
Clicker, Futterbeutel, Reizangel oder Schleppleine: Nicht jedes Hilfsmittel in der Hundeerziehung ist empfehlenswert.
Die einen versuchen es mit Futter, andere rascheln mit Dosen oder werfen Bälle, nur um ihrem Hund zu sagen: "Hier geht's lang." Aber was denkt der professionelle Hundetrainer über die Hilfsmittel in der Hundeerziehung? Welche helfen, welche nicht? Trifft ein Urteil auch auf jeden Hund zu? Das A bis Z der Überredungshilfen von DOGS-Experte Martin Rütter
Anti-Bell-Halsband
Das Anti-Bell-Halsband mit Duftstoffen wie Zitronenaroma ist ein Sprüh-Impuls-Halsband. Das Wasser-Gas-Gemisch fügt dem Hund einen unangenehmen Reiz zu, der durch Kälte, Nässe, unangenehmen Geruch und das zischende Geräusch beim Ausstoß einen Schreckmoment verursacht. Der Sprüh-Impuls wird durch das Bellen des Hundes ausgelöst. Da auch andere Geräusche als das Bellen diesen Impuls auslösen können, also etwa auch ein neben dem Hund bellender zweiter Hund, ist der Einsatz dieses Gerätes eher nicht zu empfehlen. Der Hund würde hier bestraft werden, obwohl er kein unerwünschtes Verhalten gezeigt hat. Dieses Gerät wird häufig eingesetzt, wenn der Hund bellt, sobald er allein bleiben muss. Da der Mensch aber in dieser Situation nicht bei seinem Hund ist, wirkt die Bestrafung für diesen als anonyme Korrektur: Der Hund kann nicht einordnen, woher sie gekommen ist. Bei sensiblen Hunden kann dies dazu führen, dass der Hund sich in seinem eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühlt, er kann nachhaltig umweltunsicher werden. Eine anonyme Korrektur ist bei Hunden grundsätzlich nicht zu empfehlen, sie sollten immer ad hoc erfahren und wissen, warum und vor allem von wem sie bestraft werden!
Zweck: um das Bellen abzugewöhnen
Martin Rütters Urteil: nicht empfehlenswert
Ball und anderes Spielzeug
Für die Beschäftigung des Hundes gibt es viele verschiedene Spielzeuge und Apportiergegenstände. Ein Apportierspiel ist ein Jagdspiel um eine Beute, das dem Beutegreifer Hund im Blut liegt. Alle Gegenstände sollten robust und ungefährlich sein: aus festem Material ohne Ecken und scharfe Kanten. Der Hund kann den Gegenständen hinterrennen oder man versteckt sie, so dass er sie suchen muss. Aber immer Bällchenwerfen wird langweilig. Eher sollte man das Spiel variieren, so dass der Hund mitdenken muss. Am häufigsten werden Bälle zum Spiel mit dem Hund verwendet. Wichtig ist, dass der Ball so groß gewählt wird, dass der Hund ihn nicht verschlucken kann. Bälle hüpfen mehrmals auf, aus der Sicht des Hundes "flüchten" sie. Eine solche "lebendige" Beute ist für Hunde spannender als ein liegendes Ding.
Zweck: Beschäftigung des Hundes
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Bauchleine
Bei diesem Hilfsmittel wird eine Leine in das Halsband des Hundes eingehakt. Sie verläuft dann über den Rücken des Tiers bis etwa auf Höhe des Genitalbereichs. Dort wird die Leine einmal um den Bauch des Hundes herumgelegt und verläuft dann wieder durch den Ring am Rücken nach oben in die Hand des Menschen. Einziger Zweck der Bauchleine: Der Hundehalter kann durch Rucken den Hund an übermäßigem Ziehen hindern. Bereits der kleinste Leinenruck ist sehr schmerzhaft für den Hund. Die Wirkung zeigt sich schnell: Der Hund zieht sehr bald nicht mehr an der Leine. Doch sein stetes Ziehen unterlässt er mit der Leine um den Bauch nun nur aus Angst vor weiterer Strafe, er zeigt Meideverhalten. Der Hund hat nicht gelernt, seinem Menschen zu vertrauen und ihm zu folgen - die Ursache des Problems wird durch die Anwendung dieser Leine also nicht gelöst. Der Einsatz dieser Leine ist nicht zu empfehlen, denn die Anwendung von Gewalt, die das Tier zu richtigem Verhalten zwingen soll, ist moralisch und ethisch nicht vertretbar!
