Aus dem raubeinigen Jagdgesellen von einst ist ein Lebenskünstler geworden. Ob Stadtwohnung, Landgut, Motorsegler oder Wohnmobil: Foxterrier finden überall ihren Spaß. Hauptsache Herrchen und Frauchen teilen ihren Abenteuergeist.

Foxterrier sind zähe, mutige, kleine Kerle.
Manchmal male ich mir meinen Traumhund zurecht. Er ist aktentaschengroß, selbstständig, geht allein spazieren und kehrt pünktlich zur verabredeten Zeit zurück. Er besorgt sich sein Fressen selbst. Wenn ich träge bin, überredet er mich zum Waldgang. Er spricht mit mir, knurrt Menschen, die mir unfreundlich gesonnen sind, auf furchterregende Weise an und er stinkt nicht. Denn er lässt sich wie ein guter Pullover im Waschbecken waschen.
Wenn ich alle Geschichten, die in meiner Familie erzählt werden, glaube, gab es einmal so einen Hund. Er hieß Troll und war ein reinweißer Glatthaar-Foxterrier mit schwarzen Ohren. Er wohnte in Görlitz, Elisabethstraße 45, erster Stock. Mein Großvater war Zahnarzt, die Praxis führte er in der Wohnung. Troll verließ die Wohnung, wenn ein Patient kam, ging auf die Straße, besuchte die Marktstände oder den Schrebergarten, den meine Großeltern hatten, und kehrte mit irgendeinem Patienten in die Wohnung zurück. Er führte ein unabhängiges Leben. Alle acht Wochen wurde er mit Imi, dem DDR-Persil, gewaschen. Nachts schlief er in einem Wäschekorb unter dem Küchentisch, nachdem er mit einer Armeedecke, die noch aus dem Ersten Weltkrieg stammte, zugedeckt worden war. Troll lebte in den fünfziger Jahren, als der Foxterrier in Deutschland Modehund Nummer eins war. Kein deutscher Heimatfilm, kein Prominentenfoto ohne Foxl.
10.000 Welpen wurden 1949 ins Zuchtbuch eingetragen. Jetzt sind es noch rund tausend junge Hunde. Einer der letzten Medienstars, der mit einem Foxterrier auftrat, war Robert Lembke. Jeder Fernsehzuschauer kannte sein heiteres Beruferaten "Was bin ich?", in dem erst Struppi, von 1956 bis 1959, und nach dessen Tod Jacky die Fünfmarkstücke bewachte, die Robert Lembke nach jeder falschen Antwort in die Sparschweine steckte. Nachdem 1968 auch Jacky gestorben war, trat kein Foxterrier mehr auf. Andere Rassen wurden populär, leichter zu führende wie Golden Retriever oder Labradore. Die Foxterrier-Anhänger schrumpften zu einer Minderheitentruppe in der Hundewelt, die sich sogleich wieder in zwei Lager teilt. Zahlenmäßig kleiner, nur sechs bis sieben Prozent, ist die Gruppe der Menschen, die einen Foxterrier als Jagdhund führen. Das sind wenige, berücksichtigt man, dass die Rasse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschließlich für die Jagd gezüchtet wurde.
Alles am Foxterrier ist zweckgebunden.
Die Größe: Der zierliche Körper passt in den Tunnel, der zum Fuchsbau führt.
Die Gelehrigkeit: Foxterrier sind vielseitig, sie apportieren, holen geschossene Enten aus dem Wasser (Wasserhund), spüren krank geschossenes Wild auf (Schweißhund), sprengen den Fuchs aus seinem Bau (Erdhund).
Die Furchtlosigkeit: Die wendigen, drolligen Kerle werden sogar bei der Saujagd eingesetzt, wobei sie "über die Wildschweine weg springen und von hinten angreifen", wie Johann Pietscheck, passionierter Jäger und Vorsitzender der Foxterrier-Arbeitsgemeinschaft Rheinland, erzählt.
Die Ausdauer: Er bellt nicht nur dreimal, wenn er eine Wildschweinrotte aufspürt, er hört erst auf, wenn er auch "die stärkste Rotte aus ihrem Verhau rausgekläfft hat".
Die Unempfindlichkeit: Der kleine Kerl kennt keinen Schmerz. Selbst wenn er sich die Augenbrauen verletzt hat und ihm das Blut in die Augen läuft, gibt er nicht auf.
Die Aufmerksamkeit: Er sieht alles, ist darum ständig in Bewegung. Auf dem Hochsitz erspäht er für den Jäger jeden Wildwechsel.
