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  #1 (permalink)  
Alt 21.04.2010, 19:17
Benutzerbild von Labbifreundin
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Standard Sterbebegleitung

Hallo liebe Foris!

Im Zuge der schweren Erkrankung von Nori muss ich mich auf das Thema "TOD" vorbereiten.
Mein innerer Schmerz ist unermeßlich und irgendwann in den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass ich meinem Hund mit diesem Schmerz und meinem Klammern einfach nicht gut tun kann.

Meine beste Freundin hat mir dann zwei sehr gute Bücher übergeben, mit denen ich mich in der vergangenen Zeit stark beschäftigt habe.

Meine Sichtweise hat sich nun völlig verändert und ich kann mit Nori diese Zeit erleben, verleben und auch genießen.

Ich versuche, es hier mal kurz in Worte zu fassen, denn wo wäre ein besserer Platz dafür, als hier im Punkt "Senioren".

Wir leiden extrem, wenn unser geliebter Hund uns verläßt. Wir denken aber auch extrem menschlich. Der Mensch hat vor dem Tod als etwas Unbekanntem grenzenlose Angst. Mit der Todesangst verbunden, sind für uns Menschen oft Ängste vor dem Verlust von geliebten Mitmenschen, unserem Besitz oder Status. Wir haben verlernt zu begreifen, dass Geburt und Sterben ein ewiger Kreislauf sind.
Krankheit bedeutet für uns Menschen die Sorge vor Schmerzen und auch das sich-hineinfallen-lassen in den Schmerz.

Unsere Hunde erleben den Tod als etwas normales und mit dem Leben verbundenes. Sie klammern nicht, auch wenn sie durchaus enge Bindungen zu uns kennen. Ein Hund fühlt zwar sehr deutlich, wenn er krank ist. Und: Er macht sich auf den Weg ins Licht. Aber: Hunde nehmen Schmerzen als etwas normales und natürliches an. Es gehört zum Rhythmus ihres Lebens dazu.

Schwer wird es für unsere Tiere erst dann loszulassen, wenn wir Menschen klammern.

Besser ist daher der Weg der aktiven Sterbebegleitung.
Ich versuche Nori den Weg einfach und natürlich zu gestalten. Beispiel: Sie mag nicht mehr laufen und blockt, weil sie zu Atem kommen muss. Ich rede ruhig mit ihr und vermittele ihr, dass ich ihr Päusschen verstehen kann. Ich gehe inzwischen nicht mehr panisch mit Schwächeanfällen um, sondern gelassen. Ich nehme es einfach an, wie es ist.

Ich beobachte meinen Hund sehr intensiv, um die eintretenden Sterbephasen besser erkennen zu können. Und was sehe ich momentan: Sie hat sich auf den Weg gemacht, aber es wird noch dauern! Sie ordnet gerade ihre Dinge, wie wir Menschen sagen würden. Will heißen: Sie hat den Rudelvorstand abgegeben. Ihre Resourcen verteilt sie. Sie zieht sich jetzt häufig in abgelegene Räume zurück, um Kraft zu schöpfen. Sie separiert sich von den anderen Hunden. Sie sucht mehr Kontakt zu mir, als ohnehin schon immer. Wir kommunizieren viel. Man kann es lernen, glaubt es mir.

Inzwischen nehme ich es als gegeben hin, dass sie mich verlassen wird. Ihre Schwäche macht mir keine angst mehr. Vielmehr ist es ein natürlicher Vorgang, dass Noris Körper ganz langsam "abschaltet". Ich habe keine Panik mehr, wenn ihre Atmung nicht okay ist.
Eingreifen werde ich erst dann, wenn ich merke, dass sie Wasser in den Lungen hat.

Aus unserer eigenen Urangst zu sterben, neigen wir Menschen dazu, oft leider einfach zu früh einzuschläfern. Wir nehmen unseren Hunden die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann der Lebensweg beendet ist und damit nehmen wir ihnen die Möglichkeit eines würdiges Todes und des damit verbundenen Sterbevorgangs.

Man kann es durchaus merken, wie weit das Tier noch vom Tode entfernt ist.
Nori wird daheim sterben. Und: Sie wird eine schöne und entspannte Umgebung vorfinden. Ich habe Rosenöl im Haus für eine Duftlampe. Sie wird ruhige Musik bekommen und ich werde ihr aus dem "kleinen Prinzen" vorlesen, wenn der Tag gekommen ist. Das Vorlesen dient der Entspannung sowohl des Menschen (für den das eine sehr schwere Situation ist) als auch der des Hundes. Nähe schaffen und Vertrautheit, die es dem Tier einfacher ermöglichen zu gehen.

