
Wer hilft meinem Hund? Wo verstecken sich die Koryphäen, wenn es um kaputte Gelenke und Knochen geht? DOGS zeigt eine Auswahl der besten Adressen von Praxen, die Ihnen und Ihrem Hund weiterhelfen.

Hüftgelenksdysplasie (HD)
Sie trifft besonders große Rassen wie den Deutschen Schäferhund, Neufundländer, Rottweiler, Golden Retriever und den Labrador Retriever. Früher dachte man, die Erkrankung sei ausschließlich den Genen zuzuschreiben, heute ist klar: Auch Ernährung, Übergewicht und Bewegung spielen eine große Rolle. Und das mit der Vererbung ist eine komplexe Sache, denn auch wenn beide Eltern im Röntgenbild HD-frei sind, kann es passieren, dass sie trotzdem die Neigung zur Hüftgelenksdysplasie weitergeben und ihre Nachkommen eine schmerzhafte HD-Erkrankung entwickeln. Wie kompliziert die Sache ist, erkennt man auch daran, dass trotz Einführung einer Röntgenuntersuchung vor der Zuchtzulassung der einzelnen Tiere die Zahl der HD-Fälle in der Hundepopulation nicht zurückgeht.
Neuerdings wird die Beurteilung der Hüftgelenkserkrankung über das Röntgenbild infrage gestellt. Studien haben gezeigt, dass Röntgenuntersuchungen zur Früherkennung der HD sehr ungenau sind. Im Vergleich mit dem neueren PenHipp-Verfahren, bei dem nicht nur die Form und Stellung von Pfanne und Oberschenkelkopf, sondern vor allem die Festigkeit des Gelenks untersucht wird, schnitt die Beurteilung durch klassisches Röntgen schlecht ab.
Vorsorgend wird oftmals empfohlen, großrassige Welpen keine Treppen steigen zu lassen und sie lieber auf Kosten des eigenen Rückens die Treppe hinaufzutragen. Auch vor dem Lauf am Fahrrad oder dem Joggen mit Herrchen wird gewarnt. Einige Experten sehen das jedoch entspannter: "Die Bewegung beim Welpen einzuschränken, ist zwiespältig", gibt Orthopäde Carsten Grußendorf zu bedenken. "Denn nur wenn man sich bewegt, bilden sich die Muskeln aus, die das Gelenk stabilisieren. Bewegung ist normalerweise förderlich und nicht schädlich, es kommt auf das Maß der Bewegung an. Wenn Hunde zwanzig Kilometer auf Asphalt am Rad rennen, ist das nicht förderlich", so Orthopäde Grußendorf.
Wissenschaftler haben in einer Studie mit Deutschen Doggen den Zusammenhang zwischen Fütterung und Hüftgelenksdysplasie untersucht. Eine Hundegruppe bekam dabei so viel Futter in die Näpfe, wie sie verlangte. Die andere Gruppe erhielt nur 75 Prozent der Fressmenge der ersten Gruppe. Alle Hunde haben sich bewegt, durften nach Lust und Laune herumtollen und Treppen steigen. Tiere, die nach dem Motto "Friss so viel du möchtest" ernährt wurden, entwickelten eine HD, die anderen nicht. Die Fütterung kann also entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung einer HD haben.
Durch zu viel Energie wachsen die Hunde zu schnell, auch zu viel Futter beeinflusst den Knochenaufbau. Ebenso ist die richtige Zufuhr an Kalzium wichtig, eine zusätzliche Gabe kann schädlich sein. Fast jedes Welpenfutter enthält ausreichend Kalzium, sodass keine zusätzliche Gabe notwendig wird. Stoffe wie Muschelextrakte, Chondroitinsulfat und Glykosaminglykane stärken nachgewiesenermaßen den Gelenkknorpel. Auch Omega-3-Fettsäuren machen den Korpel widerstandsfähig (in "Hill's Prescription Diet j/d").
