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Kleines Naturwunder Hundepfoten: belastbar, verschleißfrei und empfindsam

Philip Alsen 26.07.2012

Gelenke nehmen Druck auf Dauer übel, die Pfoten des Hundes halten Belastungen stand. Sie sind verschleißfrei und empfindsam – DOGS erklärt, wie das kleine Naturwunder funktioniert.

Freuds Hund hatte den Bogen irgendwie raus. Als „entzückendes Geschöpf, so interessant, auch als Frauenzimmer, wild, triebhaft, zärtlich, intelligent“, beurteilte die Chow-Chow-Hündin die Patienten in der Praxis des Psychoanalytikers. Jeder wurde freundlich begrüßt, jeder nett angewedelt, aber wenn ihr nach diesem ersten Kontakt jemand nicht gefiel, zog sie sich zurück. Für Herrchen Sigmund Freud ein wichtiger Hinweis: „Wen die Jofie nicht mag, mit dem stimmt was nicht“, wusste er. Wer ihr aber gefiel, dessen Nähe suchte sie. Sanft bettelte sie um Aufmerksamkeit, reichte dem Patienten die Pfote und half ihm so, sich den Fragen des Arztes zu öffnen.

Die Pfoten des Hundes
Sensibel und extrem robust - die Pfoten des Hundes sind ein kleines Wunderwerk der Natur © plainpicture/Melanie Fordham

Diese Hundepfote – kaum jemand, dem sich eine entgegenstreckt, kann ihr widerstehen. Hunde seien, bekannte der Seelenforscher Freud, der in seinen jüngeren Jahren nicht eben als Hundefreund bekannt war, „Schönheit in einer sich vollendenden Existenz“ – und die Hundepfote ist ihr Zeichen.

Ein kleines Wunder

Aus Sicht des Therapeuten hilft sie für den Blick in die menschliche Seele, aus Sicht der Biologen ist sie ein kleines Wunder: unglaublich flexibel, so robust, dass sie heißem Asphalt genauso standhält wie gefrorenem Boden, und gleichzeitig so empfindlich, dass sie nicht nur kleinste Temperaturschwankungen wahrnehmen, sondern dem Hund auch im Bruchteil einer Millisekunde melden kann, wenn er auf etwas Spitzes oder Scharfes tritt. Wer rechtzeitig den Fuß anhebt, statt auf etwas Scharfes oder Spitzes zu treten, bleibt unverletzt.

Anatomisch sind Pfoten ähnlich aufgebaut wie menschliche Hände: Vier durch Hautlappen miteinander verbundene Zehen tragen das Gewicht, der fünfte Zeh (unser Daumen) sitzt ein wenig höher am Vorderlauf. Ob er eine Funktion hat oder nur ein verkümmertes Anhängsel ist, darüber streiten Tierschützer und Hundezüchter seit Jahren.

Die einen schneiden ihn dem nur wenige Tage alten Welpen als unnütz ab, die anderen bezeichnen das als Quälerei und unterstellen, dass der Hundedaumen zumindest zum Halten von Stöcken, Knochen oder sonstigen Dingen tauge. Tatsächlich ist dieser Daumenzeh durch schmerzempfindliches Gewebe, Knochen und ein funktionierendes Gelenk mit dem Lauf verbunden. Wie jeder andere der vier Zehen hat auch er einen Ballen. Die haben es in sich: Die Haut, die sie schützt, ist mit rund 1800 Mikrometer etwa 50-mal dicker als die restliche Haut am Hundekörper. Um die Stoßdämpferwirkung des darunterliegenden Fettgewebes nur annähernd zu imitieren, geben die Sportschuhhersteller jährlich viele Millionen an Forschungsgeldern für neue Kunststoffe aus.

Beschleunigen und bremsen

Gedämpft werden muss, denn wenn ein Hund über die Wiese fetzt, ist die Belastung groß: Durchschnittlich sechzig Prozent ihres Körpergewichts tragen Hunde mit den Vorderpfoten, die deshalb auch immer etwas größer sind als die Hinterpfoten.

Beginnt der Hund zu traben, kommen Beschleunigungskräfte hinzu. Die Belastung jeder Pfote steigt auf ungefähr das Körpergewicht des Hundes. Fällt er in den Galopp, ist es sogar das Doppelte. Das Bein eines nur zwei, drei Kilo schweren Chihuahuas trägt dann locker das Gewicht eines Dackels, ein 13 Kilo schwerer Cockerspaniel die Masse einen großen Jagdhunds, und bei einer bis 75 Kilogramm schweren Dogge ist es, als säßen ihr Herrchen und Frauchen gleichzeitig im Nacken.

Richtig heftig wird es, wenn die Tiere sich in die Kurve legen. Dann nämlich kommen zu den Beschleunigungskräften noch Vertikalkräfte hinzu. Und die zerren mit enormer Kraft an den Pfoten, weil Hunde – anders als wir Menschen – in der Kurve keine Geschwindigkeit verlieren. Spätestens beim Stopp zeigt sich, wie schlau Mutter Natur die Pfoten konstruiert hat.

Mit dem Mehrfachen des Hundegewichts werden die Zehen auf den Boden gedrückt, wobei sie sich an der Spitze spreizen und so ihre Fläche vergrößern, ein Prinzip, das von Reifenherstellern durch aufwendige Gummimischungen nachgeahmt wurde.

Pfotengänger berühren den Boden beim Laufen nur über die Zehen. Dabei werden sie von ihren Ballen getragen, den erhabenen, unbehaarten Partien der Haut, die von Muskeln oder von einem Polster verdickter Unterhaut unterlagert sind.

Robust und ausdauernd

Die Gelenke nehmen solche Belastungen auf Dauer übel, die Pfoten des Hundes nicht. Sie sind wie eine Glühbirne, die nie durchbrennt, oder eine Schuhsohle, die sich nicht durchläuft: absolut verschleißfrei. Natürlich sehen Ärzte manchmal aufgescheuerte Pfoten, durch normales Laufen aber sind die nie entstanden. „In der Regel steht hinter solchen Verletzungen eine für den Hund unnatürliche Situation wie zum Beispiel eine panikartige Flucht über Asphalt, bei der unnatürlich viel Druck auf die Pfote kommt“, erklärt Dr. Andreas Engelke, Facharzt für Kleintierkunde in Quickborn. Scherben, Eiskristalle oder scharfkantige Kiesel können den Ballen aufschneiden. „Wund laufen“, weiß der Experte, „können sich Hunde unter normalen Alltagsbedingungen aber nicht.“

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