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  #1 (permalink)  
Alt 17.02.2007, 22:47
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Standard Hund aus dem Tierheim

Hallo Hundefreunde!

Wir haben seit Ende August einen Mischlingsrüden aus dem Tierheim geholt. Es ist ein sehr liebenswerter und aufgeweckter Hund, der inzwischen in der Wohnung auch recht gut gehorcht. Draußen jedoch können wir ihn nur mit "Herzklopfen" freilassen, da er - einmal losgelassen - alles um sich herum vergißt und erst dann zurückkehrt, wenn wir ihm wieder in den Sinn kommen ! Außerdem gerät er außer Kontrolle, wenn Lastautos oder ein Zug an uns vorbeifahren.
Wir haben bereits eine Hundeschule mit ihm besucht und möchten jetzt auf Anraten einer Trainerin eine "Begleithund-Ausbildung" mit ihm machen. Hat jemand von euch schon Erfahrung mit einer solchen Ausbildung ?

Liebe Grü0e
Bettina mit Tochter Linda
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  #2 (permalink)  
Alt 17.02.2007, 23:49
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Grundsätzlich findet immer ein Wettbewerb statt. Du gegen die große weite Welt. Was ist interessanter? Was macht ihr, wenn ihr gemeinsam unterwegs seid?

Das unbedingte Herankommen zu trainieren, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Kommt Hundi nicht zuverlässig herbei, sollte mit einer Schleppleine trainiert werden.

Es kann auch ein sogenanntes Supersignal geübt werden. Beispiel Pfiff. Hundi kommt herbei, dann wird gepfiffen und wenn der Hund bei Dir ist, bekommt er ein ganz besonderes Leckerchen (z.B. Katzenfutter, Käse etc). Allerdings sollte dieses Supersignal auch nur in besonderen Fällen benutzt werden.

Was passiert überhaupt, wenn Hundi kommt? Manchmal hilft es auch, sich einfach umzudrehen, wegzugehen und oder in die Hocke gehen.

Manche Übungen können auch kombiniert werden. Was aber genau sinnvoll ist, hängt vom Status eurer Bindung, eurem Umgang miteinander, Hundetyp etc etc ab.

So weit....
__________________
Viele Grüße aus Haltern am See
Jürgen, Satyr, Elisha
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  #3 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 00:14
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Beiträge: 12
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Wir gehen mit ihm viel an den See (Bodensee) und in den Wald spazieren. Zum üben (mit Schleppleine und Pfeife) gehen wir auf große Wiesen. Er ist eigentlich sehr lernbereit, aber vor allem durch andere Hunde SOFORT ablenkbar. Ich glaube, dass es ein Streuner war und deshalb viel Geduld benötigt. Danke für die Tips,
Bettina, Linda mit RIO
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  #4 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 00:48
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Das Problem ist die Selbstständigkeit. Ich lebe mit zwei Husky, von denen einer die ersten Lebensmonate als Streuner auf Kreta gelebt hat. Wir haben eine extreme Bindung und ich habe wirklich beste Möglichkeiten, auf die Hunde einzuwirken. Allerdings mussen die beiden Racker quasi ständig unterhalten werden, wenn sie ohne Leine laufen.

Unterwegs machen wir Suchspiele mit Leckerchen, verschiedene Übungen oder ich verstecke mich oder wir laufen gemeinsamen Slalom. Ich sehe den Teddies schon an deren Spitzohren ab, wenn es besser ist, sie nicht von der Leine zu lassen. Zudem sind die Hunde extrem neugierig. Ist also kein Sonderfall quasi ständig mit Hundi arbeiten zu müssen.

Leider zeigt mir Deine Antwort, daß ihr schon sehr viel probiert habt. Manchmal hilft es auch, die Privilegien des Hundes einzuschränken. Z.B. nicht mehr aufs Sofa oder ins Bett etc.

Manchmal hilft es auch, wenn Hundi eine Aufgabe hat. Das kann der gemeinsame Sport sein, oder das Haus zu bewachen etc. Zudem arbeitet es sich mit einem erschöpften Hund leichter. Sinnvoll kann auch sein, daß Hundi nur noch draußen aus der Hand gefüttert ist und zwar immer dann, wenn Hundi besonders folgsam war.