Ich werde ihr alles fernhalten, was von Hysterie zeugt. Sie soll ihren Weg in Ruhe gehen. Einschläfern lasse ich sie erst dann, wenn sie mir das Signal gibt, dass der Punkt gekommen ist, an dem sie gehen will und kann. Und eingeschläfert wird im Zweifel auch nur bei uns daheim in einer schönen, angemessenen und ruhigen Umgebung. Es wird eine kleine Abschiedszeremonie geben und wir werden bei ihr sein und zwar egal, wann, um wieviel Uhr und an welchem Tag es ist. Wir räumen unserem Hund absolute Priorität ein.

Interesant ist hierbei: Warum sterben Hunde oft nachts und allein? Sie spüren instinktiv den Kummer ihres Menschen und wissen, dass es sowohl für sie selbst, als auch für die Menschen einfacher sein wird, wenn sie allein "loslassen" können und aus dem Leben gehen.

Übrigens bin ich felsenfest überzeugt, dass in dem Kreislauf Geburt und Sterben der Raum vorhanden ist, dass mein Tier in eine bessere Welt übergeht. Es ist einfach nur, als würde man ein Zimmer verlassen, um einen neuen Raum zu betreten.
Der Gedanke gibt mir Trost und Halt, vermittelt er mir doch, dass ich meinen geliebten Hund irgendwann wiedersehen werde. Dort hinter dem Regenbogen, wo es keinen Schmerz und kein Leid mehr gibt.

Wenn ihr mehr über Sterbebegleitung erfahren wollt, oder die Buchtitel meiner inzwischen umfassenden Sammlung zum Thema möchtet, laßt es mich bitte wissen.

Herzliche Grüße von einer momentan (noch) ganz tapferen

Daniela mit Kara, Nori und Abby
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Um wirklich glücklich zu sein, muss man lernen, die universellen Prinzipien, die das Leben als solches aufstellt, zu respektieren und zu akzeptieren.
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Alt 21.04.2010, 19:24
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Ich bin sehr bewegt und würde gerne mehr erfahren.
Und auch gerne deine Buchtipps aufnehmen.
Drücke deine Maus von mir.
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Hunde sind begeisterte und hochpräzise Mitarbeiter, wenn wir sie lehren, dass ihre Mitarbeit geschätzt und honoriert wird.
Nina Miodragovic
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  #3 (permalink)  
Alt 21.04.2010, 20:07
Benutzerbild von kepri
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Seufz, ich erinnere mich bei deinen Worten an den Abschied von Erata und Bakunin, beide durften hier in unseren Armen einschlafen, beide haben uns gezeigt, wann sie nicht mehr wollten, man kann es nicht übersehen.

Ich denke an euch
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Führung sollte aus dem Verständnis der Bedürfnisse derjenigen entstehen, die davon betroffen sind.

Marian Anderson

http://co-bold.jimdo.com

http://kepri.jimdo.com/

Geändert von kepri (21.04.2010 um 20:39 Uhr).
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Alt 21.04.2010, 20:52
Benutzerbild von Cassiopeia
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Mit Tränen in den Augen habe ich deinen Beitrag gelesen.

Ich muss dabei so sehr an meine Alte denken...und ich trage mich ja auch oft mit dem Gedanken: "Was, wenn sie geht? Wann wird sie gehen? Ist es jetzt so weit?"
Sie ist ja immerhin auch schon 14 (oder so)...

Danke dir für deinen schönen und bewegenden Beitrag. Ich wünsche dir, dass du stark bleiben kannst- für sich und deine Maus.

Alles Gute für euch!
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"Liebe mich ein bisschen weniger aber dafür länger."
[Jiddisch]
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  #5 (permalink)  
Alt 21.04.2010, 22:05
Benutzerbild von Labbifreundin
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Hallo Ihr Lieben!

Für alle, die sich mit dem Thema befassen möchten (auch in Vorbereitung) hier mal eine kleine Liste der besten Bücher zum Thema.

Am hilfreichsten waren die beiden ersten genannten Titel auf der Liste. Übrigens sind es Bücher, die auch einem Menschen durchaus hilfreich sein können in den eigenen Gedanken.