Zweck: zum Abgewöhnen des Leine-Ziehens
Rütters Urteil: nicht empfehlenswert
Clicker
Der Clicker ist ein kleines Kästchen aus Plastik mit einer Metallzunge. Man kann dem Hund damit Tricks wie das Pfötchengeben beibringen. Zunächst muss der Hund auf den Clicker konditioniert werden, er muss lernen, dass das Klickgeräusch eine Belohnung ankündigt. Man verwendet weiche Futterbrocken, die der Hund schnell schlucken kann. Nun drückt man auf den Clicker und gibt dem Hund direkt danach einen Futterbrocken. Diesen Vorgang wiederholt man etwa 15- bis 20-mal. Nach der Konditionierung kann man den Clicker für einen ersten Trick wie das Pfötchengeben verwenden. Man wartet darauf, dass der Hund ein Verhalten zeigt, das man zu dem gewünschten Endverhalten ausbauen kann. Für das Pfötchengeben wartet man also darauf, dass der Hund das Gewicht von einer Pfote auf die andere verlagert. Nach einigen Wiederholungen wartet man darauf, dass der Hund die Pfote leicht anhebt, und etwas später, dass der Hund die Pfote in die Hand legt. Zur Vollendung des Tricks fügt man noch ein verbales Signal wie "Gib Pfötchen" hinzu.
Zweck: für das Training von Tricks
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Disc-Scheiben, Wurfkette, Schütteldose
Bei allen drei Erziehungsmitteln ist das Trainingsprinzip das der positiven Bestrafung. Dem Hund wird nach einer Handlung eine unangenehme Folge dargeboten, damit er sein Verhalten in Zukunft einstellt. Ein Hund, der also einen anderen Hund anbellt, bekommt zu Beginn der aggressiven Handlung die Wurfkette vor die Füße geworfen. War die Strafe angemessen und erfolgte sie zum richtigen Zeitpunkt, wird er lernen: Auf mein Bellen folgt der Wurf der Kette. Die Problematik: Ungenaues Timing und zu spätes Werfen können dazu führen, dass der Hund etwas anderes mit der Strafe verknüpft, also zum Beispiel den Anblick eines Menschen, der kurz darauf zufällig vorbei geht. Hunde, die generell geräuschempfindlich sind, oder junge Hunde mit wenig Erfahrungen können durch die Anwendung traumatisiert und umweltunsicher werden. Vor allem aber darf der Hund niemals von diesen Hilfsmitteln getroffen werden, so dass ihm Schmerzen zugefügt werden! Die Anwendung von Gewalt bei der Erziehung eines Hundes lehne ich grundsätzlich ab.
Zweck: um ein erzieherisches Tabu zu setzen, damit der Hund ein Verhalten abbricht
Martin Rütters Urteil: bedenklich
Dummy
Diese länglichen Apportiergegenstände wurden ursprünglich als Ersatz für das Training mit Wild verwendet. Sie eignen sich für das Apportiertraining, da sie durch ihre längliche Form vom Hund gut getragen werden können. Auch für das Training im Wasser eignen sie sich, da sie an der Oberfläche schwimmen und nicht untergehen. Inzwischen gibt es Dummys in unterschiedlichen Größen, so dass für das kleine wie auch für das große Hundemaul das passende Dummy zu finden ist. Die kleineren sind meist leichter. Es gibt aber auch Dummys, die ein Kilogramm oder mehr wiegen. Hier muss sich der Hund schon richtig anstrengen, um das Hilfsmittel zu seinem Menschen zu bringen. Neben Dummys aus Stoff gibt es einige aus Plastik, die für die Steigerung der Trainingsschwierigkeit mit Wasser gefüllt werden können, somit tiefer im Wasser liegen und vom Hund nicht so leicht zu sehen sind. Fell-Dummys, die ganz oder teilweise umwickelt sind, verstärken beim Hund zudem den Eindruck einer Ersatzbeute.
Zweck: zur Beschäftigung des Hundes
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Futter
Fressen wirkt beim Hund als primärer Verstärker, da es für ihn lebensnotwendig ist. Ohne Futter kann kein Hund existieren, somit wird jeder Hund bereit sein, etwas zu tun, um an seine Happen zu gelangen. Dies ist für den Hund ein natürliches Verhalten, denn in der Natur müsste er auch zunächst einmal auf die Jagd gehen, um an Futter zu gelangen. Er muss also erst einmal "arbeiten", um essen zu können. Daher macht es Sinn, den Hund nicht nur für erwünschtes Verhalten mit Leckerchen zu belohnen, sondern ihn sein gesamtes Futter erarbeiten zu lassen. Die Art der Beschäftigung sollte individuell nach Interesse des Hundes ausgewählt werden. Ein jagdlich orientierter Hund hat zum Beispiel Spaß daran, Bällen oder Dummys hinterherzujagen. Wenn am Ende des Trainings oder des Spaziergangs auch noch ein wohlschmeckender "Jackpot" wartet, ist die Motivation viel größer! Andere Hunde führen gerne kleine Tricks wie Pfötchengeben oder Verbeugung aus, wieder andere suchen gerne Spuren und verfolgen eine Fährte, an deren Ende die Belohnung liegen kann.
