

Herzerkrankungen beim Hund: herzkrank im Erwachsenenalter
Sind die Lebensumstände schuld? Einige Herzerkrankungen beim Hund treten erst im Lauf des Lebens auf. Meist im mittleren Alter zwischen fünf und neun Jahren. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der beim Menschen so oft zitierte Lebensstil scheint bei Hunden eine untergeordnete Rolle zu spielen. Bewegungsmangel oder Übergewicht haben bei unserem Sofawolf nicht die gleichen Folgen.
Ernährungsfehler können eine Ursache sein: "Taurinmangel kommt häufiger vor, als er diagnostiziert wird", sagt Dr. Wess. Das Abbauprodukt von Aminosäuren ist wichtig für den Herzstoffwechsel. Gebarfte Hunde, die ausschließlich roh ernährt werden, sind hier einem gewissen Risiko ausgesetzt, aber auch Tiere mit empfindlichem Magen-Darm-System, die über längere Zeit eine Reis- und Lamm-Diät erhalten. Besonders der Cocker Spaniel entwickelt eine Herzerkrankung, die durch einen Taurinmangel hervorgerufen wird, auch wenn sein Futter scheinbar genügend Taurin enthält.
Krankes Herz als Folge anderer Erkrankungen? Leidet der Vierbeiner unter einer bakteriellen Allgemeininfektion, können, sofern es schlecht läuft, die Erreger via Blutbahn zum Herzen reisen und dort eine Infektion auslösen. Zahnerkrankungen, die früher ebenfalls als Ursache für Herzerkrankungen beim Hund ausgemacht wurden, stehen inzwischen nicht mehr unter Verdacht.
Welche Rassen sind hiervon betroffen?
Kleine Rassen wie Zwergpudel, Zweigschnauzer, Yorkshire Terrier und Dackel leiden besonders häufig an einer Herzklappenerkrankung (Atrioventrikularklappen-Endokardiose). Je älter ein Hund, desto wahrscheinlicher ist eine Erkrankung. Etwa 10 Prozent der fünf- bis achtjährigen und 25 Prozent der neun- bis zwölfjährigen und sogar 35 Prozent der über 13-jährigen Hunde sind betroffen.
Auch der Cavalier King Charles Spaniel hat diese Erbkrankheit in seiner Dynastie. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine Bindegewebsschwäche handelt. Durch die bindegewebigen Veränderungen an den Herzklappen schließen diese nicht mehr richtig und Blut kann aus der rechten oder linken Herzkammer in die Vorhöfe zurückfließen. Normalerweise schreitet die Krankheit langsam, über Jahre hinweg fort, sodass es im Allgemeinen erst im Alter von etwa sechs bis neun Jahren zu Krankheitserscheinungen, die für den Besitzer wahrnehmbar sind, kommt.
Große und sehr große Rassen sind genetisch empfänglich für die krankhafte Erweiterung des Herzmuskels, die Dilatative Kardiomyopathie. Unter den Riesen sind Doggen, Neufundländer, Bernhardiner und Irischer Wolfshund betroffen. Bei den Großen sind Rottweiler, Schäferhunde sowie große Mischlinge vertreten. Außerdem kommt diese Form bei Leonbergern, Settern und beim Afghanen vor. Bei Dobermann und Boxer ist eine genetische Veranlagung nachgewiesen. Aber auch kleinere Rassen wie Cocker Spaniel, Springer Spaniel und Foxhound können die Krankheit bekommen. Eine auffällige Häufung wurde in einzelnen Zuchtlinien beobachtet.
Bei der Dilatativen Kardiomyopathie verliert das Herz seine Kraft, es liegt eine Pumpschwäche der Herzmuskulatur vor. Häufig treten im Verlauf der Erkrankung auch Herzrhythmusstörungen auf, welche in einigen Fällen zum plötzlichen Herztod führen können. Herzmedikamente können das Herz unterstützen.
Herzerkrankungen beim Hund: Besserung durch gezielte Zucht?
Auch wenn die erworbenen Herzerkrankungen beim Hund erst in der Mitte des Hundelebens auftreten, ist der Grundstein oft schon mit der Geburt gelegt. Viele sind genetisch bedingt, einige Rassen sind vermehrt betroffen. Meist treten die ersten Symptome im Alter von fünf auf, manchmal erst mit sieben oder neuen Jahren. Das macht es so schwierig, betroffene Tiere aus der Zucht zu eliminieren. Denn die Krankheit wird erst entdeckt, wenn die Hunde schon längst zur Zucht eingesetzt werden.