Die Farben: Foxterrier tragen "Tricolor" die klassischen englischen Jagdfarben: Weiß mit schwarzen und rostbraunen Platten.
Der Jagdinstinkt: Er steckt in jedem dieser drahtigen Hunde, weshalb sie immer eine "starke Hand" brauchen. Ausgeprägt ist er in bestimmten Linien, die aus der so genannten Leistungszucht stammen. Man findet sie über die Arbeitsgemeinschaften und Prüfungsgruppen, die in der Foxterrier-Organisation jedem Landesverband zugeordnet sind.
Foxterrier: große und kleine Züchter
Aber "ein Foxterrier eignet sich genauso fürs Sofa wie dafür, einen Fuchs aus dem Bau zu holen". Das wünschen sich jedenfalls Ursula, 71 Jahre alt, und Edgar Tiedemann, 73 Jahre. Womit sie nicht meinen, dass der Foxterrier ein fauler Kerl sei, sondern dass er das Familienleben liebt. Sie haben seit 25 Jahren Erfahrung mit Drahthaar-Foxterriern. Sie war Hausmeisterin bei einer wohlhabenden Hamburger Familie. Er Gefahrengutfahrer für die Hamburger Universität. Ihre großen Hobbys: ein Motorsegelschiff, mit dem sie vor allem im griechischen Meer segelten, und Foxterrier. "Sie sind prima Bordhunde", sagt Ursula Tiedemann.
Manchmal hatten sie vier auf ihrer "Nea Boreas", einem Fünfeinhalbtonner, auf dessen Namen sie auch ihren Zwinger getauft haben. Der ist zwar klein, "mehr als einen Wurf machen wir nicht pro Jahr", sagt Ursula Tiedemann, aber trotzdem ein bekannter Name in der deutschen Foxterrier-Welt. Denn die Hamburger sind mit ihren Hunden in fast ganz Europa unterwegs. Sie gehören zu den 25 bis 30 deutschen Züchtern, die einen Ehrgeiz haben, die ihre Hunde auf Ausstellungen zeigen und um Medaillen wetteifern. Die Tiedemanns tun das, obwohl sie nicht zu den Großen gehören wie Axel Möhrke aus Dülmen, dessen Familie seit über fünfzig Jahren züchtet, der in seinem Zwinger "Von der Bismarckquelle" gut dreißig Deckrüden und Hündinnen hält und dessen Tochter, die Tierärztin Carola Möhrke, als Hauptzuchtwart den Rasseverband mit regiert.
Oder der Herforder Fabrikant Friedrich-Wilhelm Schöneberg, neuer Präsident des Foxterrier-Verbands, der innerhalb von fünf Jahren seinen Zwinger "Von den schönen Bergen" mit zehn Hunden aufbaute, darunter Top-Rüden, die er aus England oder Schweden holt, und der die Foxterrier aus der Vergessenheit herausführen will.
Idealisten
Neben diesen Einflussreichen und Professionellen sind die Tiedemanns mit nur einem Hundepaar Idealisten. Sie haben bescheiden in kleinen Spezialschauen angefangen, bekamen erst nur ein SG, ein "Sehr gut", für einen Hund mit kleinen Fehlern, dann schon ein V für "vorzüglich". Sie fragten, lernten, ließen sich von erfahrenen Ausstellern das Trimmen und Vorführen beibringen. Seit vielen Jahren mischen sie nun vorn mit, belegen Plätze unter den ersten vier Hunden und sammeln Goldmedaillen. Zu acht Weltausstellungen sind sie in gut zehn Jahren gereist, waren in Kopenhagen, Dortmund, Valencia, Wien, Bern, Brüssel und dem polnischen Poznan, ehemals Posen, dabei. Entweder haben sie sich ein Wohnmobil gemietet oder einen Wohnwagen genommen, haben die Reisen immer mit ein paar Tagen Urlaub verbunden. "In Wien sind wir nachher Fiaker gefahren. Die Hunde durften nach vorn auf den Bock, weil sie so schön aussehen", erzählt Ursula Tiedemann.
In der Schönheit steckt viel Arbeit: Sarah und Minox, so heißen Tiedemanns Drahthaar-Foxterrier, kommen jeden Morgen mit ins Bad zum Zähneputzen. Wenn sie einer nach dem anderen auf dem Hocker sitzen, hebt ihnen Ursula Tiedemann die Lefzen hoch, sperrt das Maul auf und schrubbt mit einer Spezial- oder Kinderzahnbürste das Hundegebiss. Erst die Seiten, dann die Vorderzähne. Die beiden sind von klein auf an die Prozedur gewöhnt. "Zähneputzen ist wichtig, die Hunde stinken dann nicht so aus dem Maul", sagt Ursula Tiedemann. Sie nimmt einen Waschlappen, reibt etwas Kern- oder Buttermilchseife daran und wäscht den Foxterriern den Bart, denn "der muss schön sein". Danach wird gekämmt. Ursula Tiedemann nennt sich "Hundefrisörin der Rasse, eine der letzten".
