Für mich sind Eure Beiträge sehr informativ und sie spiegeln die reine Menschlichkeit wieder, oder zumindest die Sicht von uns Menschen.
Wir sind unseren Tieren gegenüber in einer gehörigen Verantwortung. Vor allen in der Verantwortung zu überdenken, ob wir aus menschlicher Sicht, oder in tierischem Sinne das Thema angehen.
Ein Tier, was Nahrung und Trinken verweigert, hat im Grunde seinen irdischen Körper angefangen abzulegen. Es
braucht diese profanen Dinge einfach nicht mehr. Also keine künstliche Ernährung und kein "Reinbeten" von Nahrung und Wasser. Nase und Maul gut befeuchten und akzeptieren!
Wenige Hunde sterben brav in ihrem Körbchen liegend. Unruhe, laufen und viele Arten von Geräuschen gehören zu einem Ablösungsprozess dazu, sind von uns Menschen aber schwer zu ertragen, weil sie oft fehlinterpretiert werden.
Ruhe schaffen durch leise und entspannende Musik. Gedämpftes Licht und das verdunstende Aroma von Rosenöl. Eventuelle homöopatische Mittel zur Beruhigung sind okay.
Selbst eine unruhige Atmung ist noch immer "normal". Das Tier beginnt, nach innen zu atmen.
Das darf aber niemals mit Atemnot verwechselt werden. Dann muss sofort Abhilfe her!
Nori beginnt jetzt in den Prozess zu kommen, wo sie sich gern absondert. Schwer kranke Hunde suchen sehr instinktiv die Nähe zur Natur - sind also gern draußen. Ich schaffe ihr draußen eine bequeme Ecke mit einer warmen Unterlage, wo sie solange verharren kann wie sie möchte. UNGESTÖRT!
Sie liegt jetzt oft allein viele Stunden im dunklen Schlafzimmer bei uns. Ich habe lernen müssen, das Nori mir hier eine Grenze zeigt, die ich nicht überschreite. Ich lasse sie allein!
Sie allein entscheidet, ob und wie oft sie dicht bei uns sein möchte. Ich vergewissere sie aber immer meiner Nähe, meiner Liebe und meiner inneren Verbindung.
Ich verlasse nie das Haus, ohne mich vorher liebevoll verabschiedet zu haben.
Wann würde ich einschläfern? Wenn Nori Wasser in der Lunge hat und nicht mehr richtig atmen kann. Wenn Nori mir zeigt, dass sie es allein nicht schafft und diese Hilfe wünscht! Ich weiß, dass ich sie verstehen werde! Ich bin jetzt ganz sicher!
Das Wort Lebensqualität ist menschlich geprägt. Menschlich geprägt ist auch unsere Angst vor Tod und Sterben. Wir begehen einen Raum, den wir nicht kennen! Letztlich ist es aber wirklich nur so, als würde man einen Raum verlassen, um einen neuen zu betreten.
Hunde betrachten Schmerz und Leid total anders, als Menschen. Ich habe es ja schon ausgeführt.
Erst in dieser Sterbesituation zeigt sich, ob ich meinem Hund ein fairer und wahrer Partner bin.
Dazu muss ich in der Lage sein, mich ganz tief in mein Tier einzufühlen und Abschied zu nehmen, von meinen menschlichen Vorstellungen des Daseins und den menschlichen Ansichten zu Sterbehilfe. Schnell sind wir damit bei der Hand, weil wir es eben aus unserer Sicht betrachten. Würden wir unsere Tiere mal fragen, wie sie dieses Thema sehen, würden wir uns arg wundern!
Man kann an einem solchen Abschied täglich wachsen. Nie habe ich tiefere Dankbarkeit und größeren Schmerz erfahren, als gerade jetzt in dieser Zeit. Die Augen meines Hundes betrachten die Situation gelassener. Da ist zwar das Wissen, dass sich unsere Wege trennen werden, aber Nori empfindet das anders als ich.
Ich muss lernen, meinen Hund mit großer Demut, Dankbarkeit und Liebe in Ruhe gehen zu lassen. Meine menschlichen Gedanken zwar "überdenken", aber auf meinen Hund umzusetzen. Ich muss erfühlen, wann sie wirklich auch nach hündischem Ermessen leidet und dann wird sie mir zeigen, dass es an der Zeit ist, unser Band zu trennen.
Vor allem darf ich nicht aus egoistischer Liebe heraus klammern. Ich werde aber auch nicht aus egoistischer Liebe töten.
Es ist ein schmaler und schwerer Grat. Mein Herz schreit: "Bleib bei mir" und mein Verstand sagt mir "gehe in Frieden meine allerbeste Freundin".
Ich genieße diese Zeit mit Nori. Nie hat es eine größere Intimität zwischen uns gegeben. Nie habe ich mehr empfunden und so ein extremes Spektrum an Gefühlen erlebt wie jetzt. Und nie werde ich eine größere Leere empfunden haben, als dann, wenn sie mich verlassen hat, weil es ihre Zeit war.
Es freut mich, dass dieses Thema hier so wundervoll überlegt von Euch diskutiert wird. Es ist ein Kreis aus Geburt und Sterben. Wir müssen uns damit befassen. Wir müssen lernen, unseren Tieren auch im Tode gerecht zu werden. Das sind wir ihnen schuldig, weil sie uns ihr Leben lang selbstlos geliebt haben.
Eure
Daniela
