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  #1 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 10:57
Benutzerbild von gizzymaus
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Registriert seit: 16.01.2008
Beiträge: 29
Standard Meine Erfahrungen mit einem Ex-Laborhund

Hallo an alle,

das posting hier wird wohl etwas länger, deswegen: alle, die sich nicht für Ex-Versuchshunde interessieren, bitte NICHT weiter lesen.

Wie ja vielleicht der eine oder andere schon mitbekommen hat, gehört seit knapp einem Monat ein ehemaliger Laborbeagle zu unserer Familie. Er heißt Elmo und ist ein „Pocket Beagle“.
D.h. er ist ein ganzes Stück kleiner als Beagle normaler Weise und auch um einiges leichter.

Er hat die ersten 18 Monate seines bisher fast zweijährigen Lebens als „MTH“ (Medizinisch-Technischer-Hund) in einem Versuchslabor „gearbeitet“. Konkret heißt das, dass er in einer größeren Box wahrscheinlich alleine (oder maximal zu zweit) gehalten wurde. Wie sich das auswirkt, kann man sich vielleicht so vorstellen: du lebst bis zu einem 18. Lebensjahr in einem Zimmer ohne Kontakt zu Außenwelt, bekommst zu fressen, sorry: zu essen, aber keine oder bestenfalls sehr wenig Zuwendung. Unser TA erklärte uns, dass die Tiere es als „Zuwendung“ empfinden, wenn sie zu Versuchen oder Kontrolluntersuchungen als ihren Käfigen geholt werden, da das der einzige „Kontakt“ ist, den die Tiere dort haben. Wie traurig...

Ich weiß inzwischen, dass es auch Labore gibt, in denen das anders gehandhabt wird, Hoechst z.B, dort leben die Beagle in kleinen Meuten und es gibt Pfleger, die sich auch außerhalb der Versuchsreihen um die Hundis kümmern, aber Elmo kommt aus dem Konzern mit dem große „B“ im Logo, dort ist es leider nicht so.
Uns wurde gesagt, dass an ihm Futterversuche gemacht worden sind, also er war so zu sagen Testesser für Hundefutter. Ich bin mir nicht ganz sicher, dass ich das glauben kann, denn er hat leichte Probleme mit seinen Bronchien und laut TA deutet das eher auf Tests mit Schnupfenmitteln oder vielleicht Anti-Parasiten-Mitteln hin – also so was wie Spot-on’s gegen Zecken oder so. Aber da Elmo nicht erzählen kann, werden wir das wohl nie genau wissen.

Auch so eine Sache: ich denke schon ziemlich oft daran, was er wohl so durchgemacht hat. Wenn man dies zu oft oder zu intensiv tut, bekommt man allerdings schwerste Depris, deswegen versuche ich solche Gedanken eher weg zu drücken.

Au Backe, jetzt habe ich schon so viel geschrieben und bin eigentlich noch nicht mal mit dem angefangen, was ich hier eigentlich zum Besten geben wollte.
Ich wollte über Elmos Verhalten und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Erziehung auslassen;(und mich dabei gleich ein bisschen selber beweihräuchern. Schließlich habe ich geschafft, dass Elmo inzwischen aus seinem Schneckenhaus raus gekommen ist und am Hundleben teilnimmt. Nicht unbedingt aktiv teilnimmt aber wir sind, glaube ich, auf einem ganz guten Weg).

Die ersten paar Tage mit Elmo waren recht stressig, aber auch interessant. Trotz guter Vorbereitung war ich eben nicht auf ALLES vorbereitet. Naja, manche Dinge lernt man ja auch situativ: Elmo hatte z.B. Angst vor Bücher, Tassen, Lampen, Licht im allgemeinen (etwas kompliziert wenn’s abends dunkel wurde). Wenn beim Gassi-gehen ein leichter Wind wehte, brach der Hund fast zusammen und wollte keinen Schritt mehr machen... Ein fremder Hund = Panik. Ein fremder Mensch = Herzinfarkt.

