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  #11 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 16:47
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Zitat:
Zitat von pfotenspur Beitrag anzeigen
Puh, was ne Story!
Respekt vor deinem Mut!

Ich kann Dir nur von meinen Erfahrungen mit einer anderen Spezies erzählen:
Ich habe so ein Pferd bei mir aufgenommen...das griff aus Panik Männer an, ließ sich nicht berühren, fürchtete stets Schläge und geriet aus der Fassung wenn jemand die Stimme erhob. Das war wirklich schwierig.
Ich habe dann irgendwann beschlossen, daß dieses Pferd nur mit den anderen in und aus dem Stall braucht und es ansonsten ignoriert, während ich mit den anderen arbeitete. Nach einem halben Jahr kam sie von alleine und sah bei der Arbeit zu, ließ sich aber nicht anfassen. Nach einem Dreivierteljahr durfte ich sie berühren und begann, mit ihr das Aufhalftern zu üben. Eineinhalb Jahre später konnte ich sie putzen ohne das sie trat und sie reiten ohne etwas zu fordern. In all dieser ganzen Zeit ist mehr und mehr Vertrauen gewachsen. Teils durch stetiges Wiederholen allerkleinster Übingseinheiten wie schlichtes Dranvorbeigehen an Pferd. Es war ermüdend, weil unbedachtes Verhalten von mir sofortigen Rückschritt bedeutete.

Was ich sagen will ist, daß es winzige Dinge sind, die man üben kann und die oft so selbstverständlich erscheinen, das man gar nicht drauf kommt. Und das man manches durch völliges Ignorieren des Kandidaten interessant machen kann. Hände von Menschen aushalten kann eine echte Herausforderung sein und die Zeitsequenzen winzig, die man fordern darf.
Das alles dauert eventuell furchtbar lange.
Und ich glaube, die Frage ist, was man erwarten darf. Das kann natürlich nur der Tierhalter nach einiger Zeit erfassen, was da möglich sein wird.
Ich finde aber, das man auch mit einem traumatisierten Tier vorsichtig arbeiten können sollte - weil es meist die Lebensqualität des Tieres erhöht.
Ich finde es toll, daß du dir das vorgenommen hast!
Super.
Hast du schon einmal was von Monty Roberts gehört?
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  #12 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 16:50
Benutzerbild von frisbee
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Zitat:
Zitat von Hundefreundin22 Beitrag anzeigen
es gab nur ein paar Dinge wo sie "konkrete" Angst hatte schnelle Handbewegungen und beim Fressen, wenn ich dabei war oder, wenn ich den Napf hingestellt habe, ist sie panisch weggelaufen) .
Ach, das ist ja interessant: das scheint dann ja ein recht typisches Verhalten zu sein? Also, bei den Handbewegungen hätte ich das auch gedacht, aber beim Fressen nicht unbedingt...

@ilo
Finde ich übrigens eine sehr interessante Diskussion, die Du angeregt hast
__________________
Liebe Grüße Uta & Filou
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  #13 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 17:09
Benutzerbild von Cassiopeia
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Ich schließe mich da Pfotenspur an: Das Tier erstmal Tier sein lassen, ihm nichts aufzwängen, was nicht aufgezwungen werden muss und erstmal zuschauen lassen.

Weder soll/kann man versuchen, vom ersten Tag an sämtliche Begegnungen im Alltag und Angstauslöser gegenzukonditionieren, noch sollte man versuchen, das Tier sofort mit einzubeziehen.
Erstmal machen, Hund "ignorieren" (und damit vor allem eines zeigen: Ungefährlichkeit) und auch auf Herankommen erstmal nichts machen, außer sich hinwenden (kein Anstarren, kein Handausstrecken, kein Drüberbeugen).
Die Annäherung von Mensch auf Hund kommt erst später.

Vielleicht kann man für die Zwangshandlungen (Leine dran machen und nachdraußen bringen, Futter hinstellen, zum Tierarzt verfrachten - eben all die Dinge, für die man sich dem Hund selber nähern muss) ein Signal konditionieren. Zum Beispiel "Immer, wenn das rote Hütchen in der Nähe auf dem Boden liegt, kommt jemand nahe an mich ran und "manipuliert" mich". So kann der Hund sich vorbereiten. Natürlich auch hier behutsam vorangehen und, falls möglich, solche Situationen erstmal schönfüttern.

