Die meisten Hunde betteln. Fast jeder Hund interessiert sich prinzipiell für das Honigbrot oder die Bratwurst in Ihrer Hand, und wenn er mehr als zweimal Erfolg hatte mit seinem steinerweichenden Blick, warum sollte er es dann nicht immer wieder versuchen? Das Gleiche gilt für Hunde, die in der Küche ständig um Ihre Füße herumlungern, sobald Sie das Küchenmesser in die Hand nehmen: Überlegen Sie mal, wie oft Ihnen zufällig oder absichtlich etwas heruntergefallen ist, wie oft Sie außerhalb der Futterzeit Ihren Hund mit abgesägten Käserinden oder Wurstzipfeln erfreut haben.
Er will das Futter, Sie wollen die Macht
Ein Hund, der niemals etwas außerhalb
seines Futternapfes zu fressen bekommt,
wird das Betteln bald einstellen: Es führt ja
zu nichts. Auch ein Hund, der jedes Mal
ein "Nein!" um die Ohren gedonnert bekommt
- das Äquivalent für ein ernst gemeintes
Knurren -, lässt das Betteln bald sein.
Tatsächlich ist für Hunde Essbares keine Kleinigkeit. Essen ist Macht. Selbst Mini-Welpen, die sich noch kaum auf den Beinen halten können, üben untereinander die Sache mit der Machtposition, indem sie sich mit mörderischem Geknurre (soweit man das als Welpe hinbekommt) über irgendetwas Essbarem aufbauen und versuchen, auf diese Weise den Geschwistern Überlegenheit zu demonstrieren.
Wenn Essen Prestige bedeutet, bekommt es auch einen anderen Stellenwert, wenn Sie sein Betteln erfüllen: Sie ordnen sich Ihrem Hund unter. Er fordert, Sie geben nach. Wer hier die Führungsposition innehat, ist klar: Sie nicht.
Gelegenheit macht Diebe
Untereinander finden Hunde
das Betteln übrigens nicht komisch: In
meinem Rudel wird das nur dem Jüngsten,
einem sechs Monate alten Junghund, erlaubt.
Und schon er weiß, dass er es besser
nicht bei dem alten Mops Theo versucht:
Er würde erbarmungslos einen Kinnhaken
bekommen. Theo ist sehr streng.
Hunde, die betteln, stehlen auch häufig.
Stehlen ist ein natürliches Verhalten: In der
Wildnis jagen Hunde, Kojoten und Wölfe
ihr Futter, stehlen aber auch alles, was unbewacht
herumliegt: Gelegenheit macht Diebe.
Um Ihrem Hund das Stehlen abzugewöhnen, fangen Sie am besten mit dem Welpen an, aber auch bei erwachsenen Hunden wirken diese Übungen noch (das Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" gilt nur für Menschen):
Stibitzen verboten!
Spielen Sie mit ihm im Garten oder im Park, lassen
Sie Hundekuchen herumliegen, und sobald
Ihr Hund auch nur daran denkt, die Kekse
zu fressen, werfen Sie ihm ein tiefes "Nein!"
an den Kopf. Er darf nichts fressen, was er
einfach so findet. Wenn Ihr Hund versucht,
schneller zu sein als Sie, nehmen Sie ihn an
die Leine, gehen Sie direkt auf den Keks zu
oder am Keks vorbei - sobald Ihr Hund den
Hals lang macht, sagen Sie streng: "Nein!",
und gehen sofort und schnell in die andere
Richtung. Um dann wieder zu dem Keks
oder einem anderen wohlplatzierten Hundekuchen
zu gehen - von vorn, bis es klappt
und Ihr Hund den Keks nicht mehr ansieht.
Mit sturer Konsequenz zum Ziel
Üben Sie am niedrigen Wohnzimmertisch,
auf den Sie einen Teller mit Käse oder
Würstchen stellen. Sobald Ihr Hund die
Würstchen auch nur ansieht, bekommt er
ein furchtbares "Nein!" hinterhergeworfen:
Warten Sie nicht, bis er sich dem Teller bereits
genähert hat oder gar schon einmal
darübergeleckt hat. Timing ist alles. Bei den
meisten Hunden reicht das "Nein", einige
wenige müssen im Nacken gepackt werden
(nicht hemmungslos geschüttelt, sondern
mit einem festen Griff, den Hunde auch untereinander
als Maßregelung anwenden)
und noch mal streng ein "Nein!" hingedonnert
bekommen. Lassen Sie ihn in der Nähe
des Tisches "Platz" machen und loben Sie
ihn, wenn er sich trotz Würstchen in seiner
Nähe entspannt. Üben Sie einige Tage hintereinander,
bis Ihr Hund verstanden hat,
dass das "Nein!" immer gilt: Es ist Ihr Würstchen,
nicht seines, Ihr Käsekuchen, Ihr Weihnachtsbraten,
Ihr Marzipanbrot.
Verbote gelten auch bei Ihrer Abwesenheit!
Sobald er begreift, dass Essen auf dem
Tisch ihn nichts angeht, müssen Sie kreativer
werden: Verlassen Sie den Raum, aber
schleichen Sie sich zurück, sodass Sie Bello
durch den Türspalt sehen können. Sobald
er den Teller ansieht: "Nein!" Sollte er gar aufstehen,
um sich die Sache genauer anzusehen,
bespritzen Sie ihn entweder mit einer gut
zielenden Wasserpistole (wenn Sie allerdings
Pudel oder Retriever haben, nützt das
nichts: Die empfinden Wasser nicht als Strafe)
oder werfen Sie ihm ohne Ankündigung
scheppernde Trainingsdisks neben die Pfoten.
Er soll sich erschrecken. Es muss schließlich
möglich sein, aufs Klo zu gehen, ohne
dass Sie bei Ihrer Rückkehr Ihren Herzenshund
mit allen vieren in der Schwarzwälder
Kirschtorte vorfinden.
Riechen Sie jeden Braten früher als Ihr Hund
Ein stehlender Hund darf keine Gelegenheit
bekommen, sich selbst zu belohnen: Lassen
Sie ihn nicht allein in der Küche mit Essen in
der Pfanne, auf der Anrichte, auf dem Tisch
oder Katzenfutter auf dem Boden. Räumen
Sie Lebensmittel irgendwohin, wo Ihr Hund
nicht drankommt. Behalten Sie Ihren Hund
im Auge, damit Sie ihn rechtzeitig - vor
dem Stehlen - korrigieren können. Schaffen
Sie sich ein Babygitter an, wenn es nicht
anders geht, üben Sie ein zuverlässiges "Platz!
- Bleib!", bis es Ihnen zu den Ohren herauskommt:
Ein Hund, der abliegt, wenn Sie den
Raum verlassen, kann nicht stehlen.
Und überhaupt ist das "Platz!" und "Bleib!" das wunderbarste
Kommando von allen, um Ihrem
Hund Selbstdisziplin beizubringen und die
Tatsache, dass in Ihrem Haushalt nun mal
Ihre Regeln gelten.
Autorin: Katharina von der Leyen