Auch gab es das eine oder andere Problem mit unserem Gizmo, seines Zeichens „Ersthund“. Am Anfang konnte er mit Elmo wohl nicht so wahnsinnig viel anfangen. Durch die mehr oder weniger komplett fehlende Sozialisation konnte/kannte Elmo natürlich kein Spielen, von Hundespielzeug ganz zu Schweigen. Das gibt sich jetzt so langsam und es ist wirklich süß, wie die beiden anfangen gemeinsam Abenteuer zu erleben...
Elmo reagiert zwar teilweise auf Spielaufforderungen mit einer gewissen Zeitverzögerung, so als ob er erstmal einordnen muss, was Gizzy nun eigentlich von ihm möchte, aber dann wird schon getobt. Gestern haben die Beiden sogar so was wie Tauziehen gespielt. Hat mich etwas überrascht, es war das erste Mal das Elmo ein Spielzeug in den Mund genommen hat.

Sowas wird dann natürlich gefeiert, genauso wie das erste Bellen, das Elmo jetzt, nach vier Wochen, zum ersten Mal hören ließ!!!

Andere Hunde werden nun auch akzeptiert, einige findet Elmo sogar ziemlich interessant. Ich glaube, da hat Gizmo wohl so einiges zu beigetragen, ich hatte manchmal das Gefühl, er stellt Elmo seine Hundekumpel regelrecht vor. So nach dem Motto: guck mal, der/die ist ganz ok.
Inzwischen erkennt er schon bestimmte Hund von weitem und freut sich. Am Anfang wäre das total undenkbar gewesen.
Mit Menschen hat Elmo noch so seine Probleme; inzwischen versteckt er sich hinter mir, wenn sich ein unbekannter Zweibeiner nähert. Naja, ich vermute er hat auch nicht gerade die besten Erfahrungen mit unserer Spezies gemacht. Mich und meinen Göttergatten hat er allerdings voll akzeptiert. Zu Beginn war auch das nicht ohne: jede Handbewegung konnte die falsche sein und Elmo ist erstmal wieder in seine eigenen Welt „geflüchtet“, hat sich irgendwo drunter geduckt.
Das mit den Handbewegungen ist noch an anderer Stelle etwas kompliziert: Beagel reagieren kaum auf Lautzeichen, d.h. am Besten kann man sie mit Sichtzeichen erziehen. Schwierig, wenn die „falsch“ erhobenen Hand eine Panikattacke auslöst. Inzwischen kann er schon „Sitz“ und „Komm“. „Platz“ funktioniert noch nicht: die flache Hand macht Angst, ist ja klar.

Außerdem ist Elmo verfressen, verfressen, verfressen.... Das erleichtert die Erziehung schon mal und ist auch in anderen Bereich hilfreich. Wenn er zwischen „Angst“ und „Verfressenheit“ entscheiden soll, siegt immer öfter das Letztere.
Das Wort „Nein“ scheint er allerdings schon vorher gekannt zu haben. Vielleicht wurde es ihm beigebracht, um ihn von nicht versuchsrelevanten Dingen abzuhalten? Keine Ahnung, erleichtert aber so einiges, vor allen Dingen, wenn er mal wieder meint er müsste probehalber eine Kerze oder so anknabbern...

So, ich glaube das langt erstmal. Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, vor allen Dingen über das manchmal echt unverschämte Verhalten gewisser Menschen („wie, ein Laborhund? Verpestet der hier nicht alles?“), aber das wird dann doch etwas zu viel.

Vielen Dank das ihr euch diesen Mammut-Beitrag durchgelesen habt.
__________________
Liebe Grüße
Anja & Gizmo

Ein Hund ist ein Herz auf vier Pfoten
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  #2 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 11:37
Benutzerbild von helemaus
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Beiträge: 479
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Hi, Anja, dass ist ja toll, das Elmo endlich richtig leben kann und das Leben anfängt zu genießen. Ein großes Lob an dich und deine Familie, dass ihr diesen Mut hattet!!!!!!!!!!!!!!!
__________________
Mit liebem Gruss, Romina und ihre tierische Rasselbande


Der Hund ist das einzige Wesen auf Erden, das dich mehr liebt als sich selbst
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  #3 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 15:26
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Zitat:
Zitat von gizzymaus Beitrag anzeigen
So, ich glaube das langt erstmal. Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, vor allen Dingen über das manchmal echt unverschämte Verhalten gewisser Menschen („wie, ein Laborhund? Verpestet der hier nicht alles?“), aber das wird dann doch etwas zu viel.

