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  #1 (permalink)  
Alt 15.07.2010, 21:31
Benutzerbild von ilo-gartrop
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Registriert seit: 09.10.2008
Ort: NRW, Hünxe-Gartrop
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Standard Herausforderung im Sommerloch

Hallo Ihr Lieben,
damit wir uns im Sommerloch nicht langweilen, weil unsre Nasen (und wir ja auch) ja nun eher träge sind, Hab ich mir gedacht, ich stell Euch ein paar Fragen zum Thema "Hund mit Vorgeschiche"!
Vorab erst einmal der Steckbrief des Hundes.
Art: Labrador-Galgo-Mix
Geschlecht: weiblich
Name: Rena
Geb.: ca. 03.2006
Herkunftsland: Spanien

Rena wurde schwer mißhandelt in eine Perrera gebracht, von wo aus sie nach Deutschland ins TH kam. Sie wurde 2x Vermittelt...
Beim ersten mal ist sie weggelaufen und in ein Militärisches Sperrgebiet geraten. Dort wäre sie fast in einem Moor ertrunken (Aussage des TH) und wurde nur durch Zufall gerettet. Der damalige Besitzer wollte sie nicht zurück. So kam sie wieder in das TH.
Beim zweiten mal ist sie auch wieder weggelaufen und dabei vor en Auto gelaufen, wobei sie so Verletzt wurde, das sie eine OP brauchte (OP Termin: 18.09.07- Fraktur des linken Vorderbeins, Elle und Speiche sind gebrochen-Spykdraht in der Elle fixiert. 07.01.08: Spykdraht wurde entfernt).
Sie hat danach so "gesperrt", das es unmöglich war, sie dem "Besitzer" zurückzugeben und so kam sie dann wieder in das TH.
Von da an galt sie, auch auf Grund ihres Verhaltens, als "nicht mehr Vermittelbar" und sollte eigentlich dort bleiben.
Ich hatte Ihre Geschichte gelesen und als ich sie das erste mal sah, wußte ich (und sie auch), das sie zu mir gehört. Und so zog sie noch am gleichen Tag (08.12.2008) bei uns ein. (Die User, die schon länger dabei sind kennen die Geschichte ja)
Nun zu meinen Fragen:
Wie würdet Ihr mit diesem verängstigten und scheuen Tier umgehen, das sich teilweise völlig in sich zurückzieht??
Wie würdet Ihr diesem Hund zeigen, das der Mensch nicht immer Schmerz und Leiden bedeutet?? Und den eine schnelle Handbewegung oder ein etwas lauteres Wort, total aus der Fassung bringt??
Und wie bringt Ihr ihn dazu, Euch zu lieben und zu Vertrauen??
Wie würdet Ihr diesen Hund motivieren, der sich weder mit Futter oder Leckerchen "locken" läßt, etwas für Euch zu tuen, was er noch gar nicht kennt (Rena kannte echt überhaubt nichts und legte ein prächtiges Jagdverhalten an den Tag)??
So Mädels und Jungens... zahlreiche Antworten bitte!!
Vieleicht hat dieser Thraed ja den Nutzen, zugleich Mahnung und auch Anreitz, für die jenigen zu sein, die überlegen, einem "Hund mit Vorgeschichte" ein zuhause zugeben!
Für mich käm kein anderer Hund in Frage...
__________________
LG Ilo "Prinzessin" Rena, "Opi" Terry und Jessie im Herzen


Das wenige, das du tun kannst, ist viel,
wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh
und Angst von einem Wesen nimmst.
(Albert Schweitzer)

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Alt 15.07.2010, 22:04
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Da bräuchte es schon noch ein bisschen mehr Infos.
Meiner Erfahrung nach gibt es verschiedene Angsttypen. Einer der z.B. sich einfach hinlegt und pinkelt oder der andere, der dann sofort Fluchtmöglichkeiten sucht. Und noch viele andere.
Wie verängstigt war sie denn? Hat sie sich getraut zu laufen und zu stehen? Hatte sie wirklich vor allem Angst, also vor Türklingelgeräuschen usw....???
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Alt 15.07.2010, 22:12
Benutzerbild von pfotenspur
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Puh, was ne Story!
Respekt vor deinem Mut!

