DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Abschied Wenn der Hund unheilbar krank ist

11.10.2010

Hunde werden immer älter, nur sterben dürfen die wenigsten im eigenen Körbchen. Meistens schläfert ein Tierarzt den Freund ein. Eine Hilfestellung für die traurige Frage nach dem richtigen Zeitpunkt fürs Fortgehen von Tierärztin Thekla Vennebusch.

Es ist alles andere als einfach zu erkennen, ob ein altes oder krankes Tier Freude am Leben hat oder ob es so leidet, dass der Tod eine Erlösung wäre. Ein Ratschlag, den man in diesem Zusammenhang geben kann, ist: Entscheiden Sie unabhängig von den eigenen Ansichten und Ängsten allein im Sinn des Tieres. Ein altes oder krankes Tier leiden zu lassen, die Augen vor seinem Leid zu verschließen, ist so unverantwortlich, wie ein Tier grundlos oder verfrüht einschläfern zu lassen.

Wenn der Hund unheilbar krank ist
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo sich Hundebesitzer von ihrem Vierbeiner verabschieden müssen © stocksy/ Rachel Bellinsky

Unter der Last dieser Verantwortung und aus der Sorge heraus, nicht im Sinn des Tieres zu entscheiden, fragen viele Halter nach objektiven Kriterien für den richtigen Zeitpunkt. Allgemein gültige Regeln gibt es nicht.

Folgende Gründe können jedoch ausschlaggebend sein:

  1. Der Hund ist unheilbar krank, hat deshalb starke Schmerzen, die auch durch Therapien nicht behandelt werden können.
  2. Der Hund leidet unter schweren Unfallverletzungen, die sein artgerechtes Weiterleben nicht mehr ermöglichen.
  3. Die fortgeschrittene Altersschwäche des Hundes beeinträchtigt sein Leben sehr.
  4. Nicht behebbare Umstände machen die Haltung des Hundes unmöglich, zum Beispiel, wenn der Hund Harn- und Kotabsatz nicht mehr kontrollieren kann oder seine Aggressivität zur Gefahr für Mensch und Tier wird.

Leider zeigen viele Hunde oft erst sehr spät, dass sie Schmerzen haben oder leiden. Die Natur hat dies so eingerichtet, damit ein krankes Tier vom Feind nicht als schwach und als leichte Beute erkannt wird. Daher kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, ein unheilbar krankes Tier einzuschläfern, bevor seine Erkrankung weiter fortschreitet. Letztlich können nur die Halter beurteilen, ob das Leben ihres Tieres noch lebenswert oder bereits zur Qual geworden ist – diese schwere Entscheidung kann ihnen keiner abnehmen. Bei offenen Fragen, Unsicherheit und Zweifeln sind Tierärztin oder Tierarzt mit kompetentem fachlichen Rat und ihrer persönlichen Erfahrung eine wertvolle Hilfe, auf die man vertrauen sollte.

Ich habe des Öfteren darüber nachgedacht, warum Hunde ein derart kurzes Leben haben, und bin zu dem Schluss gekommen, dass dies aus Mitleid mit der menschlichen Rasse geschieht. Denn da wir bereits derart leiden, wenn wir einen Hund nach zehn oder zwölf Jahren verlieren, wie groß wäre der Schmerz, wenn sie doppelt so lange lebten?

Walter Scott (1771-1832)

Handeln als Pflicht?

Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Es macht sich strafbar, wer einem Tier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen zufügt. Was aber heißt zufügen? Nicht nur wer aktiv für Schmerzen und Leid eines Tieres verantwortlich ist, handelt gegen das Gesetz. Auch wer Schmerzen und Leid ignoriert, duldet oder verlängert, handelt unverantwortlich. In der offiziellen Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes steht: „Das Einschläfern von unheilbar kranken Tieren, die nur unter Schmerzen und Leiden weiterleben können, ist ein Gebot des Tierschutzes.“

Wird mein Tier leiden?

