DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Interview 5 Fragen an Maike Maja Nowak

Astrid Nestler 28.07.2011

Nach dem Mauerfall ging sie nach Russland und ließ Wanja, einen wilden Hund aus dem Wald, in ihr Leben treten. Heute tanzt die ehemalige Liedermacherin auch beruflich mit Hunden und betreibt in Berlin eine Hundeschule. DOGS sprach mit Maike Maja Nowak.

Interview: Fünf Fragen an Maike Maja Novak
Trainerin Maike Maja Nowak wendet sich davon ab, den Hund nur über Leckerchen zu konditionieren: "Er wird auch so folgen." © Knut Koops/ Mosaik bei Goldamnn

Frage 1

Frau Nowak, was halten Sie von Martin Rütter?

Sein Verdienst: Er hat den Menschen ins Bewusstsein gebracht, dass auch Hunde eine Seele haben. Aber er kommuniziert nicht mit Hunden. Er vermittelt Methoden, die heute in 99 Prozent aller Hundeschulen gelehrt werden, wenn nicht mit Gewalt gearbeitet wird. Ich versuche, an Probleme heranzugehen wie ein Hund, Martin Rütter tut es wie ein Mensch.

Frage 2

Als Hundetrainerin lehren Sie Dinge, die andere vor Ihnen auch schon gebracht haben. Was macht Ihren Erfolg aus?

Ich verzichte auf Konditionierung, ich lehre Kommunikation. Einem Hund gelingt es bereits in ganz kurzer Zeit, sein Verhalten zu ändern, wenn eine gute Führung da ist. Das zeige ich sehr bewusst in den ersten Trainingsminuten in meinem Dog-Institut in Berlin – ein Mensch braucht dafür viel länger. Sie können einem ängstlichen Menschen nicht sagen: „Seien Sie mutiger, sonst machen Sie auch Ihrem Hund Angst.“ Sie müssen ihm stattdessen dabei helfen, diese Fähigkeit erst zu entwickeln.

Frage 3

Sie arbeiten mit Warnlaut und zum Beispiel mit Abschnappen mit zwei Fingern. Wie wichtig ist dabei die richtige Technik?

Das ist wie beim Autofahren. Es gibt nicht die Technik, Gas zu geben oder zu bremsen, man muss es mit Gefühl und Instinkt im richtigen Moment in der richtigen Stärke tun. Wenn man über Technik nicht mehr nachdenkt, sondern sie an die Situation angemessen anwendet, kann man einen Hund und ein Auto führen.

Frage 4

Klingt wie die Herangehensweise von Hundetrainerin Anita Balser oder die des US-Hundeflüsterers Cesar Millan, oder?

Ich schätze beide Kollegen sehr. Es ist schade, dass man nur zwei Namen neben mir nennen kann, wenn es um Hundesprache geht. Ich lernte Balser und Millan durch meine Kunden kennen, die mich auf Ähnlichkeiten aufmerksam machten. Als ich mir ihre DVDs anschaute, lehrte ich bereits das, was ich heute lehre. Interessant finde ich, dass wir drei uns noch nie gesehen haben, aber auf Ähnliches gekommen sind, weil wir von Hunden ausgehen.

Frage 5

Was sagen Sie einem Kunden, der keine körperlichen Grenzen setzen und auch nicht über Tabuzonen arbeiten möchte?

Ein Beispiel vorweg: Ich war neulich bei einer Frau mit zwei großen Hunden, von denen einer auch zubeißen wollte. Als ich dem Tier eine Bewegungseinschränkung zurückgab, empörte sich die Frau sehr, obwohl meine Aktion sanfter als die des Hundes gewesen war und der Hund selbst sich ruhig auf den Boden legte. Es stellte sich heraus, dass die Kundin in der Kindheit Grenzen immer als gewalttätig kennengelernt hatte. Früher Gewalt, heute keine Grenzen und Leckerlis … Ich versuche daher herauszubekommen, warum Kunden keine Grenzen setzen wollen. Dahinter ist immer Wesentliches verborgen. Und ich erkläre, was man Hunden antut, wenn sie keine Grenzen erfahren. Das ist nicht schwierig, nur neu.

Zum Weiterlesen

In „Die mit dem Hund tanzt“ beschreibt Hundetrainerin Maike Maja Nowak „tierisch menschliche Geschichten“ und ruft dazu auf, es in der Erziehung von Hunden ihrem früheren Leithund Wanja nachzumachen: einfach führen – ohne Druck, ohne Bestechung, ohne Methode. Mosaik Verlag, 17,99 Euro.

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X