Hier die Autoren und Bücher:

Penelope Smith
" Tiere erzählen vom Tod"

Sabine Arndt & Petra Kringel
" Wenn Tiere ihren Körper verlassen"

S. Apuzzo / m. D´Ambrosio
" Auch Tiere haben eine Seele"

Gertraud Radtke
"Unsere Tiere - Botschafter der Liebe"

Vickie Monroe
" Ich höre,, was die Seelen sprechen"

J. Allen Boone
" Die große Gemeinschaft der Schöpfung - Gespräche zwischen Mensch und Tier"

Liebe Grüße und Wünsche

Daniela mit Kara, Nori und Abby
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  #6 (permalink)  
Alt 21.04.2010, 22:17
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Danke Daniela für Deinen einfühlsamen Bericht.
Aus jahrzehntelanger Erfahrung kann ich Dir nur zustimmen.
Bis auf wenige Ausnahmen starben unsere Hunde hier bei uns - umgeben von ihren Menschen und ihren Hundekameraden.

Danke auch für die Bücher-Tips.

Metaxa
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  #7 (permalink)  
Alt 21.04.2010, 22:26
Benutzerbild von BieneMaja
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"schnieef" es ist so traurig. Ich sitze hier, es ist auch Besuch da, lese den Beitrag und fang einfach an zu heulen. Aber es hat keiner gemerkt!

Ich finde es toll das Du Dich mit diesem sehr ernstzunehmenden Thema so eingehend beschäftigst!
Ich wünsche euch ganz viel Kraft für die Zukunft!
Danke für die Buchtipps. Meine Kleine ist zwar noch ganz jung, aber man macht sich seine Gedanken!
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  #8 (permalink)  
Alt 22.04.2010, 00:01
Benutzerbild von stebo
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Daniela, ich wünsche Dir viel Kraft für diesen Weg, den Du gemeinsam mit Deiner Maus gehen willst! Es ist richtig, sich damit zu arrangieren, dass unsere Hunde uns eines Tages verlassen werden, denn wir können es auch durch Klammern nicht aufhalten - wir verhindern damit einfach nur das bewusste Genießen der letzen Tage, Wochen, Monate.

Aber es ist eben doch menschlich und es ist nicht leicht, immer den Verstand über das Gefühl stellen, denn es gibt Zeiten, an denen das Gefühl sich einen Weg nach Außen bahnt. Es klingt bei Dir so, als hättest Du einen sehr guten Weg gefunden, es Deiner Maus leicht zu machen, ihren Weg zu ihrer Zeit zu gehen. Du wirst ganz sicher den richtigen Zeitpunkt erkennen und es Deiner Hündin leicht machen, fortzugehen. Ich wünsche Dir und allen Deinen Lieben, dass ihr noch eine schöne Zeit mit Nori verleben könnt. Nori wünsche ich, dass sie ihrem Weg in ihrem Tempo in Ruhe und Entspannung mit Euch zusammen zu Ende gehen kann.
__________________
LG Steffi und Henry
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  #9 (permalink)  
Alt 22.04.2010, 09:16
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Standard Danke

Danke Daniela
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LG
Heike


Omihunde-Netzwerk
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  #10 (permalink)  
Alt 22.04.2010, 15:30
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Wie schön, daß du zu so einer Haltung gefunden hast! Meinen Respekt!

Auch mein alter Hund ist über einen längeren Zeitraum hinweg gestorben, umsorgt von seiner Familie, ohne die er keinen Tag im Leben war.
Ich habe ihn sehr genau beobachtet und irgendwann war es klar: dies sind die letzten gemeinsamen Tage.Er hatte das Fressen sein gelassen, zwei Tage später das Trinken, dann das Aufstehen.
Ich habe so geweint - und er ? Er hat mir sein Spielgesicht gezeigt und seine Pfote auf meinen Arm gelegt.Irgendwann waren die Tränen ausgeweint und zwei Tage später starb er zuhause. Ganz zum Schluß lag er in Agonie ( einem bewußtlosen Zustand in dem Reflexe den Körper beuteln können), da gabs dann eine Spritze.
Aber ich gebe dir recht, die Angst vor dem Tod ist groß und nur meine Vertrautheit mit dem Hund hat mir den Mut gegeben, ihn so sterben zu lassen wie es eben passierte, langsam und selbst..."bestimmt" klingt da seltsam, mir fällt nichts besseres ein.
Es war das Ende seines Lebens, und auch der Beginn des Leben ist ja kein Zuckerschlecken.
Ich wünsche Dir weiter viel Kraft und Mut und laß die Tränen ruhig laufen, auch das gehört dazu.
__________________
Ohne meinen Hund wäre ich wie taub und blind - er zeigt mir Dinge, die sich meiner Wahrnehmung verbergen.
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