Ich kann Dir nur von meinen Erfahrungen mit einer anderen Spezies erzählen:
Ich habe so ein Pferd bei mir aufgenommen...das griff aus Panik Männer an, ließ sich nicht berühren, fürchtete stets Schläge und geriet aus der Fassung wenn jemand die Stimme erhob. Das war wirklich schwierig.
Ich habe dann irgendwann beschlossen, daß dieses Pferd nur mit den anderen in und aus dem Stall braucht und es ansonsten ignoriert, während ich mit den anderen arbeitete. Nach einem halben Jahr kam sie von alleine und sah bei der Arbeit zu, ließ sich aber nicht anfassen. Nach einem Dreivierteljahr durfte ich sie berühren und begann, mit ihr das Aufhalftern zu üben. Eineinhalb Jahre später konnte ich sie putzen ohne das sie trat und sie reiten ohne etwas zu fordern. In all dieser ganzen Zeit ist mehr und mehr Vertrauen gewachsen. Teils durch stetiges Wiederholen allerkleinster Übingseinheiten wie schlichtes Dranvorbeigehen an Pferd. Es war ermüdend, weil unbedachtes Verhalten von mir sofortigen Rückschritt bedeutete.

Was ich sagen will ist, daß es winzige Dinge sind, die man üben kann und die oft so selbstverständlich erscheinen, das man gar nicht drauf kommt. Und das man manches durch völliges Ignorieren des Kandidaten interessant machen kann. Hände von Menschen aushalten kann eine echte Herausforderung sein und die Zeitsequenzen winzig, die man fordern darf.
Das alles dauert eventuell furchtbar lange.
Und ich glaube, die Frage ist, was man erwarten darf. Das kann natürlich nur der Tierhalter nach einiger Zeit erfassen, was da möglich sein wird.
Ich finde aber, das man auch mit einem traumatisierten Tier vorsichtig arbeiten können sollte - weil es meist die Lebensqualität des Tieres erhöht.
Ich finde es toll, daß du dir das vorgenommen hast!
__________________
Ohne meinen Hund wäre ich wie taub und blind - er zeigt mir Dinge, die sich meiner Wahrnehmung verbergen.
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Alt 15.07.2010, 22:47
Benutzerbild von kepri
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Dem bin ich heute definitiv nicht mehr gewachsen- bin völlig platt.
__________________
Führung sollte aus dem Verständnis der Bedürfnisse derjenigen entstehen, die davon betroffen sind.

Marian Anderson

http://co-bold.jimdo.com

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Alt 15.07.2010, 22:57
Benutzerbild von mausilla
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Ich bewundere Deinen Einsatz, passe aber so ziemlich bei der Beantwortung der Frage.

Für mich persönlich käme so ein Hund nicht infrage, scheue Angst- und Panikhunde liegen mir nicht wirklich.

Die Hunde mit denen ich gut kann, sind eher die Offensiven, Aufmüpfigen. Gern auch dominant genannt, was aber die wenigsten wirklich sind.

Mit so einem Hund wäre ich überfordert und ob ich die unendliche Geduld aufbringen könnte, ein so traumatisiertes Tier wieder aufzubauen, weiß ich nicht.

