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Alt 22.07.2010, 20:01
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Labbifreundin Labbifreundin ist offline
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Standard Wenn sie alt werden...

Letztes Wochenende hatte ich Besuch von meiner besten Freundin. Sie brachte ihre Labbihündin mit, die nun auch schon etwa 12 Jahre alt ist. Umgerechnet also 85 Menschenjahre.

Meine Mädels sind gemessen daran mit ihren läppischen 57 bis 69 Jahren noch fast Jungspunde.
Dennoch ein Grund, mal darüber nachzudenken, wie es ist, wenn unsere besten Freunde alt werden...!

Als Kara damals zu uns kam, graute es mir bereits gewaltig davor, wie es wohl sein würde, wenn sie mal alt wird. Ein beängstigender Gedanke und wir beobachteten genauestens, wann sich das erste graue Haar wohl blicken läßt. Ich habe es damals mit einem Edding geschwärzt.
Das ist nun drei Jahre her und inzwischen hat sie ein entzückendes graues Bärtchen, welches ich sehr liebe, denn sie sieht irgendwie "würdig" damit aus.

Aber was hat sich alles im Laufe der vergangenen Jahre geändert?
Vor allem sicher die Bedürfnisse unserer Hunde, die zwischen 6 und 8,5 Jahren alt sind.

Früher war die Fütterung von größter Priorität. Man "schmiss" sich auf den Napf und pumpte dessen Inhalt wie ein gigantischer Sauger ab. Heute werden die Mahlzeiten deutlich geruhsamer. Die Mädels genießen ihre Menüs. Zwischendrin wird ein wenig Wasser getrunken und dann wieder ein Häppchen gespeist. Während der erste Hund frisst, warten die anderen Mädels mehr oder weniger geduldig darauf, dass sie an der Reihe sind.

Die Ruhezeiten werden nun wieder länger. Außerdem wird es vorgezogen, auf komfortablen Unterlagen gebettet zu ruhen. Wo früher einfach eine Bodenfliese genügte, um ein Schläfchen zu machen, darf es heute gern die bequeme Kudde, versehen mit Kuscheldecke und Kissen sein. Auch das Sofa ist irgendwie wichtiger geworden. Gern liegen sie jetzt ganz dicht bei uns - auf Kuschelkurs.
Wenn die Hüfte zwickt, oder draußen Herbststurm tobt, liegt auch schon mal ein Vierpfötler gemütlich mit im Bett und ein tiefer Seufzer überzeugt auch uns, dass der Hund nun so richtig zufrieden ist.

Die Spaziergänge haben sich verändert. Wenn es früher abolute Priorität hatte, eine Maus auszugraben (und sei es, dass man dabei fast in Australien rauskam), so sind heute intensive Schnupperrunden gefragt. Wilde Spiele begrenzen sich auf wilde 5 Minuten, nach denen man total ausgepumpt erstmal für ein Viertelstündchen ins Gras sinkt.

18 km-Märsche sind nun out. Wir zockeln gemütlich zweimal eine Stunde im gemächlichen Rentnertempo unsere Runden. Fremde Hunde werden eher beiläufig begrüßt, wo man sich ehemals auf jeden Vierbeiner vehement stürzte und diesen antrieb zu spielen, auch wenn der gerade nicht in Spiellaune war.

Regenwetter? "Muss ich raus???" Demonstrativ werden erste Regentropfen hektisch von den Pfoten geleckt und ein vorwurfsvoller Blick signalisiert: Bei diesem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür!

Alter=Pflegezeit! Sie werden halsstarrig! Pillen, die früher bei Bedarf "inhaliert" wurden, werden nun unter Hundezungen versteckt und dann hinter dem Sessel heimlich abgelegt! Also werden alle notwendigen Tabletten in chice Mäntelchen aus Lachs, Leberwurst, Fleischwurst oder gar in einer Erdbeere "versteckt". Hundealter werden mit steigendem Alter der Hunde immer hinterlistiger!
Alte Menschen verstecken auch mal gern ihre Pillen.

Überhaupt: Alte Menschen! Unsere Hunde haben teils tragische Ähnlichkeit mit altersstarrsinnigen Menschen: Sie hören nur noch das, was sie hören wollen! Schimpft man sie dann aus, bekommt man einen höchst beleidigten Blick immer nach dem Motto: ICH HABE ES EINFACH NUR NICHT GEHÖRT - ICH BIN ALT...!

Meine Hündin Nori (unser ältestes Mädchen) lehnt es seit etwa 3 Monaten ab, an der Leine geführt zu werden. Sie läuft nur noch leinenfrei. Leine ich sie aber an, steht sie wie ein alter bockiger spanischer Esel und rührt sich keinen Zentimeter. Ich bin alt und ich kann das, scheint sie mir zu sagen.

Freiheit für Senioren...! Ich lasse sie also leinenfrei laufen. Sie gehorcht (meistens) gut und schnell wegrennen ist ja in dem Alter auch nicht mehr so richtig.