Trimmen und Zähne putzen
Kaum noch jemand könne trimmen oder will es lernen. Dreieinhalb bis vier Stunden braucht sie für einen Hund. Die Haare dürfen nicht geschoren werden. Dann bliebe nur die weiche Unterwolle, die nicht das wasserabstoßende Lanolin enthält, und der Hund würde wie ein Watteball aussehen. Damit das harsche Drahthaar wächst, muss das Fell mit den Fingern gezupft werden. Nur wenn die Hunde zehn Jahre und älter sind, benutzt Ursula Tiedemann außer für den Kopf die Schermaschine, "weil sie dann das Zupfen nicht mehr mögen". Sie nimmt 60 Euro fürs Abtrimmen, macht dafür auf Wunsch auch Zähne und Krallen. Noch einmal 50 Euro kostet das Nachtrimmen fünf Wochen später. Diese Ausgaben müssen sein. Die Züchter sind sich einig: "Das Wichtigste beim Drahthaarfox ist das Trimmen."
Spezieller wird die Arbeit, wenn es darum geht, die Hunde für eine Ausstellung schön zu machen, mit Kniff und Trick über kleine Schönheitsfehler hinwegzutäuschen. Die Hamburgerin ist eine anerkannte Meisterin. Kollegen bestätigen, dass bei einem von ihr modellierten Hund "jedes Härchen sitzt". Wachsen die Beinhaare schlecht, verordnet Ursula Tiedemann dreimal in der Woche eine Kurpackung von Wella: "eine Minute drinlassen, dann ausspülen". Bleibt es schwach, werden die Haare vor der Ausstellung gewaschen, mit Vaseline eingerieben, mit Babypuder bestäubt, nachgetrimmt und mit Haarspray fixiert, "denn das Bein muss wie eine Säule aussehen".
Die richtige Ernährung
Da nur gesunde Hunde schön sind, zählt auch die Ernährung. Dosen- und Trockenfutter kommen Ursula Tiedemann nicht ins Haus. Sie kocht, gart und brät für ihre Hunde. Abwechselnd bekommen die beiden Fisch, jedes Fleisch bis auf Schweinefleisch, jedes Gemüse bis auf Weiß- und Rotkohl. Sie fressen grüne Bohnen, Erbsen, Spargel, Grünkohl, jedes Obst, bei Weintrauben allerdings nur kernlose. Zweimal im Monat setzt Ursula Tiedemann "einen Pott" braune Bohnen für Sarah und Minox auf.
Sie wäscht sie, weicht sie ein, fügt etwas Porree und Sellerie, ein paar Wurzeln und Kartoffeln hinzu und kocht sie mit dem Einweichwasser schön dick ein. Das ist für die beiden gut und noch besser für ältere Hunde, die grundsätzlich nicht mehr so viel Fleisch haben dürfen. Und damit Haut und Haar gesund sind, tut sie jeden Tag einen halben Eierlöffel Biotin Triplex von Chevita ins Futter. Eigentlich etwas für Pferde, aber der Tipp stammt von einem Tierarzt, und die Tiedemanns haben ihn seit Jahren erfolgreich getestet. Und weil es besser für den Magen ist, bekommen Sarah und Minox nicht nur eine Hauptmahlzeit am Tag, sondern außerdem jeden Morgen jeweils zwei daumendicke Stücke trockenes Brot und ein Viertel Banane und mittags mal einen kleinen Apfel, eine Kiwi oder eine halbe Möhre. Bloß keine Leckerli. "Ich hasse dicke Hunde", sagt Ursula Tiedemann.
Der Foxterier: ein klasse Hund
Troll, das ist sicher, würde den heutigen Schönheitsvorstellungen eines Foxterriers nicht entsprechen. Auf Fotos hat er etwas vorstehende Augen und der Kopf ist eher dreieckig als "röhrenförmig", wie der Rassestandard wünscht. Aber er konnte rohe Eier vom Tisch holen, ohne dass sie zerbrachen. Und er tanzte Foxtrott. Troll ist fünfzehn Jahre alt geworden.
Text: Siv-Oriane Saxien