Meine Vorstellung wäre die Arbeit in kleinsten Schritten mit viel, viel Ruhe und Geduld.
Möglicherweise den Hund längere Zeit einfach nur so mitlaufen zu lassen, ohne irgendwas zu fordern. Damit er erstmal lernen kann, da kommt nichts Böses vom Menschen.
Aber nen wirklichen Plan hab ich nicht.
__________________
LG Verena und die Rentnergang


Ich bin die Sklavin meiner Katzen! (Aber nicht weitersagen)
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Alt 16.07.2010, 09:56
Benutzerbild von frisbee
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Mmmmh, das ist schwierig, weil es tatsächlich auf den einzelnen Hund ankommt. Bei echten Panikhunden ist einfach "Mitlaufen-lassen" ohne Forderungen evtl. am Anfang das richtige, damit sie zur Ruhe kommen. Ich halte aber nichts davon, von "nur-ängstlichen" Hunde gar nichts zu "fordern" und sie von allem fern zu halten - dann machen sie kaum Fortschritte.

Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Mein Galgo-Mix war am Anfang sehr ängstlich, weil er von Welpe an im TH war und gar nichts kannte. Er hatte Angst vor vielen Alltagsdingen, bei Menschen ging es aber (er schreckte aber vor abrupten Bewegungen zurück), außer bei Männern in Uniformen (Müllmänner, Pfadfinder etc.), dafür ist er vor manchen Hunden panikartig weggelaufen. Ich habe ihn aber von Anfang an fast überall mit hingenommen (natürlich nicht gleich in überfüllte Einkaufscenter), damit er merkte, dass nichts passiert. Wenn ich merkte, dass ihm etwas nicht geheuer war, bin ich einen weiteren Bogen gegangen, aber wir sind dran vorbei gegangen, er durfte gucken und lernen. In Ruhe gelassen habe ich ihn beim Fressen - er wollte nicht fressen und trinken, wenn jm. im Raum war. Das wollte ich nicht erzwingen, habe einfach abgewartet und irgendwann hat er angefangen zu fressen, als ich noch nicht draußen war. Ich habe ihm keine "Zärtlichkeiten" aufgezwungen, er hat sich Streicheleinheiten ggf. von allein abgeholt (das aber gleich sehr gerne). Aber von Anfang an gab es auch klare Regeln, die er einhalten musste. Bei ihm reichte aber ein Wort (kein Geschubse, keine lauten Worte). Ich habe viel Zeit und Geduld aufgebracht, um ihm minutenweise das Alleinsein beizubringen.

Im Gegensatz zu mausilla liegen mir diese scheuen Hunde. Filou hätte nie zugeschnappt, ist immer nur zurückgewichen, ist ein unglaublich zärtlicher Hund, der sich nahezu alles gefallen lässt. Ich käme gar nicht gut klar mit aggressiven, dominanten Hunden (ich möchte nicht vor meinem eigenen Hund Angst haben und das könnte mir dann passieren). Aber das ist ja das Gute: jeder kann anderes besser und so findet jeder Topf seinen Deckel.

Filou war allerdings sehr empfänglich für Leckerlies, das machte es einfacher. Wenn das nicht so ist, könnte man Spiele zur Motivation probieren.

So, das waren nur meine ersten Gedanken, mir fällt sicher noch etwas ein...
__________________
Liebe Grüße Uta & Filou
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Alt 16.07.2010, 15:59
Benutzerbild von ilo-gartrop
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Zitat:
Zitat von Hundefreundin22 Beitrag anzeigen
Da bräuchte es schon noch ein bisschen mehr Infos.
Meiner Erfahrung nach gibt es verschiedene Angsttypen. Einer der z.B. sich einfach hinlegt und pinkelt oder der andere, der dann sofort Fluchtmöglichkeiten sucht. Und noch viele andere.
Wie verängstigt war sie denn? Hat sie sich getraut zu laufen und zu stehen? Hatte sie wirklich vor allem Angst, also vor Türklingelgeräuschen usw....???
Rena war in ihren Verhalten sehr unterschiedlich...! Teilweise lag sie nur da, der Blick abwesend, leicht mit dem Kopf (beim Pferd würde ich sagen webend) wiegend. Sie war dann nicht ansprechbar und ich denke, das man sie, in dieser starre hätte wegtragen können, ohne das sie die geringste Reaktion gezeigt hätte. Sie hat das Sofa als ihre "Burg" erklärt und dort blieb sie einfach liegen.
Sie ging und stand, mit gekrümmtem Rücken und geklemmter Rute.
Etwas lautere Geräusche, egal welcher Art lösten, sofern sie im Haus ware, das o.g Verhalten aus. War es draußen, versuchte sie voller Panik ihr Heil in der Flucht zu suchen ,seit dieser Zeit bin ich Meisterin im "Tanz mit der SL! Bevor nun die Frage aufkommt, warum ich sie schon damals an die SL gemacht habe - Mit einer "normalen" Leine ging Rena keinen Meter sondern legte sich hin und war nicht zum Aufstehen zu bewegen. Mit der Schleppe gab ich ihr ein ein Stück weit, das Gefühl der Freiheit.