Und jeder Deiner Rufe, welcher nicht befolgt wird, ist Gift für euer gemeinsames Training. Wenn Hundi also nicht kommt, ist es besser, den Mund zu halten und Hundi abzuholen.

Und denke immer daran, dem Hund einen Grund zu geben, Deinem Rufen zu folgen. Belohnung, Streicheln, Spiel oder Futter und ganz viel Freude zeigen, wenn er folgt.

Und achte mal genau auf Dein Rufen. Will sagen, daß es oft an uns liegt, wenn Hundi nicht kommt. Die Hunde hören nuancen in der Stimme, welche wir kaum wahrnehmen können. Der einfache Kontrollruf mit dem stillen Hintergedanken, das Hundi nicht kommt, wird dann auch nicht befolgt.
__________________
Viele Grüße aus Haltern am See
Jürgen, Satyr, Elisha
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  #5 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 01:09
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Hallo Jürgen.
Danke für deine vielenTips! Deine Schilderungen sind spannend und überzeugen mich. Ich glaube auch, dass ich für Rio oft nicht glaubwürdig in der Stimme bin und nichts ist frustrierender als nicht befolgte Rufe! Die Ausbildung zum Begleithund möchten wir genau deshalb machen, um ihn "mit einem gemeinsamen Sport" zu fordern. Wer weiß - vielleicht hilft es. Wie würdest du mit dem Problem der Lastwagen umgehen?
Liebe Grüße von uns 3
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  #6 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 01:57
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Vielen lieben Dank

Das Problem der Lastwagen/Züge hat wohl mit der Lautstärke zu tun. Dabei muß es gar nicht mal sein, daß Hundi damit schreckliche Erlebnisse verbindet.

Hierbei wird empfohlen und der Meinung bin ich auch, daß in diesem Fall eine Konfrontationstherapie sinnvoll ist. Was allerdings immer etwas heikel ist, weil niemand will (zumindest sollte das so sein), daß Hundi dadurch zu sehr gestreßt wird.

Dabei muß es irgendwie geschafft werden, daß mit der Bedrohung etwas Angenehmes verknüpft wird. Zudem solltest Du Dich beim Training immer zwischen der Bedrohung und Hundi befinden und ihm dadurch mehr Sicherheit zu geben. So kann zuerst aus der Ferne geübt werden, wobei der Hund immer dann belohnt wird, wenn er ruhig bleibt. So könnt ihr euch immer ein Stück näher an den Zug/Lastwagen herantasten. Diese Übung ist auch sehr positiv für eure Bindung.

Es gibt auch CDs mit den entsprechenden Geräuschen, welche dann in der Lautstärke gesteigert werden können. Allerdings halte ich das persönlich für nicht erforderlich. Wird das Problem nicht gelöst, können auch Bachblüten das Training unterstützen. Denke aber, das wird bei euch nicht erforderlich sein, das schafft ihr auch so.

Wie sieht es denn bei Gewittern aus?

Auch das besondere Interesse an anderen Hunden ist ein spannendes Thema, im Grunde jedoch das Gleiche wie beim Herankommen. Im Falle einer Konfrontation mit einem anderen Hund tritt wieder der Wettbewerb ein, wer nun interessanter ist. Dieses "Problem" kann aber auch durch Ablenkung gemildert werden.

Die Begleithundeprüfung und eure gemeinsame Arbeit dafür wird euch sicher helfen, wenn es euch beiden Spaß macht.

Übrigens bin ich der Meinung, das ein halbes Jahr beim Aufbau einer wirklich gefestigten Bindung gar nicht sehr lange sind. Beachte, was ihr schon gemeinsam geschafft habt und sei stolz darauf. Dann kommt der Rest auch ganz automatisch.
__________________
Viele Grüße aus Haltern am See
Jürgen, Satyr, Elisha
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  #7 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 12:02
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Hallo Jürgen, hallo Windhundliebe.
Danke für eure lieben Worte. Sie haben mich sehr aufgebaut und mich bestärkt, weiterhin Vertrauen in Rio zu haben. Ich kann mir auch denken, dass die Angst vor Zügen und Lastautos mit der Lautstärke zu tun haben. Ich bin da auch eher empfindlich und verstehe ihn irgendwo. Übrigens macht das Trainieren mit ihm einen RIESIGEN Spaß, und wir lieben uns jeden Tag mehr. Im Sommer steht unser erster gemeinsamer Urlaub an. Wir wählen diesmal mit Absicht den Norden, weil das mit Sicherheit schöner für ihn ist. Kennt ihr euch etwas an der Nordsee aus?
Liebe Grüße,
Bettina mit RIO
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  #8 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 12:45
Benutzerbild von Tara
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Beiträge: 68
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Meine Ratero-Hündin Tara ist aus dem Tierheim Mallorca und auch sehr ängstlich bei Geräuschen (Gewitter, Silvester, Autos). Ich habe mich einfach immer so normal wie möglich verhalten, um die Ängste nicht zu verstärken - trösten funktioniert nämlich kontraproduktiv.

