Nach einem erschreckenden Vorfall in der rumänischen Stadt Botosani Ende November schildert der Tierschutzverein Asociatia Ador die aktuelle Lage vor Ort und bittet um Mithilfe.
Den Tierschützern in der rumänischen Stadt Botosani bot sich ein Bild des Schreckens, als sie Ende November rund 70 Hunde aus einem Hundefänger-Van befreiten. Foto: Ador Rumänien
3.12.2012 Sie haben geschrien, gejault, gewimmert und vor Angst gezittert: Den Helfern des Tierschutzvereins Asociatia Ador aus der rumänischen Stadt Botosani bot sich ein Anblick des Schreckens, als sie endlich hinter die Türen des weißen Vans blicken konnten, den sie über Stunden verfolgt hatten.
Etwa 70 Hunde kämpften um ihr Leben. Übereinandergestapelt, große und kleine, alte und junge, auch verletzte Hunde und Welpen drängten sich angstvoll in dem Laderaum des Vans aneinander, der zu einem einzigen großen Käfig umgebaut worden war. So eingepfercht waren sie schon Stunden unterwegs, ohne Wasser, Futter und genügend Luft zum Atmen.
Es war am 19. November 2012, als die Tierschützer von Ador von mehreren Bewohnern der Stadt angerufen wurden, weil die Menschen beobachtet hatten, wie zwei Vans langsam durch die Straßen von Botosani fuhren und alle Hunde einsammelten, die sie sahen. Auch Haushunde, die sich in den Gärten ihrer Besitzer aufhielten, kleine Welpen, die von ihren Müttern getrennt wurden und Hunde, die bereits von Ador kastriert worden waren, erkennbar an der grünen runde Marke im Ohr, wurden eingefangen und in die Vans geworfen.
Die Tierschützer reagierten sofort und folgten einem Van, der mit den Hunden in Richtung des 500 Kilometer entfernten Constanta fuhr. Ihre Befürchtung: Die Hunde sollten dort getötet werden, denn dafür ist die Stadt Constanta bekannt. Recherchen anderer Tierschützer konnten belegen, dass Hundefänger Hunde in den Straßen einfangen, in das ortsansässige Shelter bringen und nur wenige Stunden später die Leichen der Hunde heraustragen.
Aufnahmen vom 19.11.2012 aus Botosani
Die Informationen zu den Geschehnissen in Botosani verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Aus vielen Ländern meldeten sich Tierfreunde bei den Behörden von Botosani und schickten Protestmails. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass auch das Interesse der rumänischen Medien und der Polizei geweckt wurde.
Polizisten stoppten den Van schließlich. Nach zähen Verhandlungen wurden die 70 Hunde wieder zurück nach Botosani geschickt. Die Behörden entschieden, die Tiere ins ohnehin schon völlig überfüllte städtische Tierheim zu bringen, das von Einheimischen und Tierschützern auch "Todeslager" genannt wird. Etwa 150 bis 200 Hunde werden monatlich auf den Straßen gefangen, 100 bis 130 von ihnen sterben im öffentlichen Tierheim an sogenannten "natürlichen Ursachen". So wird es genannt, wenn die Tiere verhungern, erfrieren oder an Verletzungen und unbehandelten Krankheiten sterben.
Der rumänische Tierschutzverein Asociatia Ador half bei der Befreiung der rund 70 Hunde, die in einem umgebauten Van unter unwürdigsten Bedingungen transportiert wurden. Die Tierschützer vor Ort bitten jetzt dringend um Mithilfe. Foto: Ador Rumänien
Die Tierschützer von Asociatia Ador gehen davon aus, dass der Bürgermeister von Botosani aktuell ein Unternehmen aus Constanta angeheuert hat, um so viele Hunde wie möglich einzufangen und aus der Stadt zu bringen. Nach den Geschehnissen im Mai 2011 traue sich die Regierung nicht mehr, so viele Hunde auf einmal in Botosani zu töten. Das, was am 11. Mai 2011 in Botosani passiert ist, wird von Tierschützern das "Botosani-Massaker" genannt. In einer Nacht- und Nebelaktion ließ die Regierung über 230 Hunde töten. Sie spritzten den Hunden das Nervengift T61, das die Muskulatur lähmt, während die kognitiven Fähigkeiten noch in vollem Umfang vorhanden sind. Die Hunde ersticken bei vollem Bewusstsein.
In der Vergangenheit haben die Tierschützer von Botosani der Stadtverwaltung immer wieder angeboten, gemeinsam das Problem der zahlreichen Straßenhunde zu lösen. Experten sind sich einig, dass die einzige langfristige Lösung die Kastration der Straßentiere und die Aufklärung der Bevölkerung ist. Die "Trap-Neuter-Return"-Methode, bei der Straßenhunde eingefangen, kastriert, medizinisch versorgt und dann in ihren ursprünglichen Territorien wieder freigelassen werden, ist nicht nur die humanste, sondern auch die effektivste Methode, um die Streunerpopulation einzudämmen. Das bestätigt auch die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die kastrierten Hunde besetzen so ihr heimatliches Territorium, können sich nicht weiter vermehren und verhindern gleichzeitig das Einwandern neuer, unkastrierter Hunde.
Der Tierschutzverein Asociatia Ador benötigt jetzt dringend Unterstützung. Die Tierschützer müssen derzeit fast 1.000 Hunde versorgen und so viele Tiere wie möglich von der Straße holen. Wer sich informieren oder helfen möchte, findet auf der deutschen Webseite von Asociatia Ador weitere Informationen.