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  #1 (permalink)  
Alt 03.03.2011, 21:32
Benutzerbild von gretacaro
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Registriert seit: 09.09.2007
Ort: zurück in Hamburg
Beiträge: 1.028
Standard Ehrliche Antworten auf ernstgemeine Fragen gewünscht ;-)

Liebes Forum,
bevor ich zu meiner Frage komme möchte ich mich doch noch einmal kurz vorstellen.
Ich habe vor ca. 4 Jahren einen extrem ängstlichen ungarischen Hund aus dem Tierheim bei mir aufgenommen. Erfahrung mit Hunden hatte ich bis dahin ausreichend.
Die Probleme die sich mit dem Einzug meines Hundes Jacky im Alltag auftaten übertrafen aber meine schlimmsten Erwartungen. Mangelnde Sozialisierung machten das Leben in der Großstadt für ihn (und für uns) zum Dauerstress. Auf alles Unbekannte, wie Menschen, Tiere (alle Arten), Autos reagierte er mit hysterischem Verbellen und "Um-sich-schnappen".
Alleinbleiben nicht möglich, Autofahren verursachte Stress, Besucher waren unwillkommen, etcpp.
Es sind 4 Jahre ins Land gezogen, diverse Hundetrainer, Verhaltensbiologen, etc. und jede nennnswerte Fachliteratur haben derweilen unseren Weg gekreuzt. Wir haben die Stadt verlassen sind aufs (vermeintlich ruhige) Land gezogen und nun wieder zurück in der Großstadt. Wir haben Hundebegegnungen (größtes Problem, unabhängig vom Geschlecht) in allen Variationen (Bogen gehen, Klickern, Sitz und
Schau , Rum (umkehren), Weiter .....geübt.
Ich habe mich weiter gebildet.
Fazit: Hühner, Pferde, Schweine kein Problem. Alleinsein bis zu ca. 1 Stunde (das war einmal) Autofahren ca. 30 Minuten bevor die Panik beginnt (Desensibilisierungsprogramm scheint die 30 Min. Hürde einfach nicht zu schaffen)
Besucher werden gern gesehen aber nicht formvollendet begrüßt. Eine Hündin konnte mit ca. 2 Meter Abstand, nach wochemlangen Training neben uns ertragen werden. Keine Kontaktaufnahme, kein Interesse, auch nicht an läufigen Hündinnen.

Dieses Forum war mir in den ersten Monaten eine Unterstützung.
Dann benötigte ich eine Pause bevor mich das Gefühl ständigen Versagens mangels Führungsqualitäten ( da braucht man sich nicht viel vormachen der Gedanke steht immer im Raum ;-)) völlig entnervte.

Meine Frage ist:
Glaubt ihr daran das jeder Hund therapierbar ist?
Das die Vergangenheit keine Rolle spielt, da der Hund sich nicht erinnern kann (was immer wieder behauptet wird)?
Das ich nur klar machen muß wer das sagen hat und dann funzt alles weil "Hund" muss keine Angst haben da starke Beschützerin vorhanden?
Liegt alles am Hundehalter?
Bitte um ehrliche Antworten ;-)
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  #2 (permalink)  
Alt 03.03.2011, 21:50
Benutzerbild von kepri
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Zitat:
Zitat von gretacaro Beitrag anzeigen
Meine Frage ist:
Glaubt ihr daran das jeder Hund therapierbar ist?
Liebe Gretacaro, therapierbar ist in meinen Augen schon kein guter Ansatz, der Hund muss ja nicht therapiert werden, anders formuliert: ja, ich denke jeder Hund ist formbar- so keine Krankheit die Ursache für ein bestimmtes Verhalten ist.

Zitat:
Das die Vergangenheit keine Rolle spielt, da der Hund sich nicht erinnern kann (was immer wieder behauptet wird)?
warte, auch hier muss ich erst etwas biegen, der Hund lebt zwar im Hier und Jetzt, hat aber seine Erfahrungen gemacht, soll heissen:
er wird genug prägende Eindrücke gemacht haben, die ihn zu dem werden liessen, was er jetzt ist.

Zitat:
Das ich nur klar machen muß wer das sagen hat und dann funzt alles weil "Hund" muss keine Angst haben da starke Beschützerin vorhanden?
Ich weiss um deine Wege, wir hatten ja all die Jahre sporadisch Austausch, ich weiss um eure Fortschritte, ich denke du denkst zu viel für Jacky, du bemühst dich redlich ihm zu helfen, probierst jeden Weg, bleib dir und deinem Weg treu, bleib auf Kurs und lass dich nicht von all den Ratschlägen verunsichern, wir haben uns zwar nie getroffen, ich kann mir aber- glaube ich- ein gutes Bild von euch machen, lehne weiter ab, was nicht zu euch passt und mach dich frei von den Gedanken und dem Druck jederzeit alles richtig machen zu müssen. Sei für Jacky da, beschütze ihn wo es nötig ist und gib ihm Freiraum wo es zuträglich ist.