Zweck: um ein Verhalten zu belohnen
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Futterbeutel
Es handelt sich hier um ein Säckchen aus Leder, Stoff oder Nylon, das mit einem Reißverschluss und im Idealfall noch mit einer Lasche mit Klettverschluss versehen ist. Durch die Lasche wird der Reißverschluss vor Dreck geschützt und bleibt so länger haltbar. Außerdem berühren die Hundezähne so nicht direkt den Reißverschluss, was für manchen Hund unangenehm sein kann. In den Beutel kann nun Futter eingefüllt werden. Spezielle Nassfutter-Beutel sind innen beschichtet, so dass man auch Feuchtfutter verwenden kann. Der Futterbeutel kann geworfen werden, so dass der Hund hinterherrennen muss. Selbstverständlich kann man ihn auch verstecken, so dass der Hund den Futterbeutel suchen muss. Diese Beute ist für viele Hunde sehr attraktiv. Grund: Sie können die Belohnung bereits riechen, was übrigens mit ein Grund ist, warum sich nicht alle Hunde für Bällchen, Dummys oder andere Spielzeuge interessieren. Bringt der Hund den Futterbeutel nun zu seinem zweibeinigen Futtergeber zurück, bekommt er aus dem Beutel seinen wohlverdienten Belohnungshappen.
Zweck: zur Beschäftigung des Hundes
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Geschirr
Es gibt sie aus Stoff oder Leder. Das Material sollte auf jeden Fall reißfest und haltbar sein, dies gilt genauso für die Verschlüsse! Der Vorteil gegenüber dem Halsband liegt darin, dass sich der Hund nicht an der Kehle oder Wirbelsäule verletzen kann, wenn er zieht. Ein Geschirr muss dem Hund passen, ist es zu klein, kann sich der Hund zum Beispiel die Achseln wundscheuern. Ist es zu groß, kann sich der Hund daraus schnell befreien. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen. Beim Geschirr mit Schulterriemen verlaufen die Riemen x-förmig um die Schultern des Hundes. Für das Anlegen des Geschirrs müssen die Beine des Hundes durch die Riemen gesteckt werden. Dies kann für sensible Hunde sehr stressig sein, für manchen Zweibeiner zu langwierig. Beim Geschirr mit Brustriemen verläuft ein Riemen vor der Brust des Hundes. Das Anlegen des Geschirrs ist einfacher, da nur ein Riemen unter seinem Bauch verschlossen werden muss. Allerdings schränkt es seine Vorderbeinaktion ein, so dass man es nicht zum Radfahren oder Joggen verwenden sollte!
Zweck: um den Hund zu führen, ohne dass er sich verletzen kann, wenn er zieht
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Halti
Das Halti entspricht in Aufbau und Funktion in etwa dem Halfter eines Pferdes, es dient dazu, den Hund entspannt an der Leine zu führen. Der Hund wird dabei mit einer Leine mit zwei Karabinerhaken geführt, er trägt zusätzlich zum Halti noch ein Halsband. Der dickere Haken wird dabei in das Halsband eingehakt, der dünnere Haken in den unteren Ring am Nasenriemen des Haltis. Wichtig: Man darf den Hund niemals nur am Halti führen, da sonst der Kopf des Hundes bei der kleinsten Bewegung stark herumgerissen würde. Richtig führt man den Hund am Halsband, die Einwirkung am Halti erfolgt nur durch leichtes Annehmen der Leine. Zuvor spricht man den Hund kurz an, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich auch ohne Einwirkung wie gewünscht zu verhalten. Reagiert der Hund nicht darauf, kann man den Kopf des Hundes mühelos von einer Sache abwenden und den Hund so in die gewünschte Richtung lenken. Der Grund: Der Hund kann mit dem Halti lediglich einen Bruchteil seiner Kraft einsetzen.
