Àdám Miklósi gehört zu den führenden Verhaltensforschern im Bereich der Kynologie. Exklusiv für DOGS Online beantwortet der Biologe Fragen zur Zukunft der Forschung am Hund.

Verhaltensforscher Àdám Miklósi fasst in seinem Buch "Dog Behaviour, Evolution and Cognition" die Erkenntnisse seiner Arbeit zusammen.
DOGS traf Àdám Miklósi beim Canine Science Forum (25. bis 29. Juli 2010) in Wien.
Herr Miklósi, welches sind die großen Trends in der aktuellen Hundeforschung?
In der Genetik steckt noch viel Potential, auch in der Physiologie, weil wir durch nicht invasive Methoden, also ohne Hunden Schmerzen oder Verletzungen zuzufügen, Veränderungen zum Beispiel im Hormonstoffwechsel oder bei den Hirnströmen messen können. Man kann sagen, alles was wir mit Kindern an Studien machen können, funktioniert im Prinzip auch mit Hunden. Außerdem hilft uns der Hund, Krankheiten zu verstehen, an denen wir Menschen leiden.
Wie funktioniert das?
Hunde sind in vielerlei Beziehung ein gutes Modell für das, was beim Menschen passiert. Zum Beispiel bei der Hirnalterung. Da laufen ganz ähnliche Prozesse ab, wie bei uns Menschen. Wenn wir das beim Hund verstehen, können wir möglicherweise auch Behandlungsansätze für Menschen entwickeln.

DOGS traf Àdám Miklósi auf dem "Canine Science Forum 2010" in Wien. Weitere Informationen zu dem größten Mensch-Hund Wissenschafts-Kongress sowie eine Auswahl der vorgestellten Studienergebnisse finden Sie in unserer
Rubrik Wissen
Kollegen, wie Prof. Dr. Kurt Kotrschal sagen, Sie hätten der Forschung am Hund neuen Auftrieb gegeben.
Das freut mich natürlich, auch wenn es vielleicht etwas übertrieben ist. Mir ging es zu Beginn meiner Arbeit darum, klar zu machen, dass die Gesellschaft des Menschen die natürliche Umgebung des Hundes darstellt. Es macht keinen Sinn, Hunde isoliert studieren zu wollen, da die meisten ihrer Verhaltensweisen auf den Sozialkontakt mit Menschen ausgerichtet sind.
Und damit haben Sie einen Trend ausgelöst.
Fest steht, dass derzeit tatsächlich sehr viel am Hund geforscht wird. Und dieser Trend scheint ungebrochen. Neben Budapest, Wien und Leipzig wird nun auch in Mailand und Lincoln (UK) an Hunden geforscht, ebenso wie in den USA. Für eine junge Generation von Wissenschaftlern ergeben sich daraus viele Vorteile. Sie können Netzwerke bilden, ihr Wissen teilen und an universitätsübergreifenden Studien mitwirken.
Woran forschen Sie gerade?
Interessant finde ich ein neues Projekt mit Robotern. Die Frage lautet: Können Roboter von Hunden lernen - zum Beispiel wie man von Menschen besser akzeptiert wird?
Wie bitte?
Nun (lacht), Roboter können von der Interaktion zwischen Hunden und Menschen lernen, was Menschen als angenehm empfinden. Zum Beispiel sind Hunde sehr gut darin, uns durch Beschwichtigungsgesten wohlwollend zu stimmen. Vielleicht müssen wir Robotern ähnliche Gesten "beibringen", damit sie unser Vertrauen gewinnen. Klar ist, dass wir in den nächsten Jahrzehnten immer mehr mit Robotern zu tun haben werden. Sie werden ein Teil der Dienstleistungen übernehmen, die zuvor Menschen übernommen haben. Vielleicht fällt es uns leichter, diese Maschinen zu akzeptieren, wenn sie sich ein bisschen wie Hunde verhalten.
Wird es in zehn Jahren immer noch interessant sein, am Hund zu forschen?
Auf jeden Fall! Wahrscheinlich wird es noch viel spannender sein als heute.
Tipp: Àdám Miklósis neuestes Buch "Dog Behaviour, Evolution and Cognition" erscheint im Frühjahr 2011 in deutscher Übersetzung.
Interview: Jesko Wilke