
Lesen Sie in DOGS 1/2012 das große Titelthema "Die kleinen Strolche - ein Kennerblick auf 7 perfekte Minirassen" und erfahren Sie, welche Hunderassen im Kleinformat besonders beliebt sind, was sie so liebenswert macht und zu welchen Menschen sie passen.
Menschen, die kleine Hunde haben, tun sich erfahrungsgemäß schwerer, den Hund auch einmal selbstständig irgendetwas machen zu lassen, weil sie besorgter um ihr Tier sind. Zu Recht, denn "das größte Problem bei den Kleinen ist die Sozialisierung mit Artgenossen", weiß die Hofer Trainerin Edith Blechschmidt aus eigener Erfahrung. Beim Spielen kann es leicht passieren, dass der Stöpsel als Beute betrachtet wird oder zumindest als bequemes Mobbingopfer. Zahlreiche Kleinhundebesitzer trauen sich daher nicht, ihren Zwerg mit anderen toben zu lassen, nicht einmal mit anderen Zwergen.
Kleine Hunde an der Leine
Ein weiteres Defizit in der Erziehung von kleinen Hunden ist nach Erfahrung von Edith Blechschmidt, "dass viele Minis nie richtig lernen, ohne Leine zu laufen. Sie haben wenig Grundgehorsam und sind nicht zuverlässig abrufbar. Ihre Halter haben deswegen Angst, die Hunde einfach mal abzuleinen und im Park miteinander rennen zu lassen", erklärt Blechschmidt, die selbst einen kleinen und einen großen Hund hält, einen Chihuahuamischling und einen Belgischen Schäferhund. "Durch den wenigen Freiraum entwickeln sich viele zu regelrechten Flexileinenmonstern", so die Trainerin.
Mangelhafte Sozialisierung, schlechte Erfahrungen mit Artgenossen und Halter, die ängstlich oder zu wenig umsichtig sind, führen dazu, dass viele Kleinhunde sich an der Leine so monströs aufführen wie der "Hund von Baskerville" aus dem Buch von Arthur Conan Doyle. Dabei ist es nicht immer nur Unsicherheit des Menschen, die durch die Leine spürbar ist. Oft wird, meist zu Beginn, darüber gelacht, dass der kleine Hund an der Leine kläfft, was dem das Gefühl geben kann, sein Verhalten sei geradezu gewollt. Es ist aber wichtig, unerwünschtes Verhalten nicht zu verniedlichen und dem Gernegroß Bellattacken nicht durchgehen zu lassen.
Kleine Hunde brauchen Schutz
Der schützende Arm ihres Besitzers ist immer dann nötig, wenn die Gefahr besteht, dass der Kleine getreten oder eingezwängt wird. Manchmal auch, um eine Konfrontation mit Artgenossen zu umgehen, obwohl es die Gefahr birgt, dass der fremde Hund dann an uns hochspringt. Sozialer Austausch mit Artgenossen ist für jeden Hund wichtig, aber den Mini dabei so zu managen, dass er nicht gefährdet wird, und ihn gegebenenfalls zu beschützen, erfordert viel Fachwissen und Übung. "Bei Hundebegegnungen nehme ich inzwischen vorsichtshalber meine Kleinhunde auf den Arm, wenn mir ein Hund entgegenkommt, der entweder offensichtlich nicht durch seinen Menschen kontrolliert werden kann, sehr ungestüm wirkt oder möglicherweise aggressiv ist", erklärt Petra Führmann.

"Das bedeutet natürlich eine Gefährdung für mich selbst. Die nehme ich aber in Kauf. Erst wenn ich davon überzeugt bin, dass der andere Hund freundlich und ruhig genug ist, darf mein Kleinhund nach Absprache mit dem anderen Besitzer Kontakt aufnehmen. Früher war ich, wie viele heute noch, der Meinung, dass der Kleinhund auf keinen Fall ständig hochgenommen werden sollte. Mehrere wirklich schlimme Begegnungen für meine erste Chihuahuahündin, die gejagt, gemobbt und völlig verängstigt wurde, während der jeweilige Besitzer entweder nicht in der Lage war, seinen Hund zu stoppen, oder es gar nicht erst versucht hat nach dem Motto: Der will nur spielen, haben mich jedoch Vorsicht gelehrt." Im Training sollte Wert darauf gelegt werden, dass der Hund in stressigen Situationen zu seinem Menschen flüchten kann und dort auch tatsächlich Schutz erfährt, empfiehlt Trainingsexpertin Führmann.
Trotz aller Vor- und Umsicht, so unbeschwert wie die Besitzer von großen Hunden können Kleinhundehalter ihren Vierbeiner nicht mit anderen toben lassen. Ein stürmischer Labrador oder ein tapsiger Berner Sennenhund ist für einen Zwergpinscher eine Gefahr. Kraft und Motorik sind einfach zu unterschiedlich. Hundehalter sollten also lernen, rechtzeitig zu erkennen, wann es ihrem Dreikäsehoch zu viel wird. Dann ist es wichtig einzugreifen und dem Kleinen zu helfen. Das bedeutet, ihn gegen Große zu beschützen, was nicht immer einfach und mitunter sogar gefährlich sein kann. Selbstsicheres Auftreten und eine eindeutige Körpersprache sind daher das A und O.
Kleine Hunde: gute Erziehung ist wichtig
Den Umgang mit großen Hunden sollten deshalb gerade auch die Halter von kleinen erlernen. Ein Vierbeiner, der nur ein paar Kilo wiegt, lässt sich leicht kontrollieren. Dass man sich zutraut, einen Weimaraner, der den Kleinhund als Beute entdeckt hat, zu stoppen und vor allem, wie, kann ein Hundetrainer unterrichten.
Zuletzt eine Bitte, denn diese Szene kennen wir alle: Der Yorkshireterrier an Geschirr und Leine schnüffelt hingebungsvoll am Laternenpfahl. Die Halterin will weiter, und statt den Hund anzusprechen, rastet die Flexileine ein, und der kleine Hund schwebt ein paar Meter weiter. Wie respektlos das ist, ist vielen Menschen gar nicht klar. Der Hund bekommt keine Chance zu reagieren. Dagegen hilft nur eins: den Yorkie mal gegen einen Rottweiler zu tauschen. Auch dies lässt sich in der Hundeschule ausprobieren.
Text: Astrid Nestler