Sehr verändert hat sich das Schmuseverhalten. Früher wurden schnelle Streicheleinheiten als Lob und Zuneigung geduldet.
Heute suchen meine Seniorinnen regelmäßig Sozialkontakt. Streicheleinheiten nehmen viel Zeit und Raum ein und dürfen innig, lange und liebevollst ausgeführt werden.
Das verhasste Bürsten ist zu einem gern genommenen Punkt im Bereich Sozialpflege geworden. Sie genießen es, stundenlang gestriegelt, gebürstet und gezaust zu werden.

Mit dem zunehmenden Alter scheint es wichtiger geworden zu sein, dass die Hunde Liebe und Zuneigung erfühlen können. Gleichermaßen scheint die Fähigkeit der Hunde zu wachsen, auch ganz sanfte Gesten von uns zu verstehen und anzunehmen. Unser Verhältnis zu den Mädels ist das eines alten Ehepaares, was nach 50 Ehejahren durchaus und immer weiß, was der Partner gerade braucht und w i e eine Bemerkung gewertet werden muss. Man wächst mit- und aneinander.

Ehepartner? Wie ist es bei den alten Hunden eigentlich mit dem anderen Geschlecht?
An schlechten Tagen "schleppen" sie sich auf die Gassirunde. Dann passiert plötzlich ein Wunder, denn in Geruchsweite taucht ein schnuckeliger Rüde auf.
Schon nehmen die Hundedamen wieder menschliche Züge an!

Wir stellen uns eine alternde Dame vor, die von einem deutlich jüngeren Mann einen nochmal bewundernden Blick erntet. Der Bauch wird eingezogen, die Brust wird rausgestreckt und der Rücken gestrafft. Der Gang wird geschmeidig und die Arthrose ist plötzlich "Schnee von gestern". Die Wimpern klappern und man gibt sich noch einmal dem Gefühl hin, jung und begehrenwert zu erscheinen.

Meine Hündinnen verfahren sehr, sehr ähnlich. Der Popo wackelt bis zur Taille. Man gibt sich geschmeidig und gut auf den Pfoten. Das Hinkebein ist vergessen und wir werfen uns so gut wie es eben geht in Positur. Es wird geschnüffelt und Kontaktfreude signalisiert. Wie Teenager werfen sie feurige Blicke und die Körperspannung ist die einer Junghündin. Sogar ein Spielchen ist drin, ehe man sich wieder verabschiedet.

Schade! Es hält nicht lange! Kaum ist der Rüde außer Sichtweite (verliebte Blicke im Nacken), fällt ihnen das Alter wieder ein und die Damen trollen sich mit leichtem Hinken und Hecheln ihres Weges - bis zum nächsten Rüden...!

Aber hat das Alter unserer Hunde nur Nachteile? Nein! Bei weitem nicht, denn es veranschaulicht uns, wie vergänglich die Zeit ist.

Ich sehe es zuweilen bei mir selbst. Wenn ich morgens mit etwas steifen Knochen aufstehe, dann wackeln drei Hundepopos und man kann sehen, dass auch sie noch morgensteif sind.
Bei Regen liegen wir lieber mal auf dem Sofa. Ich mit einem guten Buch und sie mit einer Kaustange.
In einer kalten Nacht liebe ich es, einen warmen Hundekörper in meinen Armen zu halten und zu wissen, wir wärmen uns gegenseitig.
Was wäre ein gemütlicher Fernsehabend, wenn nicht auf jedem Schenkel ein Hundekopf ruht, den ich streicheln kann.

Meine Hunde und mich verbindet das Vertrauen und die tiefe Liebe alter Eheleute. Wir verstehen uns wortlos und wir nehmen es uns nicht mehr übel, wenn wir mal einen schlechten Tag haben. Wir teilen das Problem, im Alter etwas Hüftgold angesetzt zu haben und unsere Tage lieber mit Geruhsamkeit, als mit wilder Hektik und Betriebsamkeit zu füllen, soweit dies möglich ist.

Wir leben in den Jahreszeiten und dem stillen Wissen, dass jeder Sommer der letzte gemeinsame Sommer unseres Lebens sein könnte.

Für diejenigen, die endlich Frieden mit sich selbst gefunden und das Wesen der Sterblichkeit begriffen haben, wird die Zeit zu einem stillen Begleiter, einem kostbaren Besitz, einer Erinnerung daran, jeden Moment unseres Lebens auszukosten, ohne ihn für selbstverständlich zu nehmen.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit mit den Senioren in Euren Familien. Es ist eine gute Zeit, wenn man sie zu nehmen weiß. Ich erlebe es nun jeden Tag und damit ist auch jeder Tag mit einer großen Freude und einem tiefen Glück gefüllt: Noch sind meine drei Hündinnen bei mir und ich bei ihnen und so darf ich täglich dankbar sein und mich über unser Zusammensein freuen!

Eure
Daniela mit Kara, Nori und Abby
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Um wirklich glücklich zu sein, muss man lernen, die universellen Prinzipien, die das Leben als solches aufstellt, zu respektieren und zu akzeptieren.
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