

Das Wort "Pudel" stammt von "Pfudel", altdeutsch für "Pfütze". Die französische Bezeichnung "Caniche" kommt von "Carnard" - Ente. Ein Stöber- und Entenjagdhund also, und darum auch die praktische Lockenfrisur, aus der das Wasser in Nullkommanichts ablaufen kann. Die übertriebene Continental-Ausstellungsschur, mit der der Pudel wie eine Dolly-Parton-Karikatur wirkt, entstand aus einer Schwimm-Schur: Um ihm das Schwimmen zu erleichtern, schor man seine Vorderläufe, ließ aber das Brusthaar üppig, um die Lungen warm zu halten, schor ihm Hintern und Hinterläufe kurz, ließ aber Fellflecken auf den Nieren - aus denen später die kugelrunden Pompoms wurden.
Pudel haben kein Fell, sondern Haare, die geschoren werden müssen
Der Pudel ist übrigens der einzige Hund, der kein Fell, sondern Haare hat, ohne hundeübliche Unterwolle, das wächst und wächst, und bevor er daran erstickt, muss man ihn eben scheren. Wer mit seinem Pudel auf Ausstellungen will, muss sich notgedrungen dem geforderten Look beugen - der "Naturpudel" hat im Showring keine Chance. In Deutschland sind Modeschur, Puppyschur, Continental oder Saddleclip zugelassen. Aber wer einen Pudel schlicht für den Haus- und Herzensbedarf möchte, dem sei erlaubt, was gefällt.
Das war nicht immer so: Als ein gewisser Hans Thum Anfang der 30er-Jahre die dem Karakul-Lamm nachempfundene "Karakulschur" erfand, machte Himmler persönlich den Pudel zur deutschen Angelegenheit und verbot den "Karakul"-Schnitt als "undeutsch". Der Vorsitzende des Pudel-Hauptverbandes stellte gar einen Antrag auf die Unterbringung Thums in einem Konzentrationslager. Alle nicht linientreu ausgerichteten Pudel galten als Bastarde, bekamen Zuchtverbot und in der Notzeit des Krieges keine Futtermittelkarten. Bis in die 70er-Jahre war der Pudel sehr en vogue. Dann wurde er unmodern, weil man ihn für pflegeintensiv hielt.
Aber je kürzer das Fell, desto leichter das Bürsten und Abtrocknen - denn er ist immer noch ein begeisterter Schwimmer. Abgesehen von der Frisurgestaltung ist der Pudel erstaunlich unkompliziert in der Pflege: Er haart nicht, das heißt die toten Haare bleiben in den Locken hängen, weshalb er alle zwei Tage gebürstet werden sollte, um nicht zu verfilzen. Pudelhalter kennen höchstens das Strandgefühl im Flur, wenn er nach einem schlammigen Spaziergang getrocknet ist und der Sand gleichmäßig aus seinem Haar rieselt. Man kann den Pudel etwa alle sechs Wochen scheren, damit er in Façon bleibt. Mehr gibt es für den Durchschnitts-Pudelbesitzer praktisch nicht zu tun.
Pudel lieben Denksport und Agility
Der Pudel ist sehr aufmerksam, verspielt und gelehrig - das heißt, er hat Beschäftigungsbedarf, möchte Agility, Flyball oder anderen Sport machen. Wer einen Hund für Routine-Spaziergänge sucht, sollte sich für eine schlichtere Hunderasse entscheiden. Seine Erziehung muss etwas anders gestaltet werden als die "normaler" Hunde: Eben weil er so sensibel ist, kommt man beim Pudel mit Zwang nicht weit: Mit harter Hand, Geschrei und rotem Kopf erreicht man beim Pudel nur, dass er sich verweigert. Selbst im Hundesport will der Pudel anders behandelt werden: Ihn immer wieder die gleiche Übung wiederholen zu lassen, wie man es etwa mit dem Border Collie machen kann, langweilt den Pudel zu Tode. Er wird die Hürde zwar auch beim fünften Mal nehmen, weil er es seinem Herrn recht machen will; er wird aber im Schritttempo über das Hindernis steigen, mit einem Blick, der den Menschen beschämt, das Training nicht abwechslungsreicher zu gestalten.
Schließlich ist der Pudel ein origineller Hund - weshalb er große Männer für sich zu gewinnen wusste: Schopenhauer hatte einen Pudel, ebenso Richard Wagner, Ludwig van Beethoven, John Steinbeck, Thomas Mann und der amerikanische Schriftsteller Jeffrey Eugenides. Churchill wurde lange von dem braunen Zwergpudel "Rufus" begleitet und schätzte ihn als "das einzige Wesen in meiner Umgebung, das keine lästigen Fragen stellt und nichts weitererzählt". Wer kann so einen Freund nicht gebrauchen?
> Steckbrief Pudel
> Alle Hunderassen im Überblick