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  #1 (permalink)  
Alt 05.07.2008, 21:44
Benutzerbild von Hovi13
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Registriert seit: 14.02.2007
Ort: westliches Münsterland
Beiträge: 50
Standard Genomische Zuchtwertschätzung

Hallol,
sicher wissen einige von Euch bereits aus anderen Veröffentlichungen, dass der Genort für HD beim Deutschen Schäferhund bestimmt werden konnte. Der SV hat hier bahnbrechende Unterstützung geleistet.
Für andere Rassen soll das ebenfalls möglich sein, am vergangenen Samstag gab es deshalb eine Informationsveranstaltung durch den VDH für Vertreter aller Rassen.
Hier ist ein Bericht von der Tagung, Reinhold Eysel (der mit Dex dem Hovawart von STEIFF, "Ein Stofftier für die Forschung" www.r-eysel.de ) hat ihn geschrieben und bittet um Veröffentlichung in möglichst vielen Foren.
Für die Gesunderhaltung aller Rassen tun sich hier wirklich neue Möglichkeiten auf, ich bin gespannt.


und hier kommt der Bericht:

„Genomische Selektion in der Hundezucht“
Bericht über Vorträge von Prof. Distl, TiHo Hannover

VDH Veranstaltung für die 150 angeschlossenen Zuchtverbände am Samstag, den 14.6.2008 in Dortmund. 40 Teilnehmer von ca. 20 versch. Rassehundevereinen. Vom RZV, HZD und HC war nur ich als einfaches Vereinsmitglied anwesend.

Ich versuche einmal, mit möglichst wenig Fachchinesisch Inhalt, Ergebnisse und vor allem die Konsequenz dessen, was teilweise geballt wissenschaftlich vorgetragen wurde zusammenzufassen:

Im ersten Vortrag von Prof. Distl ging es erst einmal um den neuen HD-Test beim Schäferhund. Er beschrieb die Entwicklung des Testverfahrens. Das von Ihm entwickelte völlig neue statistische Verfahren ermöglicht, aus der rund einer Million bekannter sogenannter SNPS ( deren einzelne Funktion man nicht einmal kennen muss ) genau diejenigen 17 heraus zu filtern, die für HD verantwortlich sind. Der prozentuale Wirkungs-Anteil jedes einzelnen SNPS an der Gesamtwirkung wurde ermittelt, ist nun bekannt. Die Gesamtwirkung der SNPS ergibt sich streng additiv aus den Einzelwirkungen.

Das Verfahren wurde in einem weiteren Schritt eingehend auf seine Gültigkeit und Aussagekraft ( Validität u. Signifikanz ) überprüft indem man die Blutproben „unbekannter“ Hunde testete und das Ergebnis mit deren tatsächlichen Diagnosen (und dem nach alter Methode ermittelten Zuchtwert ) abglich.
Es stellte sich heraus, dass die neue Methode 1.) richtige Voraussagen macht, 2.) die Prognose um ca. den Faktor 10 „besser“ ist, als nach der bisherigen altbekannten Zuchtwert-Abschätzung für dieses Merkmal. Außerdem konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass die Genetik ganz wesentlich bedeutsamer für die Entstehung von HD ist als der „Erwerb“ durch Haltungsfehler etc. Sehr viel zuverlässiger als bisher kann man nun errechnen ( nicht nur schätzen!), wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf HD für die Gesamtheit eines Wurfs sein wird. Das Risiko jedes einzelnen Welpen kann man sofort nach Geburt per Test feststellen.

Im zweiten Vortrag wurde die universelle Anwendbarkeit der neu entwickelten Methodik erklärt: Genauer betrachtet ist dies die eigentliche Sensation:

Die entwickelte „Plattform-Methodik“ erlaubt nicht nur eine ca. zehnmal verlässlichere Voraussage über die Wahrscheinlichkeit von HD, sondern ermöglicht

Voraussagen über jedes beliebige andere eindeutig definierbare Merkmal.
( Krankheiten ebenso, wie erwünschte Merkmale )

Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen (Dr. Yvonne Marschall u. Dr. Kathrin Frederike Stock) haben eine Methode entwickelt, die es ermöglicht die Zuchtauswahl
· für jedes einzelne Merkmal
· für jede Rasse
wesentlich zu verbessern, weil mit der „genomischen Methode der Zuchtwertschäzung“ die Qualität der Zuchtwertschätzung in ihrer Zuverlässigkeit um ca. den Faktor 10 verbessert wird. Nach der neuen Methode demnach
1. unerwünschte Eigenschaften ( Krankheiten) weit besser als bisher zurückgedrängt,
2. erwünschte Eigenschaften weit besser als bisher gefördert werden können.

Für das Merkmal HD und für den Deutschen Schäferhund ist das Verfahren schon durchgeführt. Ein Gen-Chip der die Tests – vom praktischen Ablauf her - deutlich vereinfacht und verbilligt ist in Arbeit und wird vermutlich im September präsentiert werden. Sodass man beim DSH und für HD in Zukunft gesicherte Wahrscheinlichkeiten für jeden einzelnen Hund und jede Verpaarung ermitteln kann.

Wo ist nun der „Haken“ an der Sache?

Die Plattform-Methodik ist fertig entwickelt, „steht“, muss allerdings, um für die jeweilige Rasse und das entsprechende Merkmal die jeweils „richtigen SNPs“ zu finden

1. für jede Rasse
2. für jedes Merkmal einmal durchlaufen werden.

