Ziel der "Initiative für sozialkompetente Hundehalter" ist es, ein positives Miteinander von Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern zu fördern und wechselseitige gesellschaftliche Vorbehalte und Barrieren abzubauen.
Dazu gehört aus Sicht der Initiatoren, dass sich Hundehalter den gesellschaftlichen Ansprüchen und ihrer besonderen Verantwortung bewusst werden und Rücksicht auf die Interessen und Belange von Nicht-Hundehaltern nehmen.
DOGS sprach mit Kai Nagel, dem Gründer der Initiative.
Gute Idee, zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern zu vermitteln, Herr Nagel. Wie sind Sie darauf gekommen?
Ich habe mit meinem Freund Rolf Schlipköter, der unser Unternehmen beratend begleitet, bei einem Kaminabend diskutiert, warum es immer wieder zu Konflikten zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern kommen muss. Wir fanden schnell, dass die Probleme nur teilweise in der Angst vor unerzogenen oder besonders lebhaften Hunden begründet sind. Viel häufiger geht es in unserer Gesellschaft um mangelnde Rücksichtnahme und den Umgang mit der Hinterlassenschaft der Hunde.
Aber helfen Initiativen, um die Situation zu verbessern?
Der durch den demografischen Wandel beförderte dauerhafte Zuwachs an Hunden als Sozialpartner auch in den Haushalten älterer Menschen schafft zunehmend mehr Berührungspunkte zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern mit zum Teil sehr unterschiedlichen sozialen Vorstellungen und Verhaltensmustern in den verschiedenen Altersgruppen. Wechselseitiges Verständnis zu schaffen ist ein Gebot dieser Entwicklung. Unsere Initiative soll beitragen, dass man sich füreinander interessiert und miteinander ins Gespräch kommt, statt sich Vorhaltungen zu machen oder anzufeinden.
Haben Sie persönlich negative Erfahrungen dieser Art gemacht?
In unserer Familie gab es schon immer Hunde. Meine Vorfahren stammen aus der Landwirtschaft, dort waren Hunde fester Bestandteil des Haushalts. Meine Eltern haben über einen langen Zeitraum Hunde gezüchtet, tolle, selbstbewusste Zwergschnauzer. Hundekot erreicht in ländlichen Gegenden sicher nicht den problematischen Stellenwert wie in Städten. Dafür wird hier der Freilauf immer mehr zum Diskussionsthema. Für uns nicht verständlich, denn wir wissen um die Abrufbarkeit und Erziehung unserer Tiere. Aber das Gegenüber weiß es manchmal nicht und brüllt dann aus mangelndem Sicherheitsgefühl schon mal los oder zückt im schlimmsten Fall das Pfefferspray.
Was macht das Zusammenleben zwischen Hundehaltern und Nichthundebesitzern schwierig?
Sorry, aber überwiegend klappt das Zusammenleben ja prima. Nichthundehalter freuen sich über gut erzogene Hunde und deren freundliche und angenehme Halter. Schwierig wird es, wenn Hundeführer nicht ausreichend Verantwortung für ihren Hund übernehmen. In seltenen Fällen kracht es aber auch, wenn Hundehalter auf notorische Hundefeinde treffen. Da ist jeder Halter machtlos und zieht besser Leine.
Was zeichnet denn einen sozial kompetenten Hundehalter Ihrer Meinung nach aus?
Er ist nicht nur lebensfroh und ausgeglichen, sondern auch ein Menschenfreund, in selbst bestimmbarer Reihenfolge und Festlegung. Weil sie oder er aber nicht nur Hunde mag, nehmen sozial kompetente Hundehalter Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Frei nach dem Motto "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Dazu gehört, dass man die Hinterlassenschaften beseitigt, wenn sein Tier sich auf dem Bürgersteig löst.
Was können Hundehalter tun, wenn es zu einem Konflikt kommt, um die Situation zu entschärfen?
Ich habe kein Patentrezept, aber ich rate aus Erfahrung - obwohl ich als aktiver Bundesliga-Rugbyspieler eher selbstsicher bin - vor allem zu Ruhe und Besonnenheit. Es geht ja nicht darum, Recht zu behalten. Mit Freundlichkeit und defensivem Verhalten erreicht man meist mehr und pflegt gleichzeitig das Image der Hundehalter. Wie heißt es so schön: Der Klügere gibt nach. Gelingt Ihnen das immer? Ganz ehrlich, nicht immer. Sozialkompetenz heißt ja nicht gleich Duckmäusertum und Anpassung bis zur Selbstverleugnung. Welche Rolle spielen hier Gesetzesinitiativen wie die Anlein- und Maulkorbpflicht für verhaltensauffällige Hunde oder etwa der Sachkundenachweis für Hundehalter? In meinen Augen verschärft das nur unnötig die Vorbehalte gegen Hundehalter. Bei Nichthundehaltern gelten sie nämlich als sicheres Indiz dafür, dass Hundehalter nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich mit ihren Fellnasen umzugehen, und daher zwingender Regelungsbedarf besteht. Den Sachkundenachweis für Ersthalter von großen Hunden halte ich dagegen für diskussionswürdig. Er würde auch für die Vierbeiner mehr Sicherheit und Lebensqualität bedeuten. Doch dazu müssten sich erst mal fachkundige Gremien auf verbindliche Ausbildungsinhalte einigen, Ausbilder müssten sich zertifizieren lassen und so weiter. Das ist ein langer Weg, wenn man das vernünftig anfassen will.
Wie könnte ein Projekt aussehen, das von Ihrer Initiative gefördert wird?
Es gibt keinerlei Vorgaben. Wir möchten das Thema bewusst nicht durch Vorgaben einengen. Ich bin vielmehr gespannt auf den Ideenreichtum der Bewerber, finde persönlich aber Generationenprojekte, bei denen Senioren eingebunden sind, sehr spannend. Rolf Schlipköter wünscht sich Kindergarten- und Vorschulprojekte. Aber unsere persönlichen Interessen spielen gar keine Rolle. Wir sind beide nur Mitglieder eines größeren Kreises von Juroren, darunter ist unter anderem DOGS-Chefredakteur Thomas Niederste-Werbeck, die gemeinsam über die Förderung entscheiden werden.