Zitat:
Liegt alles am Hundehalter?
Bitte um ehrliche Antworten
Jein, manche Dinge sind Einstellungssache, andere beruhen auf tiefschürfenden Erfahrungen die unsere Second Hand Hunde machen mussten, manche davon scheinen so tief verankert, dass sie nicht auf den HH zurück zu führen sind.

Vergiss nicht die Erfolge im Auge zu haben

ganz liebe Grüsse
Anja
__________________
Führung sollte aus dem Verständnis der Bedürfnisse derjenigen entstehen, die davon betroffen sind.

Marian Anderson

http://co-bold.jimdo.com

http://kepri.jimdo.com/
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  #3 (permalink)  
Alt 03.03.2011, 21:59
Benutzerbild von Varghona
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Nein, ich halte nicht jeden Hund für therapierbar.

Zumindest nicht so, dass er 100%ig alltaugstauglich wird.

Ich glaube, dass man bei jedem Hund was erreichen kann, aber ob das Erreichte reicht, ist dann sehr relativ.

Je älter der Hund ist und je schlimmer die Prägung war, desto schwieriger wird es.

Allerdings denke ich auch, dass jeder Hundebesitzer eine andere Schmerzgrenze hat. In der Nachbarschaft ist auch eine sehr ängstliche Hündin, die alles und jeden verbellt und auch schnappt. Sie kommt auch von der Straße. Für ihre Besitzerin ist das völlig in Ordnung.
Für mich mit 2 Kindern wäre es eine Katastrophe.

Nur mal so als Beispiel.
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  #4 (permalink)  
Alt 03.03.2011, 23:19
Benutzerbild von mausilla
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Nein, nicht jeder Hund ist so weit zu bringen, dass er für jede Umgebung alltagstauglich ist.

Abhängig von Vorerfahrungen, Sozialisierungs-/Prägungsdefiziten und auch der individuellen Streßresistenz wird es immer Hunde geben, die mit bestimmten Situationen nicht klar kommen.

Als Halter kann man da manchmal nur bedingt was verbessern, trotz aller Bemühungen.
__________________
LG Verena und die Rentnergang


Hundebändigerin und Katzensklavin
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Alt 04.03.2011, 08:08
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Ich glaube auch nicht, dass man alles wieder "gutmachen" kann und nein, der HH ist nicht immer für alles verantwortlich.

Natürlich versucht man, dem Hund zu helfen, v. a. wenn man merkt, dass er selbst darunter "leidet", aber ich glaube, bei manchen Verhaltensweisen geht es irgendwann auch darum, sich "abzufinden", sich einzugestehen, dass man hier nichts machen kann und dann damit "zu leben"...

So wie es sich anhört, hast Du sehr viel gemacht, es hat sich auch vieles verbessert, aber m.E. solltest Du auch an Dich selbst denken:man kann nicht sein ganzes Leben nur auf den Hund abstellen. Mit manchem kann / muss / sollte man sich arrangieren, damit man selbst nicht permanent unter Stress steht .
__________________
Liebe Grüße Uta & Filou
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  #6 (permalink)  
Alt 04.03.2011, 08:34
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Wenn man davon ausgeht, dass Hunde Persönlichkeiten sind - d.h. wie Menschen mit Fähigkeiten und Funktionen wie Denken, Emotionen, Lernfähigkeit etc. ausgestattet - dann darf man auch behaupten, dass diese Persönlichkeit aus Anlage, Umwelteinflüssen (Sozialisation) und Selbststeuerung besteht.

So gesehen ist also theoretisch nur ein Teil beeinflussbar durch Erziehung.
__________________
Herzlichst, Susann
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Alt 04.03.2011, 09:02
Benutzerbild von kahuna
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Ich glaube, dass auch Hunde Traumata erleben können und diese sich später auch nicht leicht auflösen lassen.

Auf der einen Seite erlebe ich, dass sich schlechte Angewohnheiten verlernen lassen (ziehen an der Leine, zu stürmische Begrüßungen etc.). Aber da ist auch mit dem Umlernen kein lebensbedrohliches Erlebnis verknüpft. Da lernt der Hund: ich kann es mir leichter machen, wenn ich nicht an der Leine ziehe, ich komme schneller voran wenn ich mein Tempo anpasse.