Therapien: Eine besondere Stellung nimmt die frühzeitige Behandlung von Junghunden mittels Beckenschwenkosteotomie ein. Dieser chirurgische Eingriff soll durch eine Drehung des Beckens den Oberschenkelkopf besser überdachen und damit das Hüftgelenk stabilisieren. Ein relativ unkomplizierter Eingriff ist der Nervenschnitt, bei dem man die Nerven, die das Hüftgelenk versorgen, durchtrennt. "Eine Methode mit einer Erfolgsquote von 70 Prozent", so Tierarzt Grußendorf. Die Nerven können sich jedoch erholen und nachwachsen, sodass eine erneute Operation nötig sein kann. Tiermediziner ebenso wie Hundehalter schwören auf die Goldimplantation oder Goldakupunktur. Dabei werden Goldstäbe oder Goldkugeln an Akupunkturpunkte meist in der Nähe des Hüftgelenks implantiert. Diese Goldstäbe bewirken eine Dauerakupunktur, die Schmerzleitung wird gehemmt, die Muskulatur entkrampft sich und der Hund läuft beschwerdefrei. Der Eingriff ist einmalig und wirkt in vielen Fällen ein Leben lang. Selbst eingefleischte Schulmediziner haben mittlerweile anerkannt, wie gut die Methode funktioniert. Die Erfolgsquote liegt bei 70 Prozent.
Künstliche Hüftgelenke waren in den Achtziger- und Neunzigerjahren die Krönung und sind es immer noch. Sind die Prothesen gut angepasst, können die Hunde sofort wieder alles unternehmen, sitzen sie nicht optimal, haben die Tiere nach dem Eingriff Schmerzen. Auch ältere Hunde können ein künstliches Hüftgelenk bekommen. Bei künstlichen Hüftgelenken unterscheidet man zwei Gruppen: die zementierten und die nicht zementierten. Die Fachleute sind sich uneins, welche besser ist. Dabei erzielt man mit beiden eine Erfolgsquote von 90 Prozent. Allerdings: Die teuren halten länger. Hundehalter müssen entscheiden, ob sie lieber 1.800 bis 2.500 Euro oder 3.000 bis 3.500 Euro pro Seite ausgeben wollen.

Ellbogengelenksdysplasie (ED)
Der Ellbogen hat eine anspruchsvolle Mechanik, es sind mehrere Knochen beteiligt und es gibt fragile Knochenvorsprünge, Probleme sind programmiert. Die Fehlentwicklung des Gelenks, die Ellbogengelenksdysplasie, kurz ED, kann verschiedene Ursachen haben. Die Genetik spielt eine große Rolle, außerdem kann die Krankheit durch falsche Ernährung in der Wachstumsphase oder Überbelastung ausgelöst werden. Oft liegt eine Kombination der Ursachen vor.
Besonders betroffen sind großwüchsige Rassen wie Berner Sennenhund, Chow-Chow, Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Labrador Retriever, Neufundländer, Rottweiler und Shar Pei. Erste Beschwerden treten während des Wachstums beim Welpen auf, meistens aber zwischen dem fünften und neunten Lebensmonat: Das bisher quirlige Wollknäuel verliert sichtlich die Freude an Bewegung und beginnt zu lahmen. In schweren Fällen ist der Ellbogen geschwollen und wird vom Körper abgespreizt. In diesem Alter findet bei Welpen enormes Knochenwachstum statt. Werden sie oft und besonders kalorienreich gefüttert, da sie ihren Besitzern außerordentlich hungrig erscheinen, wachsen sie zu schnell und bringen zu viel Gewicht auf die Waage.
Die Folge des Übergewichts sind zunächst nicht sichtbar: Wachstumsfugen am Knochen schließen sich zu früh. Das führt zu krummen Beinen mit folgender Fehlbelastung im Ellbogen. Knochenfortsätze verwachsen unter Umständen nicht mit dem Unterarmknochen und bilden isolierte, später störende Knochenteile. Auch der Gelenkknorpel, der als Stoßdämpfer die Gelenkflächen überzieht, kann durch Übergewicht und Fehlbelastung geschädigt werden und sich ablösen. Diese Knorpelfetzen, Gelenkmäuse genannt, können entfernt werden. Die Operation erfolgt mit einem Arthroskop.
