
Leidenschaftliches Apportieren: Wenn keine den Stock allein kriegt, geht es auch zusammen.
Einsatz als Lebensretter
Riesenschnauzer werden zum Beispiel als Rettungshunde eingesetzt. Auch unter extremen Bedingungen,
kreisende Hubschrauberflügel, weinende Menschen, Panik, müssen sie das ihnen gesetzte Ziel aus
eigenem Antrieb bis zum Ende durchführen, nämlich den Menschen retten. Um sie für solche Aufgaben
auszubilden, nutzt der Mensch die Triebe des Hundes, sein Spiel- und Beuteverhalten. Der Ärmel, in
den der Riesenschnauzer beim Schutzhundtraining beißt, ist seine Beute. Doch nicht alle Hunde haben
daran Interesse. "Die spielen schlecht", sagt Sören Roggenbau, oder, wie es auch heißt, die "haben
nicht den Drang". Und in der Beurteilung des Richters heißt es dann statt "TSB bestens ausgeprägt" nur
"vorhanden".
Züchter legen Welpenkäufern gern bestandene Leistungstests vor, denn die lassen Rückschlüsse auf den Charakter der
Elterntiere zu. Sie zeigen etwa, dass sie sich lenken lassen - ein bei diesen vierzig bis fünfzig Kilo schweren Paketen
wesentliches Kriterium. Gefragt ist beim Welpenkauf auch einfacher, praktischer Verstand. Sören Roggenbau rät: "die Mutter
angucken". Am besten ist sogar, wenn "man sich beim Welpenkauf in die Mutterhündin verliebt". Genetisch ist der Vater von
Natur aus genauso beteiligt. Aber die Mutter prägt die Welpen. Sie soll gutartig, freundlich, ausgeglichen wirken.
Sonderlinien des Schnauzers
Neben dem Charakter kann auch Schönheit oder Besonderheit ein Auswahlkriterium sein. Die Riesen
gibt es nicht nur in schwarz, sondern auch in silber-, eisen- und stahlgrau. Pfeffersalz heißen sie.
Nur wenige Züchter widmen sich diesen Sonderlinien.
Zu denen gehört Rüdiger Förste im niedersächsischen Moisburg. Der Hamburger Elektromeister fährt
weit für seine Leidenschaft. Das muss er tun, denn letztes Jahr gab es nur 150 Pfeffersalz-Welpen
in ganz Europa. Darum reist Rüdiger Förste nach Ungarn, nach Schweden, nach Italien, nach England.
Er fährt zu Deckrüden oder bringt die von ihm aufgezogenen Junghunde zu ihren neuen Besitzern.
Ist der Weg zu weit, wird der Hund mit einem professionellen Speditionsunternehmen auf den Weg
geschickt. Der Transfer einer Hündin, die Rüdiger Förste aus Australien bekam, kostete 2500
Euro.
Vielfalt in der Zucht
Wie immer, wenn auf einer schmalen Basis, mit wenigen Hunden, gezüchtet wird, ist die Vitalität
der Rasse in Gefahr. Rüdiger Förste weiß, warum er sich die Mühe mit den weiten Reisen macht:
"Genetik habe ich im kleinen Finger", sagt er. Seine erste Pfeffersalz-Hündin kaufte er 1984.
"Ich hatte immer ein Faible für Auffälliges." Rüdiger Förste ist zwar stolz darauf, dass "alle
in Deutschland vorkommenden Pfeffersalz irgendwann Moisburger Berg", so sein Zwingername, "in
ihrem Stammbaum haben". Doch das geht nur, weil er sich um größtmögliche Vielfalt und
Verwandtschaftsferne bemüht.
Um frisches Blut in seine Pfeffersalz-Linie zu bringen, hat Rüdiger Förste vor einigen Jahren einen
schwarzen Riesenschnauzer eingekreuzt. Dafür brauchte er eine Sondergenehmigung, denn in
Deutschland ist es nicht erlaubt, die Farben zu mischen. Förste erhielt einen Wurf bunter Welpen.
Sie waren schwarz, grau und gelb mit rotem Strich auf dem Rücken. Wie sehr die Richter gelacht
haben, als er mit seiner gelben Hündin eine Ausstellung besuchte, erinnert er genau. Aber er
wusste, was er tat. Isa vom Moisburger Berg hat in der ersten Generation neben schwarzen großartige
Pfeffersalz-Welpen hervorgebracht.
Vorfahren des Riesenschnauzers
Auf die ganze Rasse geschaut, hat Jürgen Förste mit seinem Experiment noch etwas anderes
demonstriert: Im genetischen Hintergrund des Riesenschnauzers stecken so viele bunte Farben wie
bayerische Dorfhunde, aus denen er im Lauf des 19. Jahrhunderts hervorgegangen ist. Ein
Schnauzer-Forscher beschreibt das als "Urbrei" mit "kuhhessigen Pseudo-Riesenschnauzern vom
Schäferhundtyp, mit schauderhaftem Zottelhaar und scheußlichen Farben". Erst durch das Einkreuzen
von Terriern und Mittelschnauzern über Generationen entwickelte sich der Riese.
Modehund der 20er und 30er Jahre
Ihren größten Boom hatte die Rasse in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen
Jahrhunderts. Man ahnt, warum, wenn man ältere Beschreibungen seines Standards liest. Dort steht,
ein guter Riesenschnauzer habe eine trutzig wuchtige Erscheinung, er sei ruhig und besonnen, dabei
auch temperamentvoll und draufgängerisch, schnell, ausdauernd, unbestechlich treu. "Der
Riesenschnauzer war die große Konkurrenz des Deutschen Schäferhundes", erzählt Rüdiger Förste. Und
er führt ein Beispiel an: Die Abteilung für Werkschutz des Elektrounternehmens Siemens & Halske
(heute Siemens) züchtete in den dreißiger Jahren in der Berliner Siemensstadt Riesenschnauzer, und
zwar in dichter Folge von Januar 1931 an. Er hat es in den alten Zuchtbüchern gefunden.
Seit langem dienen Riesenschnauzer in Frankreich und Holland als Polizeihunde, auch in
Deutschland werden sie wieder für den Polizeidienst trainiert. Ihr großer Vorteil: Sie flößen
Respekt ein, ohne scharf zu wirken oder Angst zu machen. Wer das nicht glauben will, sollte
einmal Lukas zuschauen.