Traumatische Erfahrungen werden aber anders abgespeichert. Und diese lassen sich nicht durch positive Gegenerfahrungen ersetzen.

Total blödes Beispiel, das ganz und gar nicht an die Herausforderungen denen du dich stellen mußt heran reicht.
Ich habe durch Zufall festgestellt, dass mein Hund seinem Wassernapf sehr skeptisch gegenüber steht.
Mein Hund trinkt wenig. Also gehe ich als wohlmeinde Hundefrau mit gefülltem Wassernapf auf meinen Hund zu und animiere ihn zum trinken.
Der weicht vor mir zurück. Ich stelle den Napf weg und locke ihn, alles prima!
Ich nehme wieder den Napf und ich-mit-Wassernapf-in-der-Hand bin irgendwie bedrohlich.
Hab mir einen Kopf gemacht warum und wieso.
Dann fiel mir ein: letzten Sommer als er Junghund war, bin ich mit gefüllten Wassernapf raus auf die Terrasse, bin über ein paar Schuhe gestolpert und konnte mich zwar fangen aber das Wasser habe ich meinem wasserscheuen Hund über den Kopf gekippt. Noch heute denkt er ich will ihn duschen
Daher, ich mit Wassernapf auf ihn zugehend, das Bild scheint immer noch zu Misstrauen zu sorgen. Und das ist ja jetzt mehr als 6 Monate her, ist nur einmal passiert und hat zwar seinen Kopf unerwartet durchnässt aber ansonsten keinen Schaden oder Schmerzen erzeugt.
Wenn eine solche kleine Begebenheit so gut im Hirn gespeichert wird, was ist dann erst mit den Traumata rund um Hunger, Prügel, Einsperren etc?
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  #8 (permalink)  
Alt 04.03.2011, 09:27
Benutzerbild von Nett-Man
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Moin,

Kepri hat mir meinen Einwand schon 'abgenommen': Wieso therapierbar?

Der Hund macht aus seiner Sicht nichts falsch. Der Konflikt entsteht, so wie ich es hier lese, aus den Anforderungen der Menschen.

Mein spontaner Gedanke war, lass dem Hund seinen Raum und vor allem seine Zeit mit all seinen Ängsten und Macken und nutze die wenigen Momente des Vertrauens, die er Dir schenkt, anstatt in kontinuierlich mit Deinen Anforderungen weiter zu belasten.
__________________
Gruß aus Hamburg
Ralf


"Auf der Suche nach dem Glück, stellte sich heraus, das Glück sieht aus wie ein Hund!"
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  #9 (permalink)  
Alt 04.03.2011, 13:39
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Sicher kannst du viel erreichen was dir für wichtig erscheint um einen Hund Gesellschaftsfähig in humiden Sinne zu machen.
In canidenaugen wird fast alles völliger Quatsch sein.
Sie machen es dann doch aus den verschiedensten Gründen: Futter Meideverhalten....
Was für den einen Hund selbstverständlich ist und den HH keine Probleme bereitete wird für den anderen schier unmöglich sein.
Ich bin mitlerweile da angekommen den Hund dort ab zu holen wo er steht und nicht auf biegen und brechen einen Lassiverschnitt aus ihm machen zu wollen.
Seine Ängste und/oder Aggressionen ließen ihn überleben.
Nun alles wegschtreichen zu wollen kann nicht immer klappen.
Ich schließe mich gerne Anja an und hoffe du bekeommst den Kopf freu für die positiven Schritte die dein Hund macht.
Nur die besten Wünsche von Jacqueline!
__________________
Hunde sind begeisterte und hochpräzise Mitarbeiter, wenn wir sie lehren, dass ihre Mitarbeit geschätzt und honoriert wird.
Nina Miodragovic
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  #10 (permalink)  
Alt 04.03.2011, 13:49
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Zitat:
Zitat von jacqui Beitrag anzeigen
In canidenaugen wird fast alles völliger Quatsch sein.
!
Da gehe ich nicht ganz mit: auch für den Hund bedeutet es sehr großen Stress, dauerhaft für ihn beängstigenden Situationen ausgesetzt zu sein. Hier sollte man schon versuchen, ihm größere "Sicherheit" zu vermitteln - wie es gretacaro ja auch getan / teilweise geschafft hat.
Es gibt aber auch Verhaltensweisen, mit denen Hund "leben" kann, was den Menschen aber stört. Und hier denke ich, dass Mensch irgendwann besser beraten ist, damit zu leben / sich damit zu arrangieren.
__________________
Liebe Grüße Uta & Filou
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