Zweck: um den Hund führen zu k&önnen, wenn er stark zieht
Martin Rütters Urteil: bedenklich
Legleader oder Geh-bei-Fuss-Trainer
Der Legleader ist eine Erziehungsleine, durch die dem Hund das Ziehen an der Leine abgewöhnt werden soll. Bei dieser Leine wird der Haken in das Hundehalsband eingehakt und das Ende der Leine um den Oberschenkel des Menschen gebunden. Die Leine ist sehr kurz, so dass der Hund schon bei der kleinsten Entfernung vom Menschen korrigiert wird. Hier wirkt also vorwiegend das Prinzip der positiven Bestrafung, bei dem der Hund für eine Handlung mit einer unangenehmen Folge bestraft wird, damit er das Verhalten in Zukunft nicht mehr zeigt. Andersherum eignet sich dieses Hilfsmittel aber nicht dazu, dem Hund beizubringen, dem Menschen vertrauensvoll zu folgen. Da der Spielraum und die Bewegungsmöglichkeit des Hundes durch die kurze Leine nicht sehr groß sind, bleibt ihm zudem wenig Möglichkeit, während des Laufens zu entspannen. Hinzu kommt, dass die Leine sehr schnell gefährlich für Mensch und Hund werden kann: Sobald der Hund losstürmt, wird das Bein des Menschen weggerissen und er kann dadurch schnell zu Fall kommen.
Zweck: um dem Hund das Ziehen an der Leine abzugewöhnen
Martin Rütters Urteil: nicht empfehlenswert
Pfeife
Ab der vierten Lebenswoche kann dieses Hilfsmittel zur Erziehung des Hundes eingesetzt werden. Einige Züchter gewöhnen Junghunde an das Geräusch, wenn sie mit Futter zu den Welpen gehen und dabei vorab pfeifen. So werden Hunde von früh an auf diesen Pfiff konditioniert und lernen, wenn er ertönt, zum Menschen zu kommen. Am besten eignen sich Pfeifen aus Büffelhorn, da diese sich in der Tonlage nicht verändern und vom Menschen gehört werden können. Auch ältere Hunde können lernen, auf dieses Signal hin zum Menschen zu kommen. Dazu lockt man den Hund zu sich und pfeift, kurz bevor der Hund angekommen ist. Da der Pfiff für den Hund immer besonders attraktiv bleiben soll, ist es wichtig, den Hund nach dem folgsamen Zurückkommen auch zu loben. Auf gar keinen Fall sollte man schimpfen, etwa weil er vorher etwas ausgefressen hat. Das Zurückkommen ist schließlich eines der wichtigsten Signale, das der Hund erlernen muss, es kann lebensrettend sein. Der Pfiff wird im Laufe des Trainings immer früher gegeben, bis der Hund gelernt hat, dass er auf dieses Signal hin kommen soll. So kann man ihn später auch aus Entfernung zurückrufen, die Pfeife ist weit hörbar!
Zweck: um den Hund zu rufen
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Reizangel
Eine Reizangel besteht aus einem Stock, an dem eine Schnur befestigt ist. An die Schnur wird dann eine Beute gebunden. Die Schnur darf dabei nicht zu dünn sein, da sonst die Verletzungsgefahr für den Hund zu groß ist. Inzwischen gibt es Reizangeln im Handel zu kaufen, alternativ kann man auch eine Longierpeitsche aus dem Reitsportbedarf verwenden. Zu Beginn des Trainings wirft man die an der Reizangel festgebundene Beute weg und gibt dem Hund das Signal hinterherzulaufen. Ist der Hund kurz vor der Beute angekommen, wird sie ein kurzes Stück vom Hund weg bewegt, bevor er sie fangen darf. Hat der Hund verstanden, dass er der Beute hinterherlaufen soll, kann man die Reizangel stärker, mit mehr Zug bewegen, so dass der Hund ihr richtig hinterher hetzen muss. Das Tempo der Hetzjagd kann nun variieren, wie ein Hase kann die Beute Haken schlagen, die Richtung wechseln oder kurz einmal verharren. Da dieses Spiel sehr anstrengend ist, eignet es sich nur für gesunde Hunde und sollte allerhöchstens zehn Minuten durchgeführt werden.