Herzerkrankungen beim Hund: Früherkennung
Regelmäßige Kontrollen bei der Impfung und ein Gesundheitscheck in jedem Jahr sind besonders bei Hunderassen mit Hang zu Herzleiden und betagten Exemplaren aller Rassen wichtig. Wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, sollten weitergehende Untersuchungen eingeleitet werden. Zum Beispiel kann zur Frühdiagnostik der Dilatativen Kardiomyopathie beim Dobermann oder Boxer ein Langzeit-Elektrokardiogramm über 24 Stunden durchgeführt werden. So können auch leichtere Herzrhythmusstörungen entdeckt werden. Für einige Rassen wie den Irischen Wolfshund, Hovawart, Boxer, Neufundländer, Mittelschnauzer, Dobermann, Cavalier King Charles Spaniel, Polski Owczarek Nizinny sind Untersuchungen vor Beginn einer Zucht vorgeschrieben. Die Ergebnisse der Gesundheitsprüfungen werden den Zuchtvereinen zur Verfügung gestellt. Diese Vorgehensweise hat in den letzten Jahren Wirkung gezeigt.

Herzerkrankungen beim Hund: Welpen
"Im Berliner Tierheim werden immer wieder Welpen abgegeben, weil bei ihnen ein angeborener Herzfehler entdeckt wird und die Besitzer Angst vor den entstehenden Kosten haben", weiß Anita Kapahnke, praktische Tierärztin in Berlin, die im Berliner Tierheim regelmäßig Herzultraschalluntersuchungen durchführt. Meist wird eine Unregelmäßigkeit des Hundeherzens rein zufällig bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Zu den häufigsten angeborenen Herzdefekten gehört eine krankhafte Verbindung zwischen der Körperschlagader (Aorta), die das Blut in den Körperkreislauf pumpt, und der Lungenschlagader, die den roten Lebensstoff in die Lunge befördert: der Persistierende Ductus arteriosus Botalli. Diese Verbindung ist während der Embryonalentwicklung normal, sollte sich beim gesunden Tier jedoch mit den ersten Atemzügen schließen.
Übrigens: Angeboren ist nicht gleichzusetzen mit ererbt. Auch Umwelteinflüsse, Gifte, Erkrankungen der Mutter oder bestimmte Medikamente, die während der Trächtigkeit auf die Mutter einwirken, können zu Entwicklungsstörungen oder Fehlbildungen beim Ungeborenen führen. Wird ein Welpe mit einer Herzmissbildung geboren, bemerken die Besitzer nicht unbedingt sofort etwas. Häufig bleiben die Veränderungen am Herzen zunächst unentdeckt, der kleine Wusel entwickelt sich ganz normal. Nur bei schweren Herzfehlern verhalten sich die Welpen auffällig ruhig und wachsen nur langsam. Doch früher oder später werden alle betroffenen Hunde Symptome zeigen wie Leistungsschwäche, vermehrtes Hecheln oder Hustenanfälle. Häufig sind Anomalien der Herzklappen (Subaortenstenose, Pulmonalstenose) und Löcher im Herzen zwischen der rechten und linken Herzhälfte (Ventrikelseptumdefekt, Kammerseptumdefekt) oder krankhafte Verbindungen der Aorta und der Lungenarterie (Persistierender Ductus ateriosus Botalli) die Ursache.
Welche Rassen sind hiervon betroffen?
Große Rassen wie Neufundländer, Rottweiler, Golden Retriever, Boxer oder auch Deutscher Schäferhund leiden häufig unter einer angeborenen Verengung (Stenose) am Übergang vom Herzen zur Aorta (Subaortenstenose). Die Verengung wirkt wie ein Strömungshindernis, was zu einem gefährlichen Druckanstieg im Herzen führt. Ist die Verengung stark, wachsen die Hundekinder verzögert, sie sind schnell müde, manche fallen in regelmäßigen Abständen in Ohnmacht. Tragisch: Oftmals zeigen die Welpen keine Anzeichen für eine Herzerkrankung und sterben trotzdem plötzlich vor den Augen der Besitzer. Therapie: Schwere Stenosen müssen mit Medikamenten behandelt werden. Unbehandelt sterben 70 Prozent der Hunde mit schweren Stenosen in den ersten drei Lebensjahren.
