

Der Brustkorb darf nicht zu groß sein, damit die Hunde nicht im Bau stecken bleiben. Äußerliche Merkmale interessierten wenig. Doch seitdem die populär gewordenen Outlaws im Jahr 1990 zu Rassehunden mit der FCI-Standard-Nummer 339 veredelt wurden, passiert, was ihre Liebhaber ängstigt: Der Standard fordert ein bestimmtes Erscheinungsbild, Showlinien entstehen, Hunde, die von ihren Besitzern für den Catwalk gezüchtet werden. "Wenn das so weitergeht", fürchtet Kirsten Döpp, "teilen sie bald das Schicksal der Foxterrier."
Dieser vor etwa 120 Jahren aus dem Clan der Working-Terrier ausgewählte Schlag bringt äußerlich betrachtet für manchen Parson-Russell-Fan nur noch Gecken hervor, Modehunde. "Das ist auch kein Wunder", sagt Christine Tust, die Rassebeauftragte des PRT im "Klub für Terrier", die Foxterrier kennt und mag. "Wenn eine Rasse weit über hundert Jahre auch für Ausstellungen gezüchtet wird, bilden sich fast automatisch bestimmte Erscheinungsformen übertrieben heraus. Alle Rassen sind immer wieder gewissen Modebildern unterworfen."
Auf alten Bildern sehen Foxterrier noch genauso aus wie die Parson Russells heute: keck, kernig, die gut handspannlange Rute empor gestellt, mit mandelförmigen Augen, dunkel wie polierte Kohle, und bunten Flecken im weißen Fell, die ihnen etwas vom Charakter der Hofnarren geben, den einzigen, die im Gefolge der mittelalterlichen Könige auf ihre gewitzte Weise die Wahrheit sagen durften. Das Fell ist einer der ersten augenscheinlichen Beweise für die Wirkung der Schönheitszucht: Ein Blick in die Hall of Fame der Parson Russell (www.parson-russell-terrier-kft.de) zeigt es.
Zu sehen sind die Besten der letzten Jahre, darunter die diesjährigen Weltsieger Hillbilly Russian Roulette und Ironman von den Hebriden und der Multichampion Just in Time Never The Last, lauter überwiegend weiße Hunde. Hier und da mal ein Fleck, höchstens zwei Flecken vornehmlich am Kopf, mehr Farbe haben sie nicht. Warum die Ausstellungsrichter magisch von weißen oder fast ganz weißen Hunden angezogen sind, kann Christine Tust nicht erklären. Dabei sei es gerade wichtig, "möglichst viel Pigment und kräftige Farbe zu behalten, denn viel Pigment bedeutet auch stabile Gesundheit." Dabei bezieht sich Pigment nicht nur auf Fellflecken, sondern ebenso auf dunkel gefärbte Lefzen, Pfotenballen und Tickings, Einfärbungen der Haut.
Eine verwirrende Geschichte
Dass Fox und Parson einander ähneln, hat einen einfachen Grund. Beide lassen sich auf denselben Züchter zurückführen, den ehrenwerten Reverend John, genannt Jack, Russell (1795-1883), einen Pastor mit heftiger Jagd- und Hundepassion, was im viktorianischen England nicht selten war. Porträts zeigen einen sportlichen Mann in Reitstiefeln und Reiterrock, stehend oder hoch zu Ross, von einer Meute buntfleckiger kleiner Hunde umgeben. Schon möglich, dass den "Hunting Parson", den Jagd-Pastor, die außerkirchlichen Leidenschaften die Beförderung zu höheren Weihen kosteten. Er blieb 46 Jahre im Dienst der St. James Church in Swimbridge, einem Ort in der Grafschaft Devon, dem südwestlichen Zipfel Englands, und widmete sich neben dem Kanzeldienst seinen Hunden.
