Ende August fand in Wiesbaden der "Hundepolitische Abend" statt. Die Kynologen Dr. Udo Gansloßer und Günther Bloch äußerten sich zur Sinnhaftigkeit der Landesverordnungen, die Rasselisten und Wesenstests für "gefährliche" Hunde festlegen.

Fragwürdig: Die bestehenden Hundeverordnungen der Länder stehen in der Kritik.
Die Veranstaltung "Tierschutz aktuell: vom Wesenstest zur Halterschulung" folgte dem Ziel, den Dialog zwischen Politik und Öffentlichkeit zu fördern, damit die Landeshundeverordnungen auf den Prüfstand gestellt werden. Gast-Referenten waren die Kynologen Dr. Udo Gansloßer und Günther Bloch. Organisiert wurde der Abend durch die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag mit Unterstützung des Landestierschutzverbandes Hessen und des Tierschutzvereins Wiesbaden. Knapp 300 Zuhörer erschienen, um an der Veranstaltung teilzunehmen.
Grundlage der Veranstaltung ist folgende Ausgangssituation: Hessen hat seit fast 10 Jahren eine Gefahrenabwehrverordnung, welche die Öffentlichkeit gegen gefährliche Hunde mit einer Rasseliste schützen will. Diese Rasseliste sowie die in der Verordnung geregelten Wesenstests zur Feststellung der individuellen Gefährlichkeit einzelner Hunde sind umstritten: Gefährlich werden können auch Hunde, die in der Liste nicht aufgeführt sind. Und die angeordneten Wesenstests setzen aus der Perspektive der Verhaltensforschung nicht nur sehr viel Know-How bei den Testern voraus, sondern sind auch bei gegebener Sachkunde nicht unbedingt verlässlich. Weiterhin sieht sich der Tierschutz mit der langen Verweildauer vermeintlicher "Kampfhunde" in den Tierheimen finanziell überfordert.
Methodenkritik der derzeitigen Wesenstests für Hunde
Zoologe Dr. Udo Gansloßer kritisierte in seinem Vortrag auf dem "Hundepolitischen Abend" vor allem die Methodik und die Inhalte der derzeitigen Wesenstests für Hunde. Er erläuterte die gängige Vorgehensweise für Verhaltenstests in der Ethologie und machte damit deutlich, dass ein Wesenstest für Hunde in der Form, in der dieser zur Zeit besteht, hinfällig sei. Weiterhin thematisierte Dr. Gansloßer die Wichtigkeit und Komplexität der verschiedenen Persönlichkeitsformen von Hunden, die bei den momentan gängigen Tests nicht berücksichtigt würden. Außerdem spiele das Alter eines Hundes und die Eigendynamik des Hund-Mensch Teams für das Resultat eines Wesenstest eine erhebliche Rolle. Mit diesen Aussagen kam Dr. Gansloßer zu dem Schluß, dass es kaum möglich sei, ein sinnvolles Testverfahren in eine vollziehbare Verwaltungsvorschrift "zu gießen". Darum mache es Sinn, über andere Möglichkeiten zum Schutz der Bürger vor gefährlichen Hunden nachzudenken.
Verantwortung der Hundebesitzer im öffentlichen Raum
Verhaltensforscher Günther Bloch stellte in seinem Vortrag heraus, dass er sich besonders darüber freue, dass es in Deutschland politisch gesehen endlich in Richtung Hund geht. Er sei als Hundehalter nicht gegen den "Menschenschutz", plädiere aber trotzdem für die Abschaffung der Rasselisten. Weiterhin stellte Bloch fest, dass die eingeführten Verordnungen zum Gefahrenschutz über die Jahre hinweg keine Vermeidung von Beißvorfällen brächten, sondern die Zahl der Beißvorfälle um mehr als das Doppelte gestiegen seien. Auch Bloch kam zu dem Schluss, dass die derzeitigen Hundeverordnungen die Lebensqualität von Hunden verschlechtern, den Menschenschutz nicht gewährleisten und daher überdacht werden müssen. Veränderungsansätze sieht er in der Einführung von Halterschulungen vor dem Kauf eines Hundes, der Einführung von angemessen großen, eingezäunten Auslaufflächen in städtischen Gebieten sowie einer Maulkorbregelung ohne Leinenzwang. Wichtig für eine positive Veränderung der jetzigen Situation sei jedoch ebenfalls die Verantwortung der Hundebesitzer im öffentlichen Raum. Abschließend forderte Bloch die Hundehalter dazu auf, ihr Recht auf Mitsprache in der Demokratie Deutschland zu nutzen, um eine Veränderung zu erreichen.
Ein vorläufiges Ergebnis des "Hundepolitschen Abends" ist das
Wiesbadener Manifest (PDF), mit dem die Abschaffung von Rasselisten und die Einführung eines Halterkundenachweises gefordert werden.
Das Protokoll des "Hundepolitischen Abends" können Sie
hier (PDF) herunterladen.
Auch DOGS engagiert sich aktiv für eine einheitliche bundesweite Hundeverordnung und die Abschaffung von Rasselisten. Lesen Sie hier mehr dazu.