Mittlere bis kleine Rassen wie Beagle, Samojede, Chihuahua, Englische Bulldogge, Zwergschnauzer, Chow Chow, Basset, Westhighland White Terrier, Foxterrier sowie andere Terrier- und Cockerrassen erkranken vermehrt an der Pulmonalstenose. Auch einige große Hunde wie Labrador Retriever, Neufundländer, Boxer und Mastiff sind betroffen. Bei der Pulmonalstenose ist der Weg vom Herzen zur Lungenarterie verengt. Es stehen hier vor allem Atemprobleme im Vordergrund. Die Welpen leiden unter Atemnot, spielen weniger und halten ihre Besitzer mit Bewusstseinsverlusten auf Trab. Therapie bei schweren Stenosen: Durch einen Katheter-Eingriff kann die Verengung mit einem kleinen Ballon geweitet werden.
Bei weiblichen Tieren bleibt die embryonale Verbindung zwischen Körperschlagader und Lungenartiere zwei- bis dreimal häufiger bestehen als bei ihren männlichen Geschwistern. Mini- und Zwergpudel, Collie, Pomeraner, Deutscher Schäferhund, Cocker Spaniel, Sheltie, Bobtail, Malteser, Yorkie, Rottweiler und Wolfsspitz sind besonders häufig betroffene Rassen. Obwohl manche Hunde mit einem Persistierenden Ductus arteriosus Botalli jahrelang mehr oder weniger beschwerdefrei leben können, entwickeln die meisten unbehandelten Hunden früher oder später ein Herzversagen und sterben oft schon in jungen Jahren. Deswegen ist ein Eingriff in jedem Fall empfohlen, und zwar besser früher als später, bevor sich bereits Folgeschäden am Herzen gebildet haben.
Während bis vor Kurzem die einzige Behandlungsmöglichkeit eine Operation am offenen Brustkorb war, kann dieser Defekt heute oft mittels Katheter verschlossen werden. Dabei wird ein Katheter durch die Arterie an der Innenseite des Oberschenkels zum Herz vorgeschoben. Dieses Verfahren ist wesentlich weniger invasiv als ein chirurgischer Verschluss und hat eine geringere Komplikationsrate.
Herzerkrankungen beim Hund: Wege der Diagnose & Therapie
Ist eine Herzerkrankung erst einmal diagnostiziert, gibt es moderne Therapien, die dem Hund helfen können, bei guter Lebensqualität weiterzuleben. Es gibt unterstützende Diäten (zum Beispiel "Hill's Prescription Ciet Canine h/d" und "Hill's Prescription Diet Canine k/d"), die aufgrund eines reduzierten Protein- und Natriumgehalts herzkranke schonen. Zugesetztes Taurin und L-Carnitin in "Canine h/d" unterstützen eine Stärkung der Herzmuskelfunktion.
Doch wie lebt es sich mit einem herzkranken Vierbeiner? Tierarzt Dr. Wess plädiert dafür, einen herzkranken Fellträger so normal wie möglich zu behandeln. "Ich bin strikt dagegen, die Hunde in einem goldenen Käfig zu halten. Wenn der Hund das Bedürfnis hat, sich zu bewegen, soll er sich bewegen. Wenn er sich hinlegen will, sollte man ihn nicht dazu animieren, weiterzumachen. Dann braucht er wirklich Ruhe. Im Übrigen zählt für mich die Lebensqualität des Hundes und nicht die reine Überlebenszeit", so Gerhard Wess.
In den letzten zehn Jahren hat sich die tiermedizinische Fachrichtung der Kardiologie rasant entwickelt. "Früher hat man im Studium gehört, wenn der Hund ein Herzgeräusch hat, dann solle man doch am besten erst einmal abwarten", erinnert sich Gerhard Wess, der mit Anfang vierzig eher zur jüngeren Generation der Spezialisten gehört. "Heute werden zielgerichtete Untersuchungen eingeleitet." Die Diagnosemöglichkeiten haben sich verbessert, und auch durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden tierische Herzprobleme heutzutage frühzeitig erkannt und behandelt.