@Kepri: Dann schlaf Dich erst mal aus...und dann kommt Dir die Lösung im schlaf...gg

@Mausilla: Ich find es toll, das Du Deine stärken und schwächen so gut einschätzt. Würden sich mehr Menschen solche gedanken machen, bieb so manchem Hund viel Leid erspart, wie Du ja in Renas Fall sehen kannst!!

@Fresbee: Hast Du prima gemacht und ein wirklich guter Ansatz...überleg mal weiter... ich freu mich auf Deine Lösungsvorschläge!
__________________
LG Ilo "Prinzessin" Rena, "Opi" Terry und Jessie im Herzen


Das wenige, das du tun kannst, ist viel,
wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh
und Angst von einem Wesen nimmst.
(Albert Schweitzer)

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Geändert von ilo-gartrop (16.07.2010 um 16:06 Uhr).
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  #8 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 16:07
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Bei einem solchen Hunde würde ich mit Tellington-Touch arbeiten.
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  #9 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 16:38
Benutzerbild von frisbee
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Zitat:
Zitat von Tonia Beitrag anzeigen
Bei einem solchen Hunde würde ich mit Tellington-Touch arbeiten.
Ja, das ist eine gute Idee - gerade vielleicht, wenn die Hunde in so einer Art Starre sind (man muss aber darauf achten, ob dem Hund das wirklich - zumindest nach einiger Zeit -gefällt). Ich kann TT nicht, aber bei "Massagen" entspannt meiner sehr gut. Vielleicht auch ritualisiert zu einer festen Zeit (bei Rena kuschelt Ihr doch auch jeden Abend vorm Zu-Bett-gehen, oder?)? Voraussetzung ist natürlich, dass der Hund überhaupt angefasst werden will...- evtl. mit ganz kurzen Sequenzen beginnen.
__________________
Liebe Grüße Uta & Filou
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  #10 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 16:45
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Zitat:
Zitat von ilo-gartrop Beitrag anzeigen
Rena war in ihren Verhalten sehr unterschiedlich...! Teilweise lag sie nur da, der Blick abwesend, leicht mit dem Kopf (beim Pferd würde ich sagen webend) wiegend. Sie war dann nicht ansprechbar und ich denke, das man sie, in dieser starre hätte wegtragen können, ohne das sie die geringste Reaktion gezeigt hätte.
Ui, so eine ähnliche Hündin hatte ich auch schon mal. Allerdings hatte sie nicht so richtige konkrete Angst, sie war eher nicht so richtig in unserer Welt am Anfang (es gab nur ein paar Dinge wo sie "konkrete" Angst hatte schnelle Handbewegungen und beim Fressen, wenn ich dabei war oder, wenn ich den Napf hingestellt habe, ist sie panisch weggelaufen) . Sie hat sich immer einfach irgendwo hingestellt und ist in eine Starre gefallen. Sie tat mir immer so sehr leid, da sie so traurig war.
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