Ihm gehörte, im Mai 1819 von einem Milchmann in Oxford erworben, die legendäre Hündin Trump. Sie gilt heute als Stammmutter aller Parson Russell. Trump hatte dunkle Flecken über den Ohren, "pfeilgerade" Beine und "Größe und Gewicht einer ausgewachsenen Füchsin". Mit ihr beginnend, züchtete der Reverend John Russell bunt gefleckte Terriermischlinge, kreuzte hin und her, hielt aber vermutlich - die Quellen sind sich da nicht einig - eine Linie über Jahrzehnte rein, den späteren Foxterrier. Der Reverend war 78 Jahre alt, als er dem 1873 frisch gegründeten Kennel Club, dem ältesten englischen Hundezüchterverein, beitrat und im Interesse der Clubziele den Standard des Foxterriers niederschrieb - einer, wie er es formulierte, "kultivierten Blume im Unterschied zu den wilden".
Die wilden Blumen waren die Working-Terrier, Hunde, die er von Ausstellungen fern hielt und die, nach ihm benannt, lange Zeit einfach Jack Russell Terrier hießen. Bis die FCI, die Fédération Cynologique Internationale mit Sitz in Brüssel, 1990 zunächst die Rasse Parson Jack Russell Terrier definierte, dann einige Jahre später diesen Namen in Parson Russell Terrier änderte, um als zweite Rasse einen in Australien entstandenen Jack Russell Terrier anzuerkennen.
Was zu großen Verwirrungen führt. Das Schwierige zuerst. Der als Jack Russell populär gewordene Hund heißt heute Parson Russell. Darauf deutet das Verhalten des englischen Kennel Clubs, der die FCI-Bürokratie ignoriert und den zusätzlichen Jack Russell nicht anerkennt. Zum anderen lassen sich die Zuchtbuchzahlen des deutschen Klubs für Terrier als Popularitätsbarometer lesen. Sie zeigen, welcher Hund gemeint ist, wenn sich Menschen für den kernigen Dickschädel in-teressieren. Die Rassebeauftragten verzeichneten 2007 siebzig aktive Parson-Russell-, aber nur fünfzehn aktive Jack-Russell-Züchter.
Das Einfache folgt. Es gibt nur einen Unterschied zwischen den beiden Rassen: die Beinlänge. "Der Parson ist wie der Schäferhund ein Hochläufer, bei ihm ist die Beinlänge fast gleich Rückenlänge", erklärt die Rassebeauftragte Christine Tust, "beim Jack Russell handelt es sich wie beim Dackel um einen Niederläufer, er hat kürzere Beine, wirkt damit im Vergleich zur Höhe länger." Hinzu kommt eine leichte Abweichung bei der Verwendung. Der Jack ist laut Rassestandard ein Arbeits- und Begleithund, der Parson in erster Linie ein Gebrauchshund, wozu gehört, dass nur er in Deutschland jagdlich geführt werden darf.
Tatsächlich bringen, so Christine Tust, nur zehn Prozent der Parson-Züchter des KFT jagdlich geführte Hunde hervor. Tatsächlich sind beide Rassen nicht scharf getrennt. In den älteren Generationen von beiden finden sich gleiche Vorfahren. Wichtig ist auch: Der Jagdtrieb sitzt in ihnen allen. Weder Parson noch Jack Russell Terrier sind etwas für Sofahelden.
Ein Hang zur Meutebildung
Früher war Kirsten Döpf als Judokämpferin Leistungssportlerin. Jetzt trainiert sie zweimal in der Woche mit ihren Hunden Coco, Spike, Buffy und Hilde in ihrem Verein Agility. Jedes zweite Wochenende nimmt sie an einem Turnier teil. Saison ist von Mai bis September. Sie hat sich die kleinen Weißen ausgesucht, weil die ursprünglichen Jagdhunde jeglichen Sport lieben, ihn als Arbeitsersatz sogar dringend brauchen. Außerdem wollte sie einen Hund, der handlich ist, aber trotzdem kein Schoßhund.
"A big dog in a small package", zitiert sie eines der vollmundigen Rasseporträts. Na ja, die Handlichkeit macht sie mit Menge wett: Der Hang zur Meutebildung scheint bei Liebhabern der Parson Russell verbreitet zu sein, als ob sie die Entourage brauchen, die lebendige Schleppe lieben. Was Kirsten Döpp bestätigt: Von ihrem letzten Wurf gingen drei Welpen an Zwei-Hunde-Besitzer, drei sogar an Sechs-Hunde-Besitzer. "One dog is fun, two dogs are more fun", lacht sie.
Steckbrief Parson Russell Terrier
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