Das sind zwei Dinge, die mir spontan einfallen und auf die ich das nächste Mal, wenn ich mir einen Hund hole, beachten werde. Dina ist auch so ein Angsthund, der dann einfach "zu" macht, sich nicht bewegt und auch heute noch ratlos herumsteht und darauf wartet, dass man sie in die richtige Richtung schiebt. Beim Tierarzt heißt es immer "der is aber lieb! Lässt das einfach so mit sich machen.", dass es aber der einzige Ausweg ist, der ihr in ihrem Leben blieb und sie sich in solchen Momenten hochgradig zurück zieht, verstehen die nicht. Ich schon - im Nachhinein...

Es kommt also immer auch auf den Hund an: wie er sich JETZT gibt, was ihm gefällt, was er zulässt. Woher das alles kommt und was man sich selber wünscht, ist erstmal unwichtig. Unter Druck setzen sollte man das Tier nicht, jedoch zur Mitarbeit einladen (wie es Pfotenspur beschrieb).


Viele Grüße

Cassi
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"Liebe mich ein bisschen weniger aber dafür länger."
[Jiddisch]
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Alt 16.07.2010, 17:13
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Das mit dem Fressen ist relativ leicht zu erklären.
Oft ist es so, dass die Besitzer (vor allem bei sehr vielen Hunden, also meist Vemehrer), wenn sie den ausgehungerten Hunden mal was zu fressen bringen, nicht angespungern werden wollen...
Also treten sie die Hunde einfach weg, wenn sie sich nähern. Dass die Hunde dann Angst haben ist ja relativ klar, da sie gelernt haben, dass sie vom Menschen Tritte bekommen, wenn es Futter gibt...
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Alt 16.07.2010, 20:41
Benutzerbild von ilo-gartrop
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Zitat:
Zitat von Tonia Beitrag anzeigen
Bei einem solchen Hunde würde ich mit Tellington-Touch arbeiten.
TT ist wirklich eine gute Sache! Nur wäre diese Methode am Anfang nicht machbar, da Hund ja recht "Handscheu" ist (heute genießt Rena diese Berührungen und bedankt sich mit einer rührenden Geste dafür).
Da bleibt dann die Frage, wie wir diese Hürde nehmen.
Ignorieren ist nicht richtige Weg, bei diesem speziellen Hund... er zieht sich dadurch weiter zurück und macht keine anstallten, von sich aus, auf "seinen Menschen" zuzugehen. Also..no way!
Über Futter oder Leckerlis war da auch nichts zu machen...seufz.
Fressen im beisein eines anderen Lebewesens...ging gar nicht(sie kam nicht vom Vermehrer )! Rena ist auch heute noch sehr wählerisch, bei dem Standplatz des Futternapfs...sogar, wenn ihre Lieblingsspeise drin ist
Wie Ihr seht, hat meine Süße mich auf eine harte Probe gestellt, bevor sie mir so richtig vertraute. Obwohl sie mich vom ersten Augenblick an als "ihren Menschen" wollte und das auch bewiesen hat (könnt Ihr Euch noch an meinen ersten Tag mit Rena erinnern??...eigentlich würd ich ihn am liebsten aus dem Gedächtnis streichen, bei der Angst, die ich ausgestanden habe)
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LG Ilo "Prinzessin" Rena, "Opi" Terry und Jessie im Herzen


Das wenige, das du tun kannst, ist viel,
wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh
und Angst von einem Wesen nimmst.
(Albert Schweitzer)

www.hunde-aus-manresa.cms4people.de

Geändert von ilo-gartrop (16.07.2010 um 20:54 Uhr).
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  #16 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 21:04
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Zitat:
Zitat von ilo-gartrop Beitrag anzeigen
Fressen im beisein eines anderen Lebewesens...ging gar nicht(sie kam nicht vom Vermehrer )!
Muss auch nicht umbedingt nur beim Vemehrer so sein...


