
Dackel, Teckel oder Dachshunde? Unterschiedliche Bezeichnungen existieren nebeneinander.
Viele Phänotypen
Dackel in neun Rassen beziehungsweise drei Felltypen in jeweils drei Größen, das ist das Ergebnis von über hundert Jahren Zucht. Stammvater ist der Kurzhaardackel mit einem schwarzroten Fell, das so glänzt, als sei es frisch gebohnert, mit einer langen spitzen Maulwurfsschnauze, kurzen Beinen, die wie die Füße eines Rokokotischchens krumm gebogen sind, und peitschenartig kurzer Rute. So steht "Waldi" auf dem Titel des zuerst 1930 erschienenen Kinderbuch des Illustrators Fritz Koch-Gotha.
Der Blick auf einen illustrierten Hundestammbaum zeigt: Unverkennbar enthalten sind in Waldi die Vorfahren, die Bracke und der deutsche Pinscher, ein ehemaliger Stall- und Hofhund. Auch dem Langhaardackel sieht man seinen Stil gebenden Vorfahren deutlich an. Er hat sein sanft gewelltes, braunes Luxusfell vom Spaniel geerbt. Als dritte Variante folgte in den 1920er Jahren die Kreuzung des Kurzhaarteckels mit Schnauzern und Terriern. Das sollte mehr Schärfe für die Jagd bringen und erzeugte einen pfiffig aussehenden Rabauken, der sich mit Windeseile in die Volksseele einschmeichelte, den Rauhaardackel. Er wurde der Liebling der Wirtschaftswunderjahre. 1972, dem Jahr, in dem Deutschland die Olympischen Spiele ausrichtete, war Waldi das Maskottchen, wurden 28 000 Welpen allein in Westdeutschland gemeldet.
Die Karriere war für den allwettertauglichen Gesellen nicht nur von Vorteil: Als Schoßwärmer und Witwentröster missverstanden und mit Salami rund gefüttert, verkam das deutsche Charaktertier zum "Sausage dog", der Wurst auf Beinen. Der Dackel wurde zum Inbegriff deutschen Spießertums, aufs Einschaltquotenmächtigste dargestellt in der Fernsehserie "Hausmeister Krause". 3,5 Millionen Zuschauer lieben seit 1999 die Sendung, in der Tom Gerhardt Hausmeister Dieter Krause, einen fanatischen Dackelliebhaber und Teckelclubfunktionär, spielt. Sein Kurzhaardackel Bodo löste zwar neue Sympathiewellen aus, die 2007 in einer von dem Netzwerk www.evasrippe.de ausgelösten "Deutschland sucht den Superdackel" mündete, trotzdem ist die Popularität gesunken. Rund 7000 Teckelwelpen verzeichnet der DTK pro Jahr. Positive Folge der geschwundenen Dackelliebe: Massenvermehrung, Krankheiten und Charakterschwächen sind größtenteils ausgebügelt. Wer heute Teckel züchtet, ist in der Regel Idealist.
Lesen Sie mehr: Teckel, Dackel, Dachshund