Zweck: für das Hetzspiel
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Schleppleine
Durch die Schleppleine kann man dem Hund beim Spaziergang einen gewissen Freiraum ermöglichen, ohne dass er etwa dem Hasen hinterherrennen kann. Es gibt sie in Längen zwischen 5 und 25 Meter, je nachdem wie viel Freilauf man dem Hund zugestehen möchte, und aus Stoff oder Leder. Wichtig ist hier, auf haltbares und reißfestes Material zu achten. Generell gilt: Breite Schleppleinen aus Gurtband sind Kordelband vorzuziehen, da man sie besser halten kann, wenn der Hund plötzlich losstürmt. Dennoch sollte man beim Training mit diesem Hilfsmittel immer Handschuhe tragen, um Verbrennungen seiner Hände zu vermeiden. Ebenso sollte der Hund immer ein Geschirr tragen, so dass er sich nicht an der Wirbelsäule verletzt, wenn er ungebremst (!) in die Leine rennt. Im Idealfall führt der Mensch die Schleppleine aber so, dass dies nicht passieren kann. Dazu muss der Mensch durchaus arbeiten: dem Hund Leine geben, wenn der nach vorne geht, und die Leine wieder entsprechend aufwickeln, wenn der Hund stehen bleibt oder zurückkommt. Am besten wird die Schleppleine immer so geführt, dass sie leicht durchhängt. Das heißt, sie sollte nie den Boden berühren.
Zweck: um dem Hund einen begrenzten Freilauf zu ermöglichen
Martin Rütters Urteil: empfehlenswert
Sprayhalsband
Das Sprayhalsband, etwa "Master Plus" (White Bandits), ist ein Sprüh-Impuls-Halsband mit Fernbedienung. Das verwendete Wasser-Gas-Gemisch fügt dem Hund keine Schmerzen zu, verpasst ihm aber einen Reiz, der ihm unangenehm ist: Plötzliche Kälte oder Nässe, ein unangenehmer Geruch und das zischende Geräusch beim Ausstoß sollen dem Hund einen Schreck versetzen. Der Hund soll dadurch in seinem Vorhaben wie der unerwünschten Jagd nach dem Hasen gestoppt werden und wieder aufmerksam für die Signale des Menschen werden. Wie bei allen Hilfsmitteln, bei denen man mit dem Prinzip der positiven Bestrafung arbeitet - und dem Hund nach einer Handlung eine unangenehme Folge zugefügt wird, damit er das Verhalten in Zukunft einstellt -, besteht die Gefahr der Fehlverknüpfung oder der grundsätzlichen Traumatisierung. Daher sollten zuvor immer alle anderen weniger eingreifenden Trainingsmöglichkeiten ausgeschöpft werden! Die Anwendung sollte immer in Zusammenarbeit mit einem Fachmann durchgeführt werden, da die Reaktion des Hundes genau eingeschätzt werden muss.
Zweck: um ein Tabu zu setzen, damit der Hund ein Verhalten abbricht
Martin Rütters Urteil: bedenklich
Stachelhalsband
Es besteht aus einzelnen Kettengliedern, von denen jedes eine nach innen gerichtete Spitze besitzt. Zieht der Hund an der Leine, fügen ihm die Spitzen der Kettenglieder Schmerzen zu. Der Hund soll also genau wie beim Würgehalsband über das Prinzip der positiven Bestrafung (Hinzufügen einer unangenehmen Folge nach einer Handlung, um diese abzustellen) sowie der negativen Verstärkung (Wegnehmen einer unangenehmen Folge nach einer Handlung, um diese aufzubauen) lernen, in Zukunft nicht mehr an der Leine zu ziehen. Das damit verbundene Problem: Die Ursache seines Verhaltens wird dadurch nicht abgestellt, der Hund wird lediglich aus Angst vor weiterer Strafe auf das Leinenziehen verzichten und damit Meideverhalten zeigen. Er lernt wahrscheinlich nicht, seinem Menschen vertrauensvoll zu folgen.
Zweck: zur Abgewöhnung des Leine-Ziehens
Martin Rütters Urteil: nicht empfehlenswert
Würgehalsband
Dieses Hilfsmittel verengt sich, wenn der Hund an der Leine zieht. Die Verengung am Hals ist für den Hund unangenehm. Sobald der Hund aufhört zu ziehen, entspannt sich das Halsband, der unangenehme Reiz ist weg. Es gibt auf dem Markt außerdem auch Würgehalsbänder aus Kettengliedern, bei denen der Reiz auf den Hundehals noch stärker und damit ethisch und moralisch nicht vertretbar ist. Daher eignen sich Würgehalsbänder lediglich für gut erzogene Hunde, die nicht (mehr) an der Leine ziehen. Der Vorteil dieser Halsbänder: Sie lassen sich relativ schnell abnehmen: einfach über den Kopf stülpen, was zum Beispiel beim Training von Jagdhunden oder im Agilitytraining nötig ist.
Zweck: zum schnellen An- und Ableinen
Martin Rütters Urteil: bedenklich
Autor: Martin Rütter
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