
Die Französische Bulldogge strahlt eine Ruhe aus, die nichts erschüttern kann.
Es gibt, grob geschätzt, weltweit an die zwanzig Bulldoggen-Rassen, von denen der Verband für das Deutsche Hundewesen nur zwei anerkennt: die Englische und die Französische Bulldogge. Grace' Frauchen kennt beide gut. Seit zwei Jahren nimmt sie an den wöchentlichen Bulldoggen-Treffen teil, die der Tierfreund Thomas Fuhrmann in Hamburg organisiert, etwas für diese Rassen Typisches. "Die Plattnasigkeit", so Fuhrmann, "macht es für andere Hunde schwer, mit Bulldoggen umzugehen. Ein langnasiger Hund kann ihre Mimik nicht deuten, zudem fehlt oft der Schwanz." Weil die Rudelbildung aber wichtig ist, sind "meet ups", Treffen, ein bewährtes Mittel gegen die Isolierung der Hunde von ihresgleichen.
Thomas Fuhrmann selbst besitzt eine Englische Bulldogge. Er bezeichnet sich als typisches Englische-Herrchen. "Das werden Sie verstehen, sobald Sie mich sehen" - womit er nicht unbedingt sein Äußeres meint, sondern seine Einstellung zum Leben. "Bulldoggen gehorchen nie bis aufs Wort, das sind keine Kadaverhunde", sagt er. Eine Eigenart der Englischen: "Sie schlafen sich groß, 23 Stunden am Tag." Dabei speichern sie eine Ruhe, die nichts erschüttern kann. Auch Grace' Frauchen kennt sich mit den Rosenohrigen aus. Buffy hieß ihre, eine vom sportlichen Typ, bei denen man noch eine Taille sieht. Sie war braun mit weißen Pfoten und einem weißen Oberkopf. Mittendrauf hatte sie einen braunen Fleck wie eine umgekehrte Tonsur. Sie war ruhig, stur, konnte nicht schwimmen und schnaufte. "Man hat den Hund immer gehört, bevor man ihn gesehen hat." An dieses Schnaufen erinnert sich Grace¿ Frauchen gut. Sie hat es lange vermisst, nachdem Buffy, nicht einmal drei Jahre alt, an einem Herzfehler in den Armen ihres Herrchens gestorben war. Zwei Jahre hat es gedauert, bis Grace in die Familie kam.
Ein Grund für die zerbrechliche Gesundheit ist die Schönheitszucht. Um Pokale in der Ausstellungsarena zu gewinnen, wurden bei beiden Rassen, den Englischen und Französischen, typische Merkmale züchterisch hervorgeholt. Übertypisierung führte dazu, dass die Charakterköpfe immer größer, die Nasen immer eingedrückter, die Oberkörper immer breiter, die Beine kürzer wurden. Die Folgen waren Atmungsprobleme, Knochenprobleme, Herzprobleme. Bei den Englischen Bulldoggen gibt es inzwischen etliche Bemühungen, ihre Gesundheit durch Rückzüchtungen wiederherzustellen (siehe Kasten rechts).
Bei den Frenchies sind solche Versuche nicht zu finden. "Unnötig", meint Thomas Scharfenberg, Zuchtwart des Internationalen Klubs für Französische Bulldoggen, "die Französischen Bulldoggen sind nicht so krank." Tatsächlich werden etwa vierzig Prozent der Welpen per Kaiserschnitt geboren. Die Köpfe sind zu groß. Und tatsächlich betonen Züchter es, wenn ihre Hunde "Freiatmer" sind. Manche wünschen sich eine weniger kurze Nase und eine längere Rute anstelle des Stummels. "Wenn ich es mir aussuchen kann, sollte es eine kleine Rute mit drei Gliedern sein", sagt Züchter Thomas Scharfenberg. Und er achtet darauf, dass der Rücken nicht zu kurz ist. Eine weitere Besonderheit der Rasse ist, dass die Hunde Menschen lieben, manchmal sehr: "Ich will bei dir sein, an deiner Seite, in deinem Haus, in deinem Bett, auf deiner Couch", liest man auf der Website des amerikanischen Rasseclubs und die Empfehlung "Take our quiz": Wenn du beantwortet hast, ob du uns vor Hitze schützen wirst, die uns nicht bekommt, uns bei Allergien sofort zum Arzt bringst, hinnimmst, dass wir manchmal Kinder nicht mögen, wenn du all die Jas und Neins addierst, wird dir das Ergebnis zeigen, ob wir die richtige Rasse für dich sind.
Grace begleitet unterdessen ihr Frauchen beim Ausreiten. Eine Stunde, kein Problem, wenn es nicht heiß ist. Grace kann es. Sie ist eine Sportskanone. Im Sommer hat sie ein Planschbecken. In dem liegt sie, kühlt sich ab. Fressen kriegt sie zwei Mal am Tag, am späten Vormittag und zwischen vier und fünf Uhr nachmittags. Frauchen kocht für sie: Fleisch und Pansen, dazu Kartoffeln, Reis, Möhren, Brokkoli oder Rote Bete. Zwei Drittel Fleisch sind es immer. Seit Grace kein Fertigfutter mehr bekommt, schnarcht sie weniger und übergibt sich nicht mehr. Grace beherrscht Kunststücke. Mehr als Platz-Aus-Bei-Fuß. Wenn ihr Frauchen zum Beispiel "Mach Mensch" sagt, läuft Grace auf zwei Beinen. Aufs Kommando "High Five" patscht sie mit der Pfote gegen die offene Hand.
Dreimal war sie mit Grace in der Welpenstunde. Nicht um erzogen zu werden. Eigentlich nur, damit sie andere Hunde außer den Plattnasen kennenlernt - "sie hat sich praktisch von allein erzogen". Aber das ganz Besondere, sagt Grace' Frauchen, ist die Mimik in dem Gesicht ihrer Bulldoggen-Dame. Die ähnelt so sehr der des Menschen, dass man fast alles übersetzen kann.
Portrait Teil 1: Französische Bulldogge
Alle Hunderassen im Überblick