"Bei siebzig bis achtzig Prozent der Hunde passen die verschiedenen Anteile des Gelenks nicht zueinander", erklärt Dr. Grußendorf. Alle folgenden Therapien sind nichts anderes als Versuche, das Gelenk passend zu machen. Da muss der Orthopäde wie ein Bildhauer den Knochen durch Drehung so verändern, dass sich die Verhältnisse im Gelenk verbessern.
Therapien: Künstliche Ellbogengelenke werden mit einer geringen Erfolgsquote (30 bis 40 Prozent) implantiert. Auf längere Sicht hilft nur, wenn Züchter gezielt ausschließlich ED-freie Elterntiere zur Zucht zulassen. Hundebesitzer sollten bei ihrem Hund auf optimale Fütterung achten, das gilt besonders bei Welpen großer Hunderassen. Ernährungsstudien konnten zeigen, dass hohe Anteile an Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA im Futter (zum Beispiel in "Hill's Science Plan Healthy Mobility"), dazu beitragen können, den Knorpelabbau zu verringern. Auch Futterzusatzstoffe wie Glucosamine und Chondroitinsulfat können dies verzögern.

Herausspringende Kniescheibe
Laufen Hunde auf extremen O- oder X-Beinen, sind sie Kandidaten für die Patellaluxation. Dabei springt die Kniescheibe, medizinisch Patella genannt, aus ihrer ordnungsgemäßen Führung nach rechts oder links. Meist gleitet sie nach wenigen Schritten wieder in ihr ursprüngliches Lager zurück. Eine solch muntere Kniescheibe kann bei einer Seite, aber auch an beiden Seiten vorkommen, sie kann Schmerzen und ausgeprägte Lahmheit verursachen, aber auch im leichten Grad ganz ohne Symptome bleiben. Ursache kann eine Fehlstellung von Ober- oder Unterschenkel sein oder auch die mangelhafte Ausbildung der Rinne, in der die Kniescheibe bei jedem Schritt auf und ab gleitet.
Vor allem jugendliche Hunde mit Klein- oder Zwergrassenhintergrund leiden unter der hyperaktiven Scheibe im Knie: Zwergpudel, Zwergpinscher, Boston Terrier, Yorkshireterrier, Chihuahua, Pekinese, Cockerspaniel und krummbeinige Dackel, aber auch größere Rassen wie Spitz, Mittelpudel und Chow-Chow sind betroffen. Bei einseitiger Lahmheit hält der Patient das Bein angewinkelt, bei beidseitiger Lahmheit bewegt er sich mit gekrümmtem Rücken, ähnlich wie ein Hase hüpfend vorwärts. Die ständige Fehlbelastung des Knies führt zu schmerzhaften Arthrosen - "auch ein Grund, warum man im Welpenalter operieren sollte, sobald sich erste Symptome zeigen", sagt Spezialist Grußendorf. "Je länger das Knie falsch belastet wird, desto gravierender die Spätschäden."
Therapien: Für kaum eine andere orthopädische Erkrankung sind so zahlreiche Operationsmethoden bekannt. Am besten bewährt hat sich eine Kombination verschiedener Techniken. Ist die Kniescheibe nach innen gesprungen, wird die Gelenkkapsel auf der inneren Seite gelockert, damit weniger Zug in diese Richtung entsteht. Auch die Rinne, die der Patella als Führung dient, kann vertieft werden. Nach einer Operation sind etwa achtzig Prozent der Patienten beschwerdefrei. Leider kann es zu Rückfällen kommen. Der Tierarzt sollte in der Heilungsphase wöchentlich kontrollieren. Bei einem Rückfall muss nochmals operiert werden, aber auch dann gilt: Je eher das Problem angepackt wird, desto größer sind die Aussichten auf Erfolg.
Zur Vorbeugung helfen eine strenge Auswahl der Zuchttiere und Vorsorgeuntersuchungen auf Patellaluxation durch autorisierte Tierärzte. Bei einer leichten Erkrankung sollte die Muskulatur der Hinterbeine gestärkt werden. Eine gute Übung ist, den Hund Steigungen laufen zu lassen. Auch Schwimmen kann, wie bei fast allen orthopädischen Problemen, einem Hund helfen.
Text: Dr. Brigitte Glöwing
Zum Weiterlesen:
Die Gesundheit des Hundes