Tara wird an der Straße nie ohne Leine laufen können, weil ein Hupen oder Türenschlage sie veranlasst, sofort kopflos wegzurennen, obwohl sie im Feld sehr gut hört. Dann ist das eben so, an der Straße an der Leine.

Im Feld haben ich viel trainiert, ohne Ankündigung die Richtung zu wechseln, damit sie von sich aus lernt, mich besser mal im Auge zu behalten.

Ich rufe sie viel, wenn sie ohnehin gerade schon auf dem Weg zu mir ist oder in meine Richtung schaut - dann kommt sie sicher und wird wie dolle gelobt mit Häppchen. Dadurch kommt sie mittlerweile auch, wenn sie es eigentlich nicht gerade geplant hatte.
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  #9 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 12:51
Benutzerbild von Mueckony
Erfahrener Benutzer
 
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Beiträge: 397
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Hallo Bettina,

wir haben zwei Tierheimhunde. Bei beiden haben wir festgestellt, dass Vertrauen seine Zeit braucht sich aufzubauen und zu festigen, und man da niemals einem Zeitplan folgen kann (auch nicht bei der Ausbildung seines Hunde - einer lernt schneller, einer lernt langsamer). So brauchte unser Benny von sich aus ganze drei Jahre um sich auf eine vollkommen entspannte Bindung mit uns einzulassen. Bei Cherry ging es wesentlich schneller. So spielt da die Vorgeschichte eine große Rolle und auch die wievielte "Endstation" man für seinen Hund ist.

Leider wird vielen Hunden zu wenig Zeit eingeräumt und dann landen sie wieder als schwieriger Fall im Tierheim. Auch wenn man manchmal an seine Grenzen zu stoßen scheind, Geduld und Konsequenz machen sich bezahlt. So muss sich der Hund auch auf die neue Lebenssituation einstellen und seinen Platz in der Familie finden. Das geht niemal von jetzt auf gleich.

Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, werden wir voraussichtlich mit beiden auch die BH ablegen, je nachdem wie gut unser Training läuft.

Ich bin auch der Meinung, dass man bei ängstlichen Hunden diese Ängste nicht manifestieren sollte, sondern am Aufbau des Selbstvertrauens beim Hund arbeitet. Manchmal ist es dann hilfreich, Konflikte bewältigen zu müssen, als diesen (nur weil es bequemer für einen selber ist) zu meiden. Unsere Cherry hat panische Angst bei Silvester und dennoch könnte ich sie ohne Leine laufen lassen, da der Hund sich an mir und meinem Verhalten in dieser Situation orientiert (Vertrauen).
__________________
Liebe Grüße
Conny

"Egal wie wenig Geld und Besitz du hast, einen Hund zu haben, macht dich reich."
(Louis Sabin)

Geändert von Mueckony (19.02.2007 um 13:50 Uhr).
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  #10 (permalink)  
Alt 18.02.2007, 16:45
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Registriert seit: 17.02.2007
Beiträge: 12
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Eigentlich finde ich diesen Prozess, der manchmal nicht vorwärts zu gehen scheint,sehr sehr spannend. Es ist schön dabei zu erleben, wie parallel zur Entwicklung die Bindung zwischen Mensch und Hund wächst. Manchmal gehe ich mit Rio an den See durch Matsch und Schlamm, wo kein Mensch kommt, und beobachte ihn einfach (an einer 8 meter Zugleine). Es ist wie eine Meditation, bei der wir beide zur Ruhe kommen. Ich bin sicher, dass solche Momente den gleichen Effekt wie Training haben. Es ist dann einfach nur schön, dass er da ist.

Liebe Grüße, Bettina
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