Jeder Halter kennt seinen Hund sehr gut, merkt, wenn er sich nur noch sehr begrenzt bewegen will oder kann, wenn sein Fress- oder Trinkverhalten sich verändert oder er apathisch wirkt. Auch das Vernachlässigen der Pflege des eigenen Körpers ist ein Anzeichen von Unwohlsein. Ein ohnehin sehr ruhiger und bewegungsunfreudiger Hund wird unter eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten weniger leiden als ein temperamentvoller Wirbelwind. Ein Vierbeiner, der durch einen Unfall ein Auge einbüßt, verliert nicht unbedingt auch seine Lebensfreude. Sind aber Gehirn und Nerven derart geschädigt, dass das Tier immer wieder Ausfallerscheinungen hat, sich nicht mehr selbstständig und koordiniert bewegen kann, ist dies eine Tortur.

Quält die Spritze?

Viele teilen die Bedenken, das eigene Tier könne beim Einschläfern leiden, den Tod bewusst erleben. Diese Sorge ist unbegründet. Man darf den Begriff „Einschläfern“ getrost wörtlich verstehen: Wird ein Tier eingeschläfert, erhält es eine Spritze mit einer Überdosis eines Narkosemittels (Barbiturat). Das Tier wird so zunächst in einen tiefen Narkoseschlaf versetzt, Schmerzempfinden und Wahrnehmung werden vollkommen ausgeschaltet. Erst danach setzt die Wirkung der Überdosis ein. Das Tier nimmt nichts wahr, in tiefer Narkose hört es auf zu atmen und das Herz hört auf zu schlagen.

Unter Umständen kann es sein, dass sich ein Hund während oder nach dem Einschläfern noch bewegt, Kot oder Harn absetzt. Das Tier bekommt davon aber nichts mehr mit, bei der Muskelbewegung handelt es sich um eine Art von Reflex, der auf biochemische Vorgänge im Körper zurückzuführen ist.

Bis zuletzt dabei sein?

Ob Sie als Halter anwesend sein möchten, wenn Ihr Tier eingeschläfert wird, ist eine sehr persönliche Entscheidung, für die es kein allgemein gültiges Richtig oder Falsch gibt. Wer glaubt, mit der Situation nicht umgehen und fertig werden zu können, sollte lieber darauf verzichten. Dies spontan zu entscheiden, wenn die Situation kurz bevorsteht, kann überfordern, und die daraus entstehende Unruhe kann sich auch auf das Tier übertragen.

Ebenso sollten Sie vorher überlegen, ob die Begleitung eines vertrauten Menschen hilfreich sein könnte und erwünscht ist: War das Tier Mitglied einer Familie mit Kindern, so sollten auch diese auf Wunsch die Möglichkeit haben, das Tier in seinen letzten Minuten zu begleiten. Besonders für Kinder kann es wichtig sein, dass der vertraute Hund nicht einfach aus ihrem Leben verschwindet. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Kinder, die dabei sind, wenn ihr Tier ruhig einschläft, sich also mit eigenen Augen vergewissern können, dass es ihm dabei gutgeht, mit dem Verlust erstaunlich gut umgehen können.

Jeder auf seine Art

Wer einmal Abschied von einem geliebten Vierbeiner hat nehmen müssen, weiß, wie sehr das Schicksal der Trennung schmerzen kann. Trauer ist ein ganz natürlicher Prozess und darf zugelassen werden. Versuchen Sie nicht, dieses Gefühl zu unterdrücken, akzeptieren Sie Ihre Traurigkeit, wenn es soweit ist. Ein bewusster Abschied, ein letzter Spaziergang, eine Schmusestunde oder ein gemeinsamer Abend auf dem Sofa können dabei helfen. Doch hier wie beim Einschläfern sollte der Mensch stark für den Gefährten sein und ihm nicht durch zu trauriges Verhalten die Bürde der Vorahnung auftragen, dass bald etwas Schlimmes passieren wird. Besser ist es, sich an die schönen gemeinsamen Erlebnisse zu erinnern – und davon gibt es in jeder Mensch-Hund-Beziehung sicher mehr als genug.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X