Das macht pro Rasse und pro Merkmal eine gewisse „Anfangsinvestition“ nötig um die geeigneten SNPs für jede Rasse und jedes Merkmal zu finden.
Danach ist es dann sehr leicht, schnell und billig möglich für das entsprechende Merkmal und die jeweilige Rasse eine 10 mal zuverlässigere Aussage über das Auftreten des Merkmals zu machen als bisher.
Prof. Distl machte darauf aufmerksam, dass es sehr kostensparend ist, wenn 4-8 (möglichst einander nahe stehende Rassen) gemeinsam den Auftrag geben, die SNPs für ein bestimmtes Merkmal zu finden. Je weiter der Prozess fortschreitet, desto einfacher und damit billiger wird es dann für immer mehr Merkmale und immer mehr Rassen auch qualitativ ( noch weiter) verbesserte Voraussagen zu machen.
Zur HD gilt es noch zu erwähnen, dass flächendeckendes HD-Röntgen in der Zukunft überflüssig wird, sobald die Methode für die entsprechende Rasse eingeführt ist. Zur weiteren Präzisierung der Methode sind lediglich sehr wenige, gelegentliche Röntgenaufnahmen sinnvoll.

Das „geniale“ der Methodik besteht darin, dass OHNE jede Kenntnis der Funktion einzelner genetischer Codes, durch geschickte Kombination genetischer und statistischer Methoden eine präzise Angabe der Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Merkmals möglich wird.

Für dieses Verfahren erhielten Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen von der internationalen Forschergemeinde höchste Anerkennung.

An den Zuchtverbänden der Rassen liegt es nun, auch wirklich durch das große Tor zu gehen, dass Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen aufgestoßen haben.

Dem SH-Verein zolle ich höchste Anerkennung dafür, dass er diese Pionierarbeit erst möglich gemacht hat. Alle Rassen können gewaltig davon profitieren. Sie müssen es nur noch wollen und eine gewisse Anfangsinvestition „organisieren“. (Wenige 10 000 € im Laufe von 2-3 Jahren.)

Reinhold Eysel

Die von Distl ausgehändigten Unterlagen ( hand outs) können gerne bei mir angefordert werden. info@r-eysel.de

Wenn ihr diese Zusammenfassung für nützlich haltet, im Sinne der Gesundheit unserer Hundis würde es mich FREUEN, wenn ihr diesen Beitrag möglichst oft verlinkt, kopiert, vervielfältigt, wie und wo auch immer und erlaube dies ausdrücklich hiermit.


Erklärung:
Mit SNP (englisch: Single - einzeln, Nucleotid - Nukleotid, Polymorphism - Polymorphismus; sprich: Snip) werden Variationen von einzelnen Basenpaaren in einem DNA-Strang bezeichnet.
Ein Merkmal ist ein mit dem bloßen Auge oder mikroskopisch eindeutig als vorhanden oder nicht vorhanden beschreibbare Eigenschaft eines Individuums. ( Beispiel: HD, Lebershunt, oder Deg. Myelopathie, usw. usw. oder eben auch ERWÜNSCHTE Eigenschaften)
_________________
Wende Dein Gesicht der Sonne zu und alle Schatten fallen hinter Dich
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  #2 (permalink)  
Alt 06.07.2008, 10:57
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Interessant. Aber was ist der Nutzen?
__________________
Gruß aus Hamburg
Ralf


"Auf der Suche nach dem Glück, stellte sich heraus, das Glück sieht aus wie ein Hund!"
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  #3 (permalink)  
Alt 06.07.2008, 11:08
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Registriert seit: 14.02.2007
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Beiträge: 50
Standard

Siehe OBEN:
"Prof. Distl und seine Mitarbeiterinnen (Dr. Yvonne Marschall u. Dr. Kathrin Frederike Stock) haben eine Methode entwickelt, die es ermöglicht die Zuchtauswahl
· für jedes einzelne Merkmal
· für jede Rasse
wesentlich zu verbessern, weil mit der „genomischen Methode der Zuchtwertschäzung“ die Qualität der Zuchtwertschätzung in ihrer Zuverlässigkeit um ca. den Faktor 10 verbessert wird. Nach der neuen Methode demnach
1. unerwünschte Eigenschaften ( Krankheiten) weit besser als bisher zurückgedrängt,
2. erwünschte Eigenschaften weit besser als bisher gefördert werden können. "

Damit ist wohl gesagt, wo der Nutzen ist.
Kein "Blindflug" mit den grossen Ungenauigkeiten und Unsicherheiten der bisherigen Zuchtwertschätzung mehr, sondern ABGESICHERTE ca 10x bessere
Werte.
Gruß
R.
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  #4 (permalink)  
Alt 07.07.2008, 11:44
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Registriert seit: 14.02.2007
Ort: westliches Münsterland
Beiträge: 50
Standard Bedauerlich

Viele Hunde und Hundebesitzer erfahren ein hohes Maß an Leid durch (Erb-) Krankheiten ihrer Hunde. Man beklagt je nach Rasse heftig z.B. HD, Schilddrüsenerkrankungen, Lebershunt und viele andere Erkrankungen.
Manche Rasse wird immer noch nach dem erbbiologischen Kenntnisstand von vor 100 Jahren gezüchtet. Moderne, wesentliche neue Erkenntnisse werden teilweise grob ignoriert, obwohl das Wissen um Vererbung in den letzten Jahren förmlich EXPLODIERT ist.
Vor diesem Hintergrund betrachte ich es als AUSGESPROCHEN BEDAUERLICH, wie gering doch die Aufmerksamkeit ( siehe oben ), Reaktion auf das neue Distl Verfahren bei der Mehrzahl der Zuchtverbände -und auch der Hundebesitzer - bisher ist. Hier muss unendlich viel an Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Mit der neuen Methode kann unendlich viel Leid bei Hund und Mensch verhindert,
bzw. sehr deutlich verringert werden.
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