Hast du früher mal probiert, als sie in so eine Starre gefallen ist auf das dritte Auge ganz leicht zu klopfen? Oder hatte sie auch in der Starre Angst vor Berührungen?
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  #17 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 21:14
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Zitat:
Zitat von Hundefreundin22 Beitrag anzeigen
Ui, so eine ähnliche Hündin hatte ich auch schon mal. Allerdings hatte sie nicht so richtige konkrete Angst, sie war eher nicht so richtig in unserer Welt am Anfang (es gab nur ein paar Dinge wo sie "konkrete" Angst hatte schnelle Handbewegungen und beim Fressen, wenn ich dabei war oder, wenn ich den Napf hingestellt habe, ist sie panisch weggelaufen) . Sie hat sich immer einfach irgendwo hingestellt und ist in eine Starre gefallen. Sie tat mir immer so sehr leid, da sie so traurig war.
Was ist denn aus der geworden? Ist es so geblieben oder wurde es besser?

LG Stefan
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  #18 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 21:33
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Zitat:
Zitat von Cassiopeia Beitrag anzeigen
Ich schließe mich da Pfotenspur an: Das Tier erstmal Tier sein lassen, ihm nichts aufzwängen, was nicht aufgezwungen werden muss und erstmal zuschauen lassen.

Weder soll/kann man versuchen, vom ersten Tag an sämtliche Begegnungen im Alltag und Angstauslöser gegenzukonditionieren, noch sollte man versuchen, das Tier sofort mit einzubeziehen.
Wie gesagt: das sehe ich etwas anders, und zwar aus dem einfachen Grund, dass man bei einem Hund gar nicht umhin kommt, ihn möglichst in den Alltag zu integrieren (natürlich nicht alles auf einmal). Ich sehe da einen entscheidenden Unterschied zum Pferd. Ein Pferd kannst Du auf der Koppel lassen oder im Stall, aber mit einem Hund musst Du spazierengehen (wie gesagt: Ausnahme totaler Panikhund, da bleibt man wohl wirklich erst mal im Haus / Garten), da triffst Du zwangsläufig auf andere. Der Hund lebt mit Dir im Haus, da sind Alltagsdinge und ggf. Besuch usw. Ich schätze Rena jetzt aber nicht als totalen Panikhund ein (das war meiner auch nicht), aber vielleicht täusche ich mich da - ilo?
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Liebe Grüße Uta & Filou
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  #19 (permalink)  
Alt 16.07.2010, 22:00
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@Hundfreundin: Rena ist wirklich in eine "Starre" verfallen, sie hat sich soweit in sich selbst zurückgezogen (Selbstschutz), das sie nichts wahrgenommen hat. Diese Reaktion kenne ich eigentlich nur bei "stumme Schreie Hunden"!
Es gibt aber, eine eigentlich ganz einfache Lösung für dieses Problem... Ihr müßt nur weiter zurückdenken...in eine Zeit, ohne Rütter und Co. ( nichts gegen diese Herren und Damen, sie leisten gute und wichtige arbeit). Vergesst das mal alles und schreibt, was Euch Euer Bauch sagt und nicht was Ihr irgendwo gehört habt. Manchmal ist es besser gegen den Strom zu schwimmen, auch wenn das schwieriger erscheint!
Mal ein kleiner Tip: Was würdet Ihr mit Eurem Kind machen, wenn ihm was ganz schreckliches passiert ist??
@Frisbee: Rena war ein Panikhund!
Ich war hier in der Gegend in einigen HuSchus (um einfach mal eine andere Sichtweise oder Anregungen zu bekommen, alle haben abgewunken. Kommentar einstimmig: Die wird nie...! Blödmänner allesammt!
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LG Ilo "Prinzessin" Rena, "Opi" Terry und Jessie im Herzen


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Alt 16.07.2010, 22:12
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Zitat:
Zitat von ilo-gartrop Beitrag anzeigen
Es gibt aber, eine eigentlich ganz einfache Lösung für dieses Problem... Ihr müßt nur weiter zurückdenken...in eine Zeit, ohne Rütter und Co. ( nichts gegen diese Herren und Damen, sie leisten gute und wichtige arbeit). Vergesst das mal alles und schreibt, was Euch Euer Bauch sagt und nicht was Ihr irgendwo gehört habt.
War nur eine Erfahrung von mir, da es bei meiner Pflegehündin, wenn sie in eine Starre über 10 Minuten oder länger gefallen ist sehr gut geholfen hat.
Hat Rütter etwas von dem dritten Auge in seinen Büchern?

Geändert von Hundefreundin22 (16.07.2010 um 22:21 Uhr).
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