Vielen Dank das ihr euch diesen Mammut-Beitrag durchgelesen habt.
Hallo Gizzy,

MIR war das gar nicht zuviel! Ich würde gerne noch so einen Mammut-Beitrag von dir lesen!

Erzähl mal genauer, was du mit anderen Menschen so erlebst und auf welche Vorurteile du stößt.
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  #4 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 16:59
Benutzerbild von verybestfriend
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Auch ich habe deinen Beitrag voller Interesse gelesen und würde gerne mehr hören, weil ich es sehr, sehr schön für Elmo finde, dass er ein so gutes Zuhause hat. Du hast dir ja eine wirklich große Aufgabe vorgenommen. Aber in der kurzen Zeit hat Elmo dank deiner Einfühlsamkeit und vielen Geduld schon sehr große Fortschritte gemacht. Für ihn hat bei Euch die Welt und sein Leben neu begonnen. Das wünscht man allen Laborhunden und die Menschen, die solche Äußerungen machen, wie du manchmal zu hören bekommst, sind einfach nur oberflächlich. Macht weiter so, es ist bestimmt auch schön, dass dir mit Gizmo ein toller "Ersthund" zur Seite steht.
Lass ab und wann hören, wie es euch geht.

LG Ulrike
__________________
Falschheit, Intoleranz und Ungerechtigkeit sind Dinge, die im Leben unserer vierbeinigen Freunde keinen Platz haben.
Das sollten wir Menschen auch immer bedenken. - my own
------------------------------------------
Es gibt Freundschaften, die im Himmel beschlossen und auf Erden vollzogen werden.
-Matthias Claudius
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  #5 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 18:19
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Zitat:
Zitat von gizzymaus Beitrag anzeigen
So, ich glaube das langt erstmal. Ich könnte noch ewig so weiter schreiben, vor allen Dingen über das manchmal echt unverschämte Verhalten gewisser Menschen („wie, ein Laborhund? Verpestet der hier nicht alles?“), aber das wird dann doch etwas zu viel.

Vielen Dank das ihr euch diesen Mammut-Beitrag durchgelesen habt.
Wer sagt denn sowas????

Ich habe die Labor-Hunde, die ich bereits kennengelernt habe (3 Beagle und ein Labrador) alle nur positiv erlebt. Natürlich gibts in der Anfangszeit das eine oder andere, aber zeig mir einen Hund, bei dem das nicht ist. OK, der Labbi hat etwas länger gebraucht, aber er war auch alleine, heute ist er ein total integrieter Zweit-Hund.

Die Beagle scheinen ja im Mom bei den Laboren sehr beliebt zu sein. Die 3, die ich kenne, sind alle, auch untereinander, sehr verträglich.

Erzähl ruhig weiter, vielleicht hast Du ja auch ein paar Bilder?

Schönes WE
Angelika
__________________
LG
Angelika

Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gern hätten.
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  #6 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 19:51
Wahlfranzose
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Hm, ich habe mal gehört, dass man deshalb so gerne Beagles für Laborzwecke verwendet, weil es so gutmütige Hunde sind.

Ich versuche immer, nur auf Produkte zurückzugreifen, die nachweislich frei von Tierversuchen sind. Ist schwierig, kriegt man aber übers Internet raus.

Bei uns zuhause in Würzburg an der Uni gab es schon riesige Demos gegen Tierversuche, weil da ANGEBLICH in den Labors viele Tiere missbraucht werden.

Ich fand Deinen Artikel superinteressant und habe mich richtig für Elmo gefreut, dass er jetzt bei so tollen Menschen angekommen ist!!! Das hat er wirklich verdient.

Lass' doch mal ab und an was hören von Euch.
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