als Spielfreund für den einen. Aber diese beiläufigen Zerstreuungen sind wie das Wetter, sie ändern sich.
Einzeln oder im Rudel: die Erziehung
Mal ehrlich, mehrere Hunde unter Kontrolle zu halten, bedeutet Drill und enge Grenzen. Einer dagegen folgt durch Kooperation, durch reines Aufeinanderbezogensein. Ein leiser Pfiff, und schon steht er da, zuverlässig. Weil er will, nicht weil er muss. In den Augen meines Hundes bin ich die Sonne, er ist der Planet, der um mich kreist. Klar, wir treffen auch andere Hunde zum Rennen, Toben und Spielen, aber nicht an jedem Tag. Wir nehmen uns viel Zeit für uns allein, ziehen gemeinsam los, erleben Abenteuer oder lernen neue Tricks.
"Kleinigkeiten machen die Summe des Lebens aus", das wusste schon Charles Dickens. Also achte ich im Alltag auf Details: Senkt sich die Rute meines Hundes, wenn ich ihn anspreche? Entzieht er sich, bevor ich das Gespräch beende? Reagiert er bereits auf feinste Signale? So viele Nuancen bekommt doch einer mit vielen Hunden gar nicht mit.
Einzeln oder im Rudel: überhaupt
Mehrere Hunde sind kein "Wir". Sie sind ein "Ich und sie". Sie sind ein Gegenüber. Sie auf der einen und ich auf der anderen Seite. Mit einem Rudel zu leben, ist ähnlich wie vor einer Schulklasse zu stehen. Man muss sie führen, ihr Chef sein, ohne wirklich dazuzugehören. Ständig gilt es, sich abzugrenzen, dazwischenzugehen und Streitigkeiten zu schlichten oder Eifersüchteleien zu verhindern. Ich behaupte: Ein inniges Zusammenleben auf Augenhöhe ist mit einer Meute nicht möglich.
Wir dagegen, mein Hund und ich, gehen im gleichen Takt spazieren und durchs Leben. Die ersten Jahre waren nicht einfach, mittlerweile verstehen wir uns wortlos. Einer errät die Gedanken des anderen. Wir kennen uns genau und können uns aufeinander verlassen. Wir machen keine Kompromisse. Ein Hund ist ein Partner, ein Seelengefährte. Mehrere Hunde sind eine Herausforderung.
Einzeln oder im Rudel: die Freizeit
Wer nur einen Hund besitzt, und sei er noch so groß und behäbig, ist weiterhin ein gern gesehener Gast. Er kann verreisen wie jeder andere auch, sogar mit dem Zug, und einen Sportwagen fahren. Einen einzelnen Hund nehmen Freunde gern in Pension. Dagegen behaupten Mehrhundehalter, "wir sind sowieso am liebsten zu Hause", nachdem sie wieder mal kein passendes Ferienhaus gefunden haben, schließlich ist "der Kombi sowieso zu klein für all die Hunde und dann noch das Gepäck".
Mit Gepäck meinen Menschen mit vielen Hunden meistens noch nicht mal ihre Kleidung, sondern die Betten, das Futter, das Spielzeug und die Kämme ihrer Tiere. Ich dagegen fahre auch nach Wien oder an die See, mit meiner Familie und mit meinem Hund.
Einzeln oder im Rudel: der Alltag
Mit einem Hund ist das Leben in Balance. Wer mehrere Hunde hat, lebt nur noch unter seinesgleichen. Ist gefangen in einem Kosmos aus spazieren gehen, füttern, bespaßen, erziehen und versorgen. Irgendeiner hat immer Durchfall, ist allergisch oder gerade in der Pubertät. Ein entspanntes Leben sieht anders aus. Zwei Hunde, doppelte Freude? Ich sage: zwei Hunde, doppelter Dreck. Haare, Pfotenabdrücke und der Sabber überall. Von doppelten Tierarztkosten und doppelter Hundesteuer gar nicht erst zu reden. In vielen Städten kostet der zweite schon deutlich mehr als der erste. Ich brauche keinen "Ruf der Wildnis" im eigenen Wohnzimmer, keine Rudelharmonie zum Glück. Schließlich bringen Hunde miteinander nicht immer nur das Beste hervor, sondern potenzieren die Probleme: Sie jagen, raufen und mobben.
Einzeln oder im Rudel: der Zeitfaktor
Mit einem Hund können notfalls die Kinder eine Gassirunde drehen, wenn es nicht anders geht, sogar die Nachbarin oder der Ehemann, auch mit Handy am Ohr. Und überhaupt, die Leine: Mehrhundehalter gleichen da eher römischen Streitwagenfahrern. Oder sie kutschieren die Meute gleich dorthin, wo sie nur noch den Kofferraumdeckel aufmachen und den Dingen ihren Lauf zu lassen brauchen. Ich dagegen gehe mit meinem Hund auch in die Stadt. Wir schlendern an Schaufenstern vorbei, pausieren in gemütlichen Cafés und genießen das entspannte Leben.
Einzeln oder im Rudel: die Hundevita der Autorin
Es hat mit einem weißen Zwergpudel namens Guy angefangen. Den mussten meine Eltern von den Vorbesitzern unseres Hauses übernehmen, als Bedingung. Später, als Studentin in München, adoptierte ich Henry, einen Jagdhundmischling aus dem Tierheim. Dann, ich war inzwischen verheiratet und Mutter von drei Kindern, schenkte mir mein Vater einen wunderschönen Dalmatiner. Und nun bin ich wieder beim Pudel angekommen. Nach Esrahs sehr plötzlichem Tod habe ich Sammy adoptiert, einen charmanten älteren Kleinpudel, wieder aus dem Münchner Tierheim. Wir lernen uns gerade näher kennen.
Einer oder viele? Autor Philip Alsen teilt sein Zuhause mit fünf Hunden und schwört auf "Trubel